Rudolf Strasser beleuchtet unter dem Titel „Sieh, der Wäschle ist noch da!“ Leben und Werk des Rottweiler Malers. Foto: Schnekenburger

Rudolf Strasser legt eine kleine Monografie über Bernhard Wäschle – „Ein fast vergessener Rottweiler Kunstmaler“ – vor und fördert dabei Spannendes zutage.

Wem das Augenmerk des Geschichts- und Altertumsvereins bei seiner aktuellen Jahresgabe gilt, wird im Untertitel klar: „Ein fast vergessener Rottweiler Kunstmaler“ ist Bernhard Wäschle, der älteren Generation noch deutlich vor Augen, der jüngeren kaum bewusst.

 

Dabei muss man nicht mal ins Museum gehen, um Arbeiten Wäschles zu entdecken. Fassadenmalereien in der oberen Hauptstraße und die Fresken eines Narrenzugs und einer Trachtengruppe in der Bahnhofshalle sind von Wäschles Hand. Und damit die Publikation noch ein bisschen Unterstützung bekommt, beziehungsweise das Büchlein doch ein Fenster in die Stadtgeschichte aufstoßen kann, ist ein ebensolches im Stadtmuseum dem Maler gewidmet.

Unter anderem Zeichnungen für einen Kreuzweg in Wellendingen sind im Schaufenster des Stadtmuseums zu sehen. Foto: Schnekenburger

Zu sehen sind dort unter anderem der Blick durchs Hauptschiff zum Altar des Heilig-Kreuz-Münsters und Zeichnungen für einen Kreuzweg in der Wellendinger Ulrichskirche. Letztere spielt in der Künstlervita Bernhard Wäschles auch eine spezielle Rolle – und sie zeigt, ungeachtet der ausgeführten und geplanten Arbeiten dort, das ganze Ausmaß an Einflussnahmen, Konfliktlinien, Anwürfen und Enttäuschungen, denen sich ein Künstler, der, schon im Spiel, gerne einen Auftrag realisiert hätte, ausgesetzt sieht.

Das Büchlein öffnet ein Fenster zu den unterschiedlichen Stilistiken, die Bernhard Wäschle in seinem Schaffen verfolgt hat. Foto: Schnekenburger

Nicht nur diese Szenen hat Rudolf Strasser pointiert geschildert. Zumal ihm hier, anders als über weite Passagen des Lebens und Schaffens von Bernhard Wäschle, schriftliche Quellen zur Verfügung standen. Entsprechend exemplarisch ist dieser Abschnitt zu lesen.

Knappe Quellenlagen, und das, obwohl der Anstoß für das Projekt ja aus „einer Ü-80-Ecke“ rührte, in der, und nicht nur dort, Wäschle noch persönlich bekannt war, ziehen mitunter kreative Problemlösungen nach sich. Manchmal ist das Machen selbst ein Katalysator, der neudeutsch „Content“ bringt. So seien während der Recherchen Familien an ihn herangetreten, in deren besitz sich Arbeiten von Wäschle befinden. Besagter Blick ins Münster kam so in den Besitz der Heilig-Kreuz-Gemeinde.

Porträts statt Biografie

Was Strassers Arbeit zugute kam: „Es sind noch einige Bilder da, die ich auch fotografieren konnte“, berichtet er. Und er verweist auf die Familien, die sich gemeldet hatten. Zudem können Wäschles Nachkommen mit Informationen und Materialien, mindestens mündlich, zum Bild Wäschles beitragen. Mit einem kleinen Kunstgriff macht Strasser übrigens eine Pflicht zur Kür: Anstelle einer Biografie gibt es Porträts der Familie. Wobei die beiden Selbstdarstellungen in dieser Reihe durchaus von unterschiedlichen Seelenzuständen des Künstlers erzählen.

Die Auswahl der Abbildungen zeigt eine Künstlerpersönlichkeit, die ein stilistisch heterogenes Werk schuf. Damit passt Wäschle, Jahrgang 1898, schon sin bisschen ins Bild der „verschollenen Generation“, auch wenn sich der eigene ästhetische Diskurs immer wieder auf sichere Positionen zurückzieht: Expressionistische Ausarbeitung, die neusachliche Landschaften, die die Nähe zu Paul Kälberer eindrucksvoll zeigen, und dann doch die beginnende Auflösung der Form in flächige Abstraktion: Spannende Einsichten hält das ab sofort erhältliche Büchlein allemal parat.

Die Mitglieder des Geschichts- und Altertumsvereins können sich die Jahresgabe in der Buchhandlung Klein kostenlos abholen. Hier sind zudem, wie auch in der Buchhandlung Rupprecht, auch Exemplare zu acht Euro erhältlich.