Im Stadtmuseum Hüfingen widmen sich 15 Künstler der Frage, welche Rolle Farbe in Kunst und Leben spielt – und warum ohne sie nichts geht.
Es ist bereits die vierte Sonderausstellung des Jahres im Stadtmuseum Hüfingen. Joachim Seidel, Vorsitzender des Förderkreises des Stadtmuseums, begrüßte zur Eröffnung der Ausstellung „Paint“ die Künstler und viele Besucher sowie das „Paint-Trio“, bestehend aus Bruno Burger (Baritonsaxophon), Stefan Kaiser (Altsaxophon) und Philipp Rosenstiel (Cajon), die die Vernissage musikalisch begleiteten.
„15 Künstler unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach, umso mehr freue ich mich, dass wir das gemeinsam geschafft haben“, hob Seidel in seiner Rede hervor. Ariane Faller, Kuratorin des Stadtmuseums, ging in ihrer Einführung auf die Entwicklung des Ausstellungskonzepts, gemeinsam erstellt mit Stefan Kees, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Museumsförderkreises, ein.
Philosophische Aspekte beleuchtet
Es ginge nicht nur um die künstlerischen Ansätze und Ausformungen des Themas Farbe, sondern auch darum, zu hinterfragen, was die Bedeutung von Farbe sei. Es gebe auch philosophische Aspekte, wie etwa: Was bedeutet Farbe in der heutigen oder auch vergangenen Zeit. Man habe gemeinsam festgestellt, dass eine Welt ohne Farbe nicht existiert. Farbe sei überall. Der Farbe würde auch stets Macht innewohnen.
„Farbe erinnert uns, lässt uns assoziieren, träumen, denken, spüren, davon schweben, fühlen und flüchten, andererseits wühlt sie uns auf, überwältigt uns, strapaziert manchmal bis ins Unerträgliche“, so Faller. Diese Macht der Farbe würde uns überall im Leben begegnen. Zum Beispiel in der Werbung, aber auch im gesamten Alltag; sie sei immer präsent. Dazu sei Farbe die Basis der bildenden Kunst. Wir alle können Farbe unterschiedlich sehen oder wahrnehmen.
Unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema
Die Bezeichnung, die der Mensch einer Farbe gibt, sei ein sprachlicher Kompromiss unter uns Menschen, der es uns ermögliche, unsere Wahrnehmung zu beschreiben und mit den Erfahrungen anderer abzugleichen. Farbe sei daher ein Vehikel, um sich in der Welt zurechtzufinden.
Die Künstler hätten sich in unterschiedlichen Herangehensweisen dem Thema Farbe genähert und diese umgesetzt. So könne beispielsweise Farbe Gegenständlichkeit betonen, sie könne sich in Farbkörpern aus Holz ausdrücken oder in farbigen Stäben komponiert, die an barocke Schlachtengemälde erinnern.
Die Ausstellung zeige zudem, wie unterschiedliche Farben und Farbmaterialien im Alltag gefunden werden können, wie in Ausdrucksformen wie traditionellen Holz- oder Messerschnitten oder Collagen das Thema Farbe allgegenwärtig verarbeitet werde. Auch Weiß sei Farbe, wie man in verschiedenen Werken aus Steinpapier oder Plastiken aus glasiertem Ton sehen könne. Diese Ausstellung zeige, dass es in der zeitgenössischen Kunst keine gemeinsame, alles verbindende, bildnerische Sprache gebe, sondern jede einzelne künstlerische Ausprägung ihre Berechtigung habe.
Ohne Farbe geht gar nichts
Dennoch habe die Farbe auch ein soziales Potenzial, denn die ausgestellten Arbeiten sprechen auf ihre Art und Weise miteinander. Die Besucher sehen und nehmen das Gesehene individuell auf, und die Farbe löst bei ihnen bestimmte interne Prozesse aus. Sie regt an, dass die Besucher untereinander agieren, sprechen und sich austauschen. „Dann hat sie uns endgültig daran erinnert, die Farbe, dass ohne sie gar nichts geht“, schließt Ariane Faller ihre Ausführungen ab.
Die Ausstellung „Paint“
Öffnungszeiten
Die Ausstellung „Paint“ findet noch bis zum Sonntag, 1. Februar 2026, im Stadtmuseum in Hüfingen statt. Geöffnet ist sie sonntags zwischen 14 und 17 Uhr. Nach Vereinbarung ist ein Eintritt auch an anderen Tagen möglich und kann unter Nummer 0172/7 21 07 78 angefragt werden. Zum Abschluss der Ausstellung gibt es noch die Möglichkeit zu einem Künstlergespräch am 1. Februar um 15 Uhr.