Anlässlich der Verleihung des Markgräfler Kunstpreises ist das Weiler Stapflehus wieder einmal belebter Schauplatz der regionalen Kunstszene.
Es ist inzwischen die 32. Verleihung des Markgräfler Kunstpreises der Sparkasse Markgräflerland.
Vorstandsvorsitzender Stephan Grether unterstrich bei seiner Begrüßung den öffentlichen Auftrag der Sparkassen, der die Förderung des Gemeinwohls umschließe.
Seit der ersten Preisverleihung im Jahr 1991 habe die Kunststiftung der Sparkasse Markgräflerland 1,4 Millionen Euro an professionelle Künstlerinnen und Künstler aus der Region ausgeschüttet.
Man wolle damit die zeitgenössische Kunst in der Kulturlandschaft Markgräflerland würdigen und dazu beitragen, die geschaffenen Werke sichtbar und erlebbar zu machen.
„Dieses Haus hat eine Seele“
Oberbürgermeisterin Diana Stöcker würdigte als Mitglied des Stiftungsbeirates das Stapflehus und seine Umgebung mit dem Landwirtschaftsmuseum und dem Museum am Lindenplatz als „kulturelles Zentrum“ von Alt-Weil, das bei jeder Ausstellung zu einem ganz besonderen Ort werde.
„Dieses Haus hat eine Seele“, sagte sie. Anwesend bei der Preisverleihung waren auch zahlreiche ehemalige Preisträgerinnen und Preisträger, darunter der Bildhauer Reinhard Bombsch, Preisträger des Jahres 1992. Er hat die kleine Porzellanskulptur geschaffen, die seither bei jeder Preisverleihung überreicht wird. Mit ihr verbunden ist ein Preisgeld von 5000 Euro.
Kontakte zu Künstlern und Galeristen in aller Welt
Die Laudatio hielt Heike Piehler, Kunsthistorikerin und Kunstsachverständige im Beirat der Kulturstiftung in der Sparkasse Markgräflerland. Wolfgang Faller, der seit 2003 im Markgräflerland lebt, sei seit seinem Studium immer auch in Italien und Südfrankreich zu Hause und pflege Freundschaften und Kontakte zu Kunstschaffenden, Galeristen und Ausstellungshäusern in der ganzen Welt, sagte sie. Imposant war ihre Aufzählung der Ausstellungsbeteiligungen Fallers allein seit 2023 in 13 Ländern weltweit, darunter USA, Südkorea und Senegal.
Faller als Netzwerker und Kurator
In Müllheim arbeite Faller nicht nur als Künstler sondern auch als Netzwerker und Kurator im Markgräfler Museum, das auf seine Initiative hin im vergangenen Jahr die Ausstellung „Mail Art (R)Evolution“ gezeigt hatte, zu der über 500 Kunstschaffende aus der ganzen Welt Beiträge in Postkartengröße geschickt hatten. Faller sei Kosmopolit und Humanist, bei dem der Mensch als Spezies im Fokus stehe.
Neue Werke für Ausstellung geschaffen
Für die Ausstellung im Stapflehus hat Faller neue Werke geschaffen, zwei großformatige Bilder geben dem für Kunstpräsentationen schwierig zu bespielenden Raum im Erdgeschoss Struktur und visualisieren das Thema „Zeitläufe“. Wie er aus der Farbe die Form entwickle und dabei eine radikal subjektive Bildsprache pflege, erläuterte Piehler anhand der Bilder im Veranstaltungsraum. Dort findet sich mit den „Zugvögeln“ das Herzstück der Ausstellung: Aus Fundstücken wie Holz, vergessenen Malutensilien und anderem gefertigte, mit kraftvoller Farbgebung präzisierte menschliche Gestalten fliegen scheinbar schwerelos über die Wand. Diese Serie begann Faller 1999 in Berlin. Sie umfasst inzwischen über 300 Exemplare.
Skulpturen mit prägnantem Ausdruck
Auch den Skulpturen, die Faller im Dachgeschoss als „Artgenossen“ zeigt, liegen Fundstücke zugrunde, die er als Schwemmholz am Lago Maggiore, als ausgedrückte Farbtuben in seinem Atelier oder als Zufallsfunde in alten Fabrikhallen aufgehoben hat. Durch ihre Anordnung, Zusammenstellung und eine sparsame, aber kraftvolle Farbgebung erhalten sie ihren prägnanten Ausdruck. Poetische Titel wie Zauberlehrling, Engel oder Narrenschiff bieten dabei beim Betrachten eine Lesart an, sagte Piehler.
Prekäre Situation der Kunst im Land
Wolfgang Faller nahm seine Dankesworte zum Anlass, auf die prekäre Situation der zeitgenössischen Kunst im Land hinzuweisen: Insgesamt würden jährlich 500 Kunstpreise in Deutschland vergeben, angesichts einer Zahl von 130.000 Kunstschaffenden eine sehr geringe Quote. Umso glücklicher sei er darüber, sein Werk jetzt mit diesem Preis gewürdigt zu sehen.