Für Ria Stahlberger sind Keummi Paik-Bauermeister und Rosa Lachenmeier Künstlerinnen, bei denen zusammen ihre „Lebenden Linien und Farben“ voll zur Geltung kommen.
Das ist Kunst, die interessiert: Großen Zulauf verzeichnete die Weiler Galerie Stahlberger am Sonntag bei der Eröffnung ihrer neuen Ausstellung mit Arbeiten von Rosa Lachenmeier und Keummi Paik-Bauermeister.
Beide Künstlerinnen haben schon bei Stahlberger ausgestellt, erinnerte Galeristin Ria Stahlberger. Die Zusammenschau der beiden so unterschiedlichen Positionen eröffne neue Aspekte.
Große Leidenschaft für Kunst
Eine große Leidenschaft für Kunst, Offenheit und Neugier zeichne die Galeristin bei der Wahl ihrer Ausstellungen aus, lobte Susanne Graner, Chefin der Sammlung und des Archivs im Vitra Design Museum, welche die Einführung bei der Vernissage übernommen hatte. „Lebende Linien und Farben“, so der Titel der Ausstellung, führen hinaus aus starren Systemen der Kunstauffassung und althergebrachten Mustern, eröffnen neue Sichtweisen. Dabei gehe es auch um Emotionen und Zufälle, sagte Graner. Die gezeigten Werke umfassen Schaffensphasen der beiden Künstlerinnen aus den vergangenen zwei Jahrzehnten.
Verbindung der Art der Arbeiten ein Aspekt
Rosa Lachenmeier kehrte nach einem Studium für Bildende Kunst an der Schule für Gestaltung Basel als Dozentin an diese zurück und begann gleichzeitig als freischaffende Künstlerin zu arbeiten. Es folgten Arbeitsaufenthalte in Amsterdam, Berlin und New York. Für Lachenmeier ist die Erforschung der Verbindung von Fotografie, Malerei und Collage ein wichtiger Aspekt in ihrem Schaffen. So hat sie die Arbeitsspuren auf dem Boden ihres Ateliers fotografiert und dieses Motiv dann malerisch weiterentwickelt. In einem seit 2018 laufenden Langzeitprojekt beschäftigt sie sich mit den Rheinübergängen von Graubünden bis in die Niederlande.
Themen Sommer und Garten
Ein Teil dieser Arbeiten wurde 2022 im Markgräfler Museum Müllheim gezeigt. Bei Stahlberger sind unter anderem Arbeiten aus ihrem Zyklus „Drops an Spots“ zu sehen, eine wichtige Rolle spielen in dieser Schau die Themen Sommer und Garten, festgehalten in kraftvoll erzählenden Bildern, die in ihrer Nichtgegenständlichkeit und dem Spannungsfeld zwischen strengen Linien und sich frei entfaltender Farbigkeit viel Raum für die Fantasie der Betrachtenden lassen.
Arbeiten widmen sich ganz der Farbe
Einen Gegenpol zu diesen temperamentvollen Gesten stellen die Arbeiten von Keummi Paik-Bauermeister her. Die in Südkorea geborene Künstlerin hat unter anderem an der Kunstakademie Karlsruhe bei Peter Dreher studiert und ist seit 1990 freischaffend. Ihre Arbeiten widmen sich ganz der Farbe, die sie entweder kompakt auf der Bildfläche verteilt, in parallelen Linien anordnet oder auch als frei im Bildformat schwebende kleine zweidimensionale Formen präsentiert.
Farbe wird durch benachbarte Farbe erst dazu
Dabei kommt als Malgrund sowohl Leinwand, als auch Büttenpapier zum Einsatz, letzteres gibt der Farbe eine weiche, feine Textur, lässt sie für sich selbst sprechen. Hier zitierte Susanne Graner die niederländische Designerin Hella Jongerius, die festgestellt hatte, dass Farbe erst durch eine benachbarte Farbe zur Farbe wird. Das Werk von Keummi Paik-Bauermeister strahlt eine große Gelassenheit und Ruhe aus. Sie verzichtet bewusst auf Titel für ihre Bilder, die dadurch etwas Absolutes bekommen.
Zwischen den Werken ergeben sich Dialoge
Mit großer Stilsicherheit präsentiert die Galerie in ihren drei nicht sehr großen Räumen wieder einmal ein Künstlerensemble, dessen Werke durch eine gut überlegte Hängung miteinander in spannende Dialoge eintreten können. Rosa Lachenmeier erinnerte sich, dass sie in den 1980er-Jahren von der neuen Galerie in Alt-Weil gelesen hatte und sich daraufhin aufs Fahrrad schwang, um den „berühmten Galeristen“ Hanspeter Stahlberger zu besuchen, der sich für sie Zeit für ein gehaltvolles Gespräch genommen habe. Seit seinem Tod im Jahr 2004 führt Ria Stahlberger die Galerie weiter, die mit ihrem Anspruch an Qualität und Innovation zu den bekanntesten Ausstellungsplätzen am Oberrhein zählt.