Christiane Puppel mit blauen den Frauenporträts aller sechs Künstler Foto: Tonio Paßlick

Im Museum am Lindenplatz wird am Freitag, 27. März, die Ausstellung „Rauschen der Formen“ eröffnet. Sechs Künstler des Ateliers „Frida“ stellen ihre Arbeiten aus.

Kunst wirkt als Medium, das keine Behinderung kennt. Die neue Ausstellung „Rauschen der Formen“, die am Freitagabend um 18 Uhr im Museum am Lindenplatz von Oberbürgermeisterin Diana Stöcker eröffnet wird, dokumentiert berührend, wie Kunst durchlässig und grenzenlos wirken kann, wenn man Barrieren aus dem Weg räumt und sie durch Begegnungen auf Augenhöhe ersetzt.

 

Sechs „Frida“-Künstler

In dem kuratorischen Konzept von Isabel Balzer und Leena Crasemann setzen sich die beiden professionellen Künstler Katharina Kemmerling aus Bad Säckingen und Andreas Schneider aus Basel mit den Arbeiten von sechs Künstlerinnen und Künstlern des Ateliers „Frida“ aus Lörrach auseinander, das als Projekt der Lebenshilfe Lörrach seit elf Jahren unter der Leitung der Kunstpädagogin Christiane Puppel und der organisatorischen Betreuung von Katrin Schröder-Meiburg in den Räumen der Schöpflin-Stiftung in Brombach einen idealen schöpferischen Resonanz-Raum gefunden hat.

Regelmäßig treffen sich im Atelier künstlerisch begabte Mitarbeiter:innen der Lebenshilfe Lörrach und des Café-Bistro „Glashaus“, um ihre Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Mit zahlreichen Ausstellungen konnte auch eine faszinierte Öffentlichkeit daran teilhaben.

Eine „tolle Erfahrung“

Als „tolle Erfahrung“ fasst die Weiler Kuratorin Isabel Balzer die Vorbereitungsarbeiten im Projektteam zusammen. Von den sechs beteiligten Künstlern Peter Ehrlich, Maik Fechner, Simone Lieber, Salvatore Mangiapane, Carmen Schäuble und Sandra Stankiewicz standen sehr viele Arbeiten zur Auswahl, von denen letztlich 71 Bilder ausgewählt wurden. Von einer Petersburger Hängung habe man bewusst abgesehen, betont Isabel Balzer, um den Arbeiten Raum und Luft zu geben. Zumal die beiden Profi-Künstler mit plastischen Installationen und Objekten auf das „Rauschen der Formen“ der „Frida“-Künstler einfühlsame Antworten fanden.

Ergreifende Dialoge

So entspinnen sich ergreifende Dialoge zwischen Carmen Schäubles Acrylbild „Halbmond“ und der fast raumfüllenden und gleichwohl dynamischen Installation „Even beautiful“ von Andreas Schneider im Obergeschoss des Museums. Die gelben Neonröhren und der verzinkte Stahlrahmen nehmen den Bogen des Bildes von Carmen Schäuble auf und scheinen ihm blaue Flügel mit den Kunststoff-Waben zu verleihen.

Der Umgang mit Licht

Wie sensibel Schneider mit Licht umgeht, erschließt sich dem Betrachter in der Korrelation zwischen Peter Ehrlichs „Feder“ und Schneiders Installation „Even more beautiful“ mit Alu-Bögen und Schnüren mit vernickelten Kappen, deren Dynamik durch die Schattenschraffuren auf Wänden und Boden surreale Assoziationen weckt. Das „Thematisieren und Hervorheben von Unsichtbarem und Ignoriertem, von Verborgenem und Vergessenem, von Sozialem und Akzeptiertem“ ist eines seiner Leitmotive künstlerischer Arbeit, kann man dem Portfolio von Andreas Schneider entnehmen.

Installationen

Was durchaus auch für seine Kollegin Katharina Kemmerling gelten könnte, die in zwei anderen Räumen im Obergeschoss des Museums mit Installationen auf die Acrylarbeiten von Carmen Schäuble und Sandra Stankiewicz antwortet, die durchaus haptisch erfahrbar sein dürfen. Bei „Xeno 1“ mit fast skizzenhaft ausgreifenden Formen aus Metall, Baumwolle, Glas, Polyester und Elasthan entstehen Wesen, die den kreativen Titeln ihrer „Frida“-Kollegen plastische Zitate entlocken. „Der Feuervogel“ oder „Der Einäugige“, „Scham“, „Argwohn“ oder einfach „Und?“ heißen die fantasievollen Werke, deren Namen über Nummern unter den Arbeiten auf die Werkliste der „Frida“-Künstler erfahrbar gemacht werden.

Rauschen der Formen“ heißt die Ausstellung, zu der Katharina Kemmerling Xeno 1 und 2 beiträgt. Foto: Tonio Paßlick

Denn es geht vor allem um Wahrnehmungserfahrungen, nicht um den wertenden Blick auf das Abgebildete. Es geht um die Sicht auf die Welt und die eigenen Gefühle, um Identität, um Vielfältigkeit und Diversität in einem Kosmos, der ohne Barrieren auskommt. Andreas Schneider hat in seiner künstlerischen Resonanz nicht nur den visuellen Eindruck, sondern auch seinen Hör-Sinn befragt und seine Installationen hergeleitet von dem Kinderlied „Laterne, Laterne“ und dem Song „Oh Yeah“ des Duos „Yello“ mit dem Zitat „Even beautiful“ und der Steigerung davon, die Sonne und Mond symbolisieren. Katharina Kemmerling hat in den beiden „Terra“ genannten Figuren aus Baumwolle und Polyester weitere Sinne eingewoben – die haptische und olfaktorische Erfahrung durch Kräuterduft und weiche Berührungen.

Auch die Erinnerung wird gepflegt. Im Garderobenraum mit zwei an Hodler erinnernde Grazien von Oliver Nönninger, der das erste „Frida“-Jahr mit seiner Persönlichkeit prägte. Wie das rauschende Leben wirken die sechs blauen Frauen-Porträts, die im ersten Erdgeschoss-Raum wie eine Einladung zum Rundgang alle sechs lebenden Künstler vorstellen. Die Kleinteiligkeit der Räume im Museum am Lindenplatz hat sich so als Segen erwiesen, ist sich das Team einig, nachdem die Ausstellung ursprünglich für das Stapflehus gedacht war.

Ausstellungsdaten

„Rauschen der Formen“ , 27. März bis 12. Juli, zahlreiche Rahmenveranstaltungen mit Führungen, Workshops, Künstlergesprächen und abschließendem Museumsfest. Näheres auf der Internetseite www.museen-weil-am-rhein.de