Großes Interesse besteht an der neuen Ausstellung im Forum Kunst. Kurator Simon Strauß ließ das Publikum an seiner Gedankenwelt teilhaben.
Kann die Romantik der Spätmoderne Lösungen anbieten? Ja, kann sie. Das zeigt die Pop-up-Ausstellung mit dem Titel „Neoromantik“ im Forum Kunst. Kuratiert hat sie Simon Strauß, Althistoriker, dessen Leidenschaft für das Hier und Jetzt aber schon immer groß war. Er ist Schriftsteller, Theaterkritiker und Journalist, und als Feuilletonist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig. Am Samstag wurde die Schau vor vollem Haus eröffnet. Zu sehen sind Arbeiten von sechs Künstlern.
„Berühmtheiten stehen neben Unbekannten, gerade Beginnende neben gerade Gestorbenen. Es geht um Körper. Um Vorhänge. Um Höhlen. Um Blitzlichter. Um Schatten. Um Vermessung. Es geht um ein neues Verhältnis zum alten Sehnsuchtsbegriff ‚Romantik‘“, sagte Strauß.
Der Besucher kann regelrecht eintauchen in die Bildwelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und Strauß macht es den Besuchern leicht. In seiner Einführung philosophierte er über den Begriff der Romantik, die Bedeutung und das eigene Empfinden dazu, und er beschrieb, worum es in der Schau geht. „Es geht darum, die Einfachheit nicht verächtlich zu machen. Das Staunen nicht zu unterschätzen“, so Strauß. Und vielleicht heiße Neoromantik ja auch, „dass es ums Vorhaben geht, um den Plan, nicht um das Ziel, die Ankunft. Vielleicht ist ihr eigentliches Wesen, dass sie immer nur werden und nie vollendet sein kann deshalb: Pop up. Versuchsweise. Ausschnitthaft“.
Beeindruckend ist die Auswahl der Künstler. Nigin Beck, Jahrgang 1984 und Islamwissenschaftlerin. Geboren in München ist sie die Tochter einer iranischen Mutter und eines deutschen Vaters. Aus den Traditionen beider Kulturen zieht sie ihre künstlerische Kraft. In ihren Bildern verbindet sie historische iranische Stoffe mit typisch bayerischen Motiven und schafft auf diese Weise neue Welten. Oder Charlotte Streicher, die Höhlentaucherin und Rottweilerin. 2002 wurde sie hier geboren. Unter Wasser nach neuen Welten zu suchen, ist ihre Leidenschaft. Sie zeigt ein Styropor-Modell einer Höhlenlandschaft, das in der Ausstellung in Berlin als raumfüllende Installation zu sehen und zu erleben war. Sie studiert an der Universität Mozarteum in Salzburg Bühnengestaltung.
Faszinierend sind auch die Bilder von Erika Hegwisch, Jahrgang 1929. Ihre ausgefallene Schattentechnik lässt ihre Bilder regelrecht aus sich heraus leuchten. Des Weiteren sind Arbeiten von Benyamin Reich, Slawomir Elsner, Lars Eidinger und Ralph Mecke zu sehen.
Die Wanderaustellung, die in Zusammenarbeit mit der Galerie Friese in Berlin entstanden ist, macht nach Rottweil Station in Cottbus. Zu sehen ist sie in Rottweil bis zum 9. März zu den üblichen Öffnungszeiten.