Der Künstler Wolfgang Heiner Bitzer in seiner Ausstellung. Foto: Rütschle

In der Galerie im Blauen Haus in Balingen stellt der Albstädter Künstler Wolfgang Heiner Bitzer seine aktuellen Werke aus.

Es war ein Workshop in Albstadt-Ebingen, der Wolfgang Heiner Bitzer zur Kunst brachte – oder, wie er es selbst ausdrückt: „Wenn man einmal infiziert ist, wird man die Kunst nicht mehr los.“ Die „Infektion“ verdankt er der Kölner Künstlerin Annalise Wehrmann, die in den 1970er Jahren Kunstunterricht in seiner Heimat anbot. „Sie war ihrer Zeit weit voraus“, erinnert sich Bitzer. Aus dieser Begegnung wurde eine inspirierende Freundschaft: „Ich war ihr privater Meisterschüler“, so Bitzer. Seitdem ist Kunst sein roter Faden durch das Leben.

 

Heute arbeitet der Künstler täglich in seinem Atelier im Elternhaus in Ebingen. Seine aktuellen Werke zeigt er in der Ausstellung „Kunst zwischen Element und Struktur“, die im „Blauen Haus“ in der Balinger Innenstadt des Vereins Freiraum Balingen kreativ e.V. zu sehen ist.

Struktur und Chaos: Das Periodensystem als künstlerische Grundlage

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht ein überraschender Ausgangspunkt: das Periodensystem der Elemente. „Ich habe eine Basis gesucht, um die Zusammenhänge von natürlichen und kulturellen Sphären und deren Spuren gestalterisch auszudrücken“, erklärt Bitzer. „Es gibt 118 Elemente auf der Erde, aus denen alles entsteht.“Diese dienen ihm nicht nur als inhaltlicher Rahmen, sondern liefern auch die Farbpalette für seine Arbeiten. Die Idee dazu kam auch angesichts der spürbaren Veränderungen unserer Umwelt.

Bitzer arbeitet in Werkzyklen, acht an der Zahl, die jeweils ein eigenes Thema aus dem Spannungsfeld von Natur, Gesellschaft und Technik aufgreifen.

So geht es im Zyklus „Field of Turning Points“ um das Prinzip der Entscheidung: „Wir stehen im Leben ständig vor einem potenziellen Wendepunkt, bei jeder noch so kleinen Entscheidung“, sagt Bitzer – und übersetzt diese Idee in grafische Kompositionen aus Linien, Farben und Materialien.

Der Zyklus „Traces“ befasst sich mit dem, was bleibt: „Alles hinterlässt Spuren, und alles hängt miteinander zusammen.“ Bitzers Werke sind ein künstlerischer Versuch, diese unsichtbaren Verbindungen sichtbar zu machen – nicht mit dem Zeigefinger, sondern mit leiser, strukturierter Sprache.

Zwei großformatige Skulpturen in der Ausstellung gehören zum Zyklus „Digital Transformation“. Sie bestehen aus GFK – einem industriellen Fiberglas-Werkstoff, mit dem Bitzer seit den 1980er Jahren arbeitet. „Ich arbeite immer in Serien“, betont er – eigentlich gehören weitere Werke zu diesen Skulpturen, aber der Platz in der Galerie ist begrenzt. Das industrielle Material bildet für ihn eine Brücke zwischen Technik und Kunst.

Kunst im Fenster – Der Freiraum-Verein als Plattform

Dass Bitzers Werke nun im Blauen Haus am Viehmarktplatz zu sehen sind, ist dem Engagement des Vereins Freiraum Balingen kreativ zu verdanken. Die Initiative stellt Künstlern aus der Region den Ausstellungsraum im „Blauen Haus“ kostenlos zur Verfügung und bringt so regionale Kunst direkt in die Innenstadt. „Kunst muss zu den Menschen kommen, nicht umgekehrt“, lautet das Motto des Vereins.

Die Ausstellung von Wolfgang Heiner Bitzer ist mittwochs und samstags jeweils ab 16 Uhr geöffnet. Am letzten Samstag, dem 9. August, ist ein musikalisches Abschlussevent geplant – Bitzers Sohn ist selbst Musiker und wird dort live spielen.