Die Ausstellung „Menschsein – Mensch sein“ der Künstlerin Ingrid Wild verbreitet in ihrer Farbintensität Optimismus. Davon ließen sich rund 100 Gäste bei Eröffnung anstecken.
Zwar rechtzeitig, aber gerade noch so trocken geworden, sei so mancher Pinselstrich bei Werken der bildenden Künstlerin Ingrid Wild, die bis kurz vor der Eröffnung der Vernissage ihrer Einzelausstellung in Lauterbach, daran gearbeitet habe, verriet Hubert Nagel , stellvertretender Vorsitzender des Kunstvereins Wilhelm Kimmich am Freitagabend einem großen Publikum bei seiner Begrüßung.
Das Werk Ingrid Wilds verweise auf grundlegende Voraussetzungen menschlichen Daseins. Sie stelle den Menschen in den Mittelpunkt und ginge der philosophischen Frage nach: „Was unser Menschsein ausmacht?“, fasste Johannes Waldschütz, Bereichsleiter Archiv, Kultur und Tourismus beim Landkreis Rottweil, gleich zu Beginn seiner Einführung in die Lauterbacher Schau zusammen. „Sind Sie ein Roboter?“, fragt das ausstellungsprägende Werk, wie der an passender Stelle bestätigende digitale Haken des Menschen bei Nutzung des Internes.
Fragen an das Menschsein
Wild ginge jedoch über den leiblichen Aspekt hinaus, mit einem an Emanuel Kants ethische Arbeit angelehnten „Wildschen Imperativ“,„Vom Menschsein zum Mensch sein“, der kategorisch fordere „genau hinzusehen, Wahrnehmungen zu hinterfragen und sich nicht mit dem ersten Eindruck zufrieden zu geben“, so Waldschütz zu den Arbeiten im Rahmen von Täuschungen. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er in diesem Zusammenhang der Installation „Waldstück“, das beim zweiten Blick eben genau das nicht war.
Wild wünsche sich ein positives Menschenbild und fordere, das Beste aus dem Menschen herauszuholen: „Download Peace“ und „Download Hope“, seien hinweisgebende Werkstitel, ebenso die Forderung nach Selbstreflexion und Auseinandersetzung mit dem Menschsein/Mensch bei „Wer ist das wir?“ oder „Den inneren Kompass ausrichten“ und andere.
Die Vielfältigkeit der Fragestellungen in Wilds optimistischen Werken „brauche Farbe“, so Waldschütz. Ein omnipräsentes Bekenntnis dazu, mit dem Wild dem Zeitgeist, der „der langweiligen Lust am Grau“, weit voraus war. Leuchtende, bewusst abgestimmte Farben über- und nebeneinander gelegt, ein Wechsel zwischen Figur und Abstraktion wie mit den wiederkehrenden „Wildmenschen“ und Motiven aus der Natur sowie Formen, Punkte und Linien, Collagentechnik mit beispielsweise Zeitungsschnipsel-“Sinnspuren“, Landkarten, Papierstreifen, Draht und Textilien sind ebenso bezeichnender Stil Wilds geworden.
Dialog mit Kunst und Klang
Davon konnten sich die durch Wilds Werke zum Dialog aufgeforderte Ausstellungsbesucher selbst überzeugen und wurden gerade wegen oder trotz Waldschütz‘ Werkseinführung zu kritisch Hinterfragenden der eigenen, menschlichen Weise der Existenz.
Die musikalische Begleitung der Ausstellungseröffnung übernahm Wilds Bruder Thomas Kuhner alias „Fox in the Barn“. Auch der Klangkünstler erstaunte das kunstverständige Publikum: Mit Horn, Flügel und Keyboards sowie digitaler Ausstattung erzeugte er live eingespielte, sich wiederholende Klangsequenzen – sogenannte Loops – die zum Träumen einluden.
Information
Öffnungszeiten
„Menschsein – Mensch sein“ ist noch bis Sonntag, 20. September in der Wilhelm-Kimmich-Galerie, Hauptstraße 17, in Lauterbach zu sehen. Der Eintritt ist kostenfrei. Am Sonntag, 17. Mai, wird eine Führung durch die Ausstellung angeboten. Die Künstlerin ist an diesem Nachmittag von 14 bis 17 Uhr in der Galerie anwesend; die Führung beginnt um 14.30 Uhr. Parallel dazu ist auch das Galerie-Café geöffnet.