Im Gespräch: Die Künstlerin Velia Dietz (Dritte von links) mit Optiker Bernd Angst (Dritter von rechts) und Bürgermeister Ralf Ulbrich (rechts). Foto: Marcel

„Wir haben die Leistungsfähigkeit unsres Planeten ausgereizt“: Velia Dietz macht Kunst aus Abfällen und stellt ihre Werke in Deißlingen bei Optik Angst aus.

Nein, als Abfälle möchte Deißlingens Bürgermeister Ralf Ulbrich die Dinge nicht bezeichnen, aus denen Velia Dietz ihre Kunst macht. „Wir sagen schon lange Rohstoff dazu.“

 

Den Wert von Recycling habe man in Deißlingen längst erkannt, verarbeite Gipsplatten, Bioabfälle und jede Menge dessen, was andere Schrott nennen. Und schätze dies umso mehr in jetzigen Zeiten, wie Ulbrich klarstellte. „Wir haben die Grenzen des Wachstums erreicht, die Leistungsfähigkeit unseres Planeten über- oder zumindest ausgereizt.“

Sehenswerte Objekte

Was Velia Dietz aus Blisterverpackungen von Kontaktlinsen oder nicht mehr gebrauchten Brillengläsern macht, ist beeindruckend. Filigrane Arbeiten, die in Schaukästen zwischen Brillengestellen glitzern, oder vermeintliche Schals, getragen von Modepuppen, die sich bei genauerem Hinsehen aber als eher untragbar erweisen, zumindest wenig alltagstauglich sind. Aber sehenswert, ebenso wie die „Wolken“ aus Blisterverpackungen und klein geschnittenen Bändern, mit denen einst Paletten umwickelt waren. Bürgermeister Ralf Ulbrich dankte der Künstlerin. „Sie richten den Blick auf eine andere Nutzung von Rohstoffen.“ Solchen, die andere wegwerfen.

95 Kilo gesammelt

Die Künstlerin selbst erzählte, sie habe sich anfangs nicht vorstellen können, in Bernd Angsts Geschäft auszustellen. Er habe sie bei ihrer Ausstellung in der Galerie im Altbau in Aldingen angesprochen, doch als sie dann die Schaukästen in Deißlingen gesehen habe, waren die Zweifel weg.

Sie erzählte von ihrer Ausbildung im textilen Bereich, wo sie nicht nur den Umgang mit Garnen und Stoffen, sondern später auch Glasblasen und weitere Techniken lernte. Letzteres spielt eine Rolle bei der Ausstellung in Deißlingen.

Und dann berichtete Velia Dietz von einem ganzen Kofferraum voller Blisterverpackungen, die eine Optikerin aus München für sie gesammelt hatte. „Wir haben es dann gewogen, es waren 95 Kilo, dabei wiegen sie ja fast nichts!“

Ihre Werke konnte sie später bei einer Fachmesse in München zeigen und den Blick auf den riesigen Materialverbrauch lenken.

Velia Dietz’ Traum

Den lenkt Velia Dietz aber ebenso auf besondere Zeiten am Bodensee, von der Seegfrörne bis zum ersten Zeppelin. Und sagt: „Ich träume von einem ganz großen Objekt.“ Auch das soll nur aus Dingen, die andere weggeworfen haben, entstehen.

Bis dahin darf man in Bernd Angsts Geschäft die Miniaturen bewundern, die Velia Dietz aus 100 Jahre alten Brillengläsern gemacht hat und die als Dankeschön der Künstlerin dort bleiben dürfen. Und wem die Werke etwas zu klein sind, der kann hier gleich die passende Brille dazu bekommen.

Zu sehen ist die Ausstellung „Nachsicht“ bis 15. März bei Optik Angst, Gupfenstraße 19.