Bei der ersten öffentlichen Führung der Ausstellung "Expressiver Schwarzwald – Georg Schaible" erklärt Museumsleiterin Lena Hauser persönliche Hintergrundinformationen zum Künstler und seine Schaffensphasen. Foto: Lenny Fleck

Die bislang größte Ausstellung zu Georg Schaible reicht bis in die Kindheit des Künstlers zurück. Im Steinhaus in Nagold wird die „Museumsmission“ erlebbar.

Ich betrete das Museum „Im Steinhaus“. Ein heller Raum öffnet sich, eine Mitarbeiterin empfängt mich an der Theke. Mein Blick fällt auf eine hölzerne Treppe in der Mitte. Wohin sie wohl führt? Noch bleibt das offen – die Mission beginnt im Erdgeschoss.

 

Rätsel führen durch die Ausstellung

Der erste Hinweis liegt auf einem Podest, sorgfältig in einem Umschlag verpackt. Jeder Hinweis führt zu einem Gemälde, doch bevor es weitergeht, muss ein Rätsel gelöst werden. Insgesamt sind zehn Stationen im Gebäude und sogar im Innenhof verteilt. „Das bringt das Gehirn wieder in Gang!“, heißt es auf einem der Zettel.

Die erste Station der "Museumsmission" führt den Besucher in die Schatzsuche durch das Steinhaus ein. Foto: Verena Slama

Die Aufgaben sind unterschiedlich gestaltet und fordern dazu auf, genauer hinzusehen. Der Museumsbesuch wird zur entschleunigten Spurensuche. Diese Achtsamkeit war Museumsleiterin Lena Hauser bei der Entwicklung besonders wichtig.

Alle Altersgruppen sind angesprochen

„Die Museumsmission richtet sich an alle Altersgruppen“, sagt Hauser. Vor allem Familien und jüngere Besucher sollen angesprochen werden. Das Angebot sei bewusst niedrigschwellig gehalten, um Berührungsängste gegenüber Kunst abzubauen.

Mehr als 80 Werke von Georg Schaible, überwiegend aus dem Besitz der Familienmitglieder, werden im Steinhaus bis zum 20. September ausgestellt. Foto: Verena Slama

„Ich finde, dass man anders aktiviert wird, wenn man angesprochen wird.“ Die Texte seien daher leicht verständlich und aktivierend formuliert. Schon eine frühere Rätsel-Ausstellung zu Sherlock Holmes sei gut angekommen, weshalb Hauser das Konzept fortführen wollte.

Spielerischer Umgang fordert auch heraus

Vor allem ältere Besucher nehmen das Angebot bisher wahr. Für die kommenden Ferien hofft Hauser jedoch auf mehr Familien und Schulklassen. Gerade für Einsteiger eignet sich die spielerische Führung. Einige Stationen erfordern allerdings Kreativität und Aufmerksamkeit – ohne einen Hinweis wäre ich stellenweise an Grenzen gestoßen.

„Man neigt dazu, sich im Museum alles genau anschauen zu wollen. Am Ende ist der Kopf voll, und man weiß nicht mehr, was man gesehen hat“, sagt Hauser. Die Museumsmission setze bewusst Schwerpunkte und hebe ausgewählte Werke hervor.

Naturmotive prägen Schaibles Werke

Die Ausstellung zeigt mehr als 80 Arbeiten von Georg Schaible, die überwiegend aus Familienbesitz stammen. Der 1907 im Murgtal geborene Künstler blieb seiner Heimat stets verbunden. Landschaften, Gärten und Naturmotive prägen sein Werk.

Neben Naturmalerei beinhaltet die Ausstellung beispielsweise Selbstporträts oder Stillleben. Foto: Verena Slama

In einem der Räume steht nur ein einzelner Klappstuhl. Die Konzentration liegt ganz auf den Bildern an den Wänden. Schaible porträtierte auch seine Familie, darunter seine Kinder und den Familienhund „Osse“.

Gäste können ihren persönlichen Eindruck hinterlassen

Am Ende öffne ich einen hölzernen Koffer – die letzte Station ist geschafft. Eine gute Stunde vergeht schnell. Im Gästebuch finde ich erste Einträge. „Ich bin zum zweiten Mal in der Ausstellung und genieße es einfach“, schreibt ein Besucher.

Diese Station lädt den Besucher ein, am Fenster bewusst inne zu halten und die Gedanken in einem Notizbuch aufzuschreiben. Foto: Verena Slama

Ausstellung vom 29.März bis 20.September 2026

Öffentliche Führungen
Sonntag, 14. Juni, 15 Uhr; Sonntag 26. Juli, 15 Uhr; Sonntag 06. September, 15 Uhr; Teilnahmegebühr: 4 Euro

Öffnungszeiten im Steinhaus
Dienstag, Donnerstag, Sonntag und an Feiertagen 14 Uhr bis 17 Uhr; Eintritt frei