Mit seiner Preisträgerausstellung „Zeitläufe“ in Weil am Rhein leistet Wolfgang Faller einen künstlerischen Beitrag, einen scharfsichtigen Blick auf die Welt zu wagen.
Die Sonne strahlt am Ostermontag in üppigen Farben – wie viele der Porträts und Skulpturen des Markgräfler Kunstpreisträgers Wolfgang Faller, die in den drei Stockwerken der städtischen Galerie Stapflehus auf ein interessiertes Publikum warten. Denn der Nachmittag wurde als Gelegenheit zum Gespräch mit dem Künstler angeboten und zur Überraschung des in Müllheim lebenden Künstlers nutzten dies mehr als 20 Besucher.
Wolfgang Faller geht mit Offenheit in den Dialog
Manche sprechen Faller unmittelbar an, auf andere geht der 74-Jährige mit seiner empathischen Offenheit zu. „Auf viele hat der Farbenrausch im Erdgeschoss einen starken Eindruck hinterlassen“, sagt der Künstler im Rückblick, „andere reagierten sehr interessiert auf die Skulpturen im Dachgeschoss – aber die meisten standen lange vor den ,Zugvögeln‘ auf der großen Wand im Obergeschoss“.
Seine Arbeiten wecken Erinnerungen, auch bei ihm
Eine Arbeit aus dem Jahr 1999, die viele Erinnerungen weckt. Denn damals stand er vor logistischen Problemen, als eine Einladung zu einer Ausstellung in Athen kam. Damals lebte er noch in Berlin, aber seine Fundstücke aus vielen Reisen hatte er zu kleinen und sehr individuellen Figuren zusammengesetzt. Wolfgang Faller sieht seine Werke als Spiegelbild seiner Zeit. Ein künstlerischer Beitrag, einen humaneren, aber auch scharfsichtigeren Blick auf die Welt zu wagen.
Eine Rolle auf der Weltbühne
Seine Fundobjekte setzte er wie Silhouetten zusammen, deren Form und Bemalung aus der Unkenntlichkeit heraus eine Rolle auf der Weltbühne annehmen. Sie tragen Namen, die ein Kopfkino auslösen können – wie Parzival, Zauberlehrling, „Danse nocturne“ oder „King of nothing“. Farbenfroh und schicksalhaft zugleich. Damals füllten sie einen großen Koffer, aus dem sich die ganze Ausstellung von Athen gestalten ließ. Bis heute sind etwa 300 dieser farbintensiven Wandobjekte in Menschengestalt entstanden.
Individuell wie der Mensch selbst
Fundstücke wie Schwemmholz, alte Malutensilien oder Überbleibsel aus Industriebrachen. Viele davon sammelt Wolfgang Faller auf seinen Reisen im Koffer. Unerschöpfliche Inspirationsquellen, mit einer Formenwelt, die so individuell und charaktervoll wie der Mensch selbst sind.
Im Stapflehus wirken sie wie eine Metapher auf die in Brüche geratenen Strukturen einer Welt, in der immer mehr Menschen neue Orientierungen, neue Heimat und Sicherheit suchen. In der Dynamik wirkt gleichsam eine Kraft der Harmonie, die sich nicht auslöschen lässt. Und die beim Betrachter unterbewusste Schichten anzusprechen vermag.
International vernetzter Kosmopolit
Der 1952 in Villingen geborene Maler, Zeichner und Bildhauer studierte an der Mailänder Kunstakademie und der Kunsthochschule in Lille. Er ließ sich zunächst in Südfrankreich nieder und zog 1985 nach Berlin. Seit 2003 ist Müllheim im Markgräflerland die Wahlheimat des international vernetzten Kosmopoliten, der auch als Kurator tätig ist.
Verschmitzter und tiefsinniger Geist
Seine Malweise ist spontan, in der Technik des Impasto, dem reliefartigen üppigen Auftragen von Farbe. Und seine Arbeiten spiegeln einen verschmitzten und zugleich tiefsinnigen Geist wider.
Ironischer Beitrag zur Kunstgeschichte
Wie bei den „Künstlerkonserven“ im Dachgeschoss, die als ironischer Beitrag zur Kunstgeschichte eine Serie maßgeblicher Persönlichkeiten der Kunstgeschichte porträtieren, die wie befreite Flaschengeister aus einer Fisch-Konservernbüchse schauen. Eine Variation des Themas der Auslöschung, Verwandlung und Interpretation vermeintlich vertrauter Gesichtszüge, die sich uns maskenhaft eingeprägt haben. Um letztlich jenseits der Maske nach der Essenz einer Person, ihrem Charakter und seiner Aura zu forschen.
Solche und ähnliche Arbeiten haben der Ausstellung den Titel „Zeitläufe“ gegeben, die noch bis zum 31. Mai im Stapflehus zu sehen sein wird. Die Arbeiten spielen mit der Verfremdung und wühlen dennoch in Assoziationen und Erinnerungen.
Schöne Erinnerungen an frühe Jahre
Kurz vor Ablauf der Öffnungszeit kommen diese am Ostermontag wie von selber. Eine Besucherin zeigt ihm die Fotografie eines Bild, das sie vor Jahrzehnten von ihm gekauft hatte. Und weckt schöne Erinnerungen an frühe Jahre eines vielseitig inspirierten Künstlerlebens.