Gabriele Rohlfes (rechts) im Gespräch mit Erster Beigeordneter Dilek Akdeniz Foto: Weber

Gabriele Rohlfes nahm bei ihrer Ausstellung „Fundstücke“ die Besucher mit auf eine künstlerische Reise in ein unbekanntes Land. Im malerischen „Reisegepäck“ befinden sich neben dem Pinsel aber auch oftmals Spatel oder eine alte Kehrschaufel.

Sehr gut besucht war die Galerie im ersten Obergeschoss des Rathauses zur Eröffnung der Ausstellung „Fundstücke“ von Gabriele Rohlfes.

 

Mit „Già il sole del Gange“ von Alessandro Scarlatti leiteten Roland Hirle (Klavier) und Laura Güldikenoglu (Sopran) in die Feier ein.

In der Region verwurzelt

Erste Beigeordnete Dilek Akdeniz freute sich sehr darüber, im Namen der Stadt Gabriele Rohlfes und die Besucher begrüßen zu dürfen.

Sie ging kurz auf den künstlerischen Werdegang der Künstlerin, der 1978 aus dem Besuch des Bardo-Museums in Tunis entsprang, ein. Weiter hob Dilek Akdeniz die Verwurzelung Rohlfes mit der Region Oberndorf und Oberer Neckar hervor.

Bilder als Spiegel

Die spätere Inspiration durch Meister des Bauhauses sei ebenso prägend gewesen. Die ausgestellten Bilder seien ein Spiegel der persönlichen Entwicklung.

Dilek Akdeniz dankte Laura Güldikenoglu und Roland Hirrle für die musikalische Umrahmung, die durch das nächste Lied „Caro mi ben“ von Giuseppe Giordani zur Laudatio durch Till Rohlfes überleiteten.

Jedes Werk ein „Fundstück“

Dieser gab seiner Freude Ausdruck, dass so viele Freunde, Bekannte und Interessierte zur Ausstellungseröffnung seiner Mutter gekommen seien, ist sie doch als Gabriele Goergen in Oberndorf aufgewachsen.

Er stellte sofort einen Bezug zwischen dem Lied „Caro mi ben“ und dem Bild „Poesie“ her.

„Fundstücke“, so Till Rohlfes, sei ein passender Titel für diese Präsentation. Nicht nur das titelgebende Bild, alle Bilder könnten als Fundstücke bezeichnet werden, da sie nicht einem bestimmten Stil verpflichtet seien.

Strenge Formen des Bauhaus

Die Bandbreite sei immens: von „wild und ungezügelt“ („Explosion der Liebe“) über streng geometrische Werke (Triptychen über das Thema Kirchenfenster), filigrane Wiesen und Bäume bis zu ruhigeren Bildern wie „Poesie“.

Die ersten Bilder entstanden in den frühen 70er-Jahren, um die erste eigene Wohnung zu verschönern, sie waren von Friedensreich Hundertwasser inspiriert.

Nach der Geburt von Sohn Till und Tochter Eva fand Gabriele Rohlfes Anregung bei den Malern des Bauhauses, wie Wassily Kandinski, Willi Baumeister oder Paul Klee. Hieraus resultieren bunte Bilder mit strengen Formen.

Eine Begegnung mit Folgen

All die Schaffensphasen seiner Mutter, berichtet Till Rohlfes, konnten in zahlreichen Ausstellungen in Gaststätten, Galerien und Kunsthäusern verfolgt werden.

Eine feste Galerie hatte die Künstlerin damals nicht, sie kam durch eine zufällige Begegnung mit dem Inhaber der Galerie Grieshaber in der Tübinger Altstadt zustande, der zu Gabriele Rohlfes, die nie einen Mal- oder Zeichenkurs belegt hatte, sagte, „Sie könne ja mal ein Werk einreichen“. Seit 2010 hat die Malerin nun bei Grieshaber regelmäßig Ausstellungen.

Messer und Malsand

Sohn Till erzählte, dass jeder „Auszug“ eines verkauften oder verschenkten Bildes für seine Mutter einen kleinen, wehmütigen Abschied bedeute.

Gabriele Rohlfes steht vor ihrem Lieblingsbild „Fundstücke”. Foto: Weber

Ein bisschen „ins Nähkästchen“ – besser gesagt ins Atelier – durften die Besucher der Vernissage blicken, wenn er augenzwinkernd erzählte: „Auch bei der Wahl ihrer Materialien und Techniken lässt sie sich durch nichts bremsen und verwendet außer Pinsel auch Spatel, Messer, eine alte Kehrschaufel mit Gummirand, Kämme, Zahnbürsten, ihre Hände, Malsand, Modelliermasse und einiges mehr. Es wird gemalt, geschabt, gewischt oder aufgespritzt.“

Malerei und Dichtung

Eine bessere Einführung zu ihren Werken hätte niemand anderes geben können, als Gabriele Rohlfes selbst, wenn sie schreibt: „Vor der schneeweißen, unberührten Leinwand zu stehen, ist immer ein Moment des Abenteuers und Aufbruchs. Es ist sozusagen eine Reise in ein unbekanntes Land mit ungewissem Ausgang.“

Da seine Mutter nicht nur Malerin ist, sondern auch dichtet, wolle sie endlich, so ihr Sohn Till, alle Anwesenden persönlich in gereimter Form willkommen heißen.

Ein wildes Wirrwar

In sehr wohlgesetzten Versen, voll Humor und Empathie, begrüßte sie die Gäste in der Klostergalerie und lud ein, die Bilder anzuschauen und auch noch zum Austausch zu bleiben.

Es ist erstaunlich, welche Vielfalt an Stilen in den Bildern von Gabriele Rohlfes zu entdecken ist. Ein anscheinend wildes Wirrwar in „Explosion der Liebe“ steht der ungemein ruhigen Japanischen Landschaft“ gegenüber.

Endlose Farbenkombinationen

In kleinformatigen Bildern – Landschaften und Blumen – zeigt die Künstlerin schier endlose Möglichkeiten der Farben- und Formenkombination. Manchmal sind es nur wenige Striche, die einem Blatt Leben geben.

Bei köstlichen kleinen Häppchen, kalten Getränken und guten Gesprächen konnte man lange über die Werke Gabriele Rohlfes’ und mit ihr selbst ins Gespräch kommen.