Mit Heike Negenborn zeigt die junge Galerie White Dog in Weil am Rhein in ihrer Winterausstellung eine renommierte Landschaftsmalerin.
Von der holländischen Landschaftskunst eines Jacob van Ruisdael, einem Alten Meister aus dem 17. Jahrhundert, lässt sich Heike Negenborn zu ihren präzisen Naturbeobachtungen von Landschaft inspirieren. Sie ist eine renommierte Landschaftsmalerin der Gegenwart.
Eines ihrer Vorbilder ist Ruisdael, der sich in Amsterdam niederließ und imposante, aufgetürmte Wolkengebilde und wolkenverhangene Himmel in oft dramatischen, pathetischen Stimmungen darstellte. Auf Ruisdaels faszinierende Panoramalandschaften voller Weite reagiert die 61-jährige Heike Negenborn mit ihrem strengen Bildaufbau, den tief liegenden Horizonten und den kolossalen Wolkenhimmeln.
Negenborn führt das Genre der Landschaftsmalerei, die ohne dazu erfundene Staffage auskommt, in die heutige Zeit. So hat sie sich eine individuelle Handschrift und einen Platz in der Gegenwartskunst gesichert.
Ihre faszinierenden Großformate von Wolkenfragmenten und alpinen Panoramen hängen zurzeit in der White Dog Galerie in Alt-Weil. Der Titel „Blickachsen“ weist darauf hin, dass die Malerin Methoden anwendet, die Landschaft zu erforschen und exakt zu vermessen.
Es ist eine malerische Art der Vermessung der Welt, und die Künstlerin benutzt dazu nicht nur die Fotografie, die Malerei und digitale Konstruktionen, sondern auch analoge Werkzeuge wie Winkelmesser und Zollstock und legt über ihre Landschaften ein Netz von geometrischen Rasterstrukturen, die sich in gemalten Pixeln auflösen. Dadurch wirken diese aus verschiedenen Ebenen „gebauten“ und mithin collagierten Landschaften noch einmal weiter verfremdet.
Negenborg nimmt oft Himmel aus einer bestimmten Gegend und kombiniert sie mit einer anderen Landschaft. Da kann der Himmel aus Frankreich stammen und die Landschaft aus der Pfalz oder den Alpen.
Wiederholt stellt die Malerin in einer Serie das Matterhorn dar: im Vordergrund eine reale Ebene, danach die schnee- oder eisbedeckten Berggipfel, darüber ein fast schon romantisches Wolkengebirge à la Caspar David Friedrich.
Seit langer Zeit beschäftigt sich die Künstlerin mit diesen Überblickslandschaften und ihren besonderen Perspektiven. Sie sitzt in der Natur, lernt aus der ihr, erstellt vor Ort Skizzen und Aufnahmen, die sie später analog und digital überarbeitet, macht ihre Beobachtungen – auch von den Eingriffen und dem Wandel in die Landschaft - und bringt diese in ihre malerischen Konstrukte ein.
Ähnlich wie ein van Ruisdael macht auch Negenborn Inszenierungen von Landschaft. Sie setzt sie teilweise dramatisch in Szene wie ein Theaterstück, wobei sie auch mit Lichtwirkungen und Hell-Dunkel-Kontrasten arbeitet. Ihre Bilder bewegen sich daher im Spannungsfeld zwischen gewachsener Natur und zivilisatorischer Kulturlandschaft.
Galerist Gerd Paulicke hat in einer persönlichen Auswahl Werkbeispiele ausgewählt, die für eine Winterausstellung passend sind: beeindruckende Gemälde, aber auch kleinere Grafiken in reduzierter Farbigkeit, meist in Schwarzweiß- oder Grautönen, die eine winterliche Atmosphäre in die Galerieräume bringen und Ruhe ausstrahlen.
Paulicke hat sich bewusst für monochrome Arbeiten entschieden, für „Werke, die die kühlen Jahreszeiten in den Blick nehmen und eine klare, fast meditative Winterlichkeit ausstrahlen“.
Bei der Eröffnung überreichte der Galerist, Bildhauer und Maler, der sich selber in seiner künstlerischen Arbeit immer wieder mit Wolken beschäftigt, der Künstlerin ein kleines Buch von Hermann Hesse mit dem sinnfälligen Titel „Wolken“.