Die letzte Auflage des inklusiven Kunstprojekts „Inspiration“ findet im großen Museumssaal in Lörrach statt: Warum es alljährlich für große Aufmerksamkeit sorgt.
Und das ist etwas Besonderes: Es ist Würdigung und Anerkennung eines bemerkenswerten Projekts, das seit zwölf Jahren die Besucher begeistert – und tatsächlich inspiriert.
Ins Leben gerufen wurde es von der Museumspädagogin Caroline Buffet. Das Konzept: Es werden Kunstwerke aus der Sammlung des Dreiländermuseums als Vorlage ausgewählt. Menschen mit Beeinträchtigung schaffen nach diesen Vorbildern ihre eigenen Kunstwerke. Es ist immer wieder erstaunlich, welch wunderbare Arbeiten daraus entstehen. Bemerkenswert für die Organisatoren: Die Identifikation des „echten“ Kunstwerks neben den Laien-Arbeiten fällt nicht immer leicht.
„Für mich sind sie alle Künstler“
Begonnen hat alles im Jahr 2013 unter der Mitwirkung von damals gerade mal drei Institutionen und 17 Teilnehmern. Jetzt sind es 75 Künstler aus neun verschiedenen inklusiven Einrichtungen im Dreiländereck, die sich zu eigenen künstlerischen Arbeiten inspirieren ließen, auf deutscher Seite beispielsweise von der Lebenshilfe, dem Atelier Frida oder der Pestalozzischule.
„Für mich sind sie alle Künstler“, sagt Caroline Buffet beim Pressegespräch. Das Projekt zeige, wie durch diesen Ansatz neue Perspektiven entstünden und wie Kunst Barrieren überwinden könne.
Im großen Saal des Dreiländermuseums ist viel Platz für die teils großformatigen Arbeiten. Diesmal konnten sich die Kreativen also auch vom Umfang her austoben. Wie durch einen Vorhang aus Stoffen und Fellen betritt der Besucher den Ausstellungsraum.
Das Thema dieses Jahr lautete schlicht „Tiere“. Und sofort wird man gefesselt von einem mächtigen Löwenkopf, gemalt von von Julia Moll Rakus. Sie ist eine von zwei zeitgenössischen Künstlerinnen, deren Arbeiten als Vorlage dienten. Ansonsten sind es Werke von Adolf Riedlin, Alban Spitz oder Max Laeuger, die als Quelle dienten, allesamt mit Tiermotiven.
Ganz unterschiedliche Herangehensweise
Der Löwe habe es ganz vielen angetan, erzählt die Projektleiterin. Verblüffend, wie unterschiedlich die Kreativen an das Thema herangingen. Da wird Bezug auf Form oder Farbe genommen, da wird die reine Stimmung wiedergegeben, da wird ein Umfeld dazu gedacht, da werden Details, wie das glitzernde Auge des Raubtiers, vergrößert und herausgezogen.
Ob beim Uhu, beim Fisch, der Kuh oder beim Pferd: Lange verweilt man, findet Bezüge, Einzelheiten – und entdeckt so auch das Original wieder ganz neu. Zuweilen sind auch Texte in die Arbeiten eingefügt.
Nicht nur Museumsleiter Jan Merk bedauert, dass das Kunstprojekt mit der Verrentung von Caroline Buffet im Sommer in dieser Form beendet wird. Er verweist indes auf viele weitere geplante museumspädagogische Angebote, darunter auch einige neue. Auch das Thema Inklusion werde im Haus natürlich weiter großgeschrieben, bemerkt er. Für Caroline Buffet ist es – seit längerem unterstützt von Museumspädagogin Susanne Raible – ein schöner Abschluss.
Viele Themen wurden seit 2013 durchgespielt, darunter Licht, Wasser, Mensch und Natur oder Liebe. Kleine Kataloge wurden gedruckt – und auch hier standen stets Original und Laien-Arbeit gleichberechtigt nebeneinander. Zudem wurden von allen Bildern Postkarten gedruckt – eine schöne Würdigung der Kreativen.
Ein großzügiger Teil des Obergeschosses wurde für einen Workshop-Bereich hergerichtet. Dort können von Besuchern geschaffene Werke gleich an die Wand geheftet werden. Im Rahmenprogramm gibt es neben Führungen auch Zeichenworkshops für Kinder, es werden Masken gebastelt. Außerdem gibt es tierische Märchen, von Tonio Paßlick vorgetragen, und einen Erzählabend mit Tiergeschichten im Dialekt mit Markus Manfred Jung.
Vorbereitet auf die diesjährige Ausstellung und deren vorgegebenes Thema hatten sich die inklusiven Künstler im übrigen wieder bei einem Ausflug. Dieses Mal ging es in den Tierpark nach Liestal. Beim Streicheln, Riechen, Fühlen und Sehen seien die Mitwirkenden gleich gefesselt und angeregt worden vom vielschichtigen Thema Tiere, erzählen Caroline Buffet und Susanne Raible. „Da haben sie Emotionen aufgetankt.“ Der Film, der dabei entstanden ist, wird im übrigen bei der Vernissage gezeigt.
Das Publikum zum Staunen bringen
Das Projekt Inspiration will sensibilisieren und das Publikum zum Staunen bringen, fasst seine Ideengeberin zusammen. Das Netzwerk aller Beteiligten sei mittlerweile wie eine Familie zusammengewachsen. Sie hofft, dass die „Inspiration“ weitere Projekte generieren wird – und weiter inspiriert.
Info: Vernissage zum inklusiven Kunstprojekt „Inspiration 12“ ist am Freitag, 30.Januar, 18 Uhr, im Obergeschoss des Dreiländermuseums, Basler Straße 143