Karina Kudwien, Federkünstlerin aus Balingen Foto: René Wolff

Karina Kudwien hat eine besondere Verbindung zu Federn. Aus dieser Verbindung heraus, schafft sie nun Kunstwerke, die anderen Menschen Dankbarkeit und Freude übermitteln sollen – eine Dankbarkeit, die sie selbst durch eine Feder erfahren hat.

Karina Kudwien ist Hobby-Künstlerin aus Balingen. Sie ist 35 Jahre alt und hauptberuflich Supervisorin in einem Medizintechnikunternehmen. Die gelernte Bäckereifachverkäuferin ist in das Künstlerdasein von Kindesbeinen an reingewachsen, durch ihre Mutter Sofia Kudwien, Künstlerin aus Burladingen.

 

Filigranes arbeiten ist dabei nicht nur Teil ihres Jobs, sondern auch ein großer Teil in ihrer künstlerischen Arbeit mit Federn. „Kunst ist ein Ausgleich, bei dem ich abschalten kann und Spaß daran habe, wenn es fertig ist“, sagt Karina Kudwien.

Sie malt auf Holz, Stein, Leinwänden, aber vor allem auf Federn. Federkunst ist ihre Spezialität geworden. Ihre Wohnung gleicht einem modernen, wohnlichen Atelier, das mit kleinen Kunstwerken gespickt ist. Am Küchentisch sitzend, erzählt sie freudestrahlend von der Federkunst und was die Feder für sie bedeutet.

Das Fundament

Das Fundament ihrer Kunstwerke besteht meist aus Stein oder Holz. Das Fundament der Künstlerin wiederrum entstand einerseits durch ihre Mutter sowie einer Schaffenskraft, die sich aus ihrer Liebe zur Natur und ihrer Intention, anderen eine Freude zu machen, ergibt. „Meine Mutter meinte, ich solle etwas so oder so machen, aber ich wollte es machen wie ich das machen wollte“, sagt die 35-Jährige. „Bei manchem hatte Mama aber recht“, gestand sie. Ihre Inspiration zieht sie größtenteils aus der Natur sowie durchs Lesen.

Karina Kudwien liebt ausgedehnte Spaziergänge – querfeldein, durch Bäche, Ufer und Felder. Vor allem der Wald gebe ihr Kraft. „Die Natur ist alles für mich, sie gibt mir mentale Stärke und ist mein Kraftort“. Fast täglich sei sie draußen an der Eyach oder in den Wäldern rund um Balingen.

Bemalte Federn der Künstlerin Foto: Wolff

Der Federschaft

Der Schaft ist die Schnittstelle zwischen Fundament und den Federfahnen, der Bereich, in dem alles zusammenläuft. Der Schaft muss die Stärke haben, die Federfahnen im Wind zusammenzuhalten.

Die Künstlerin startete mit dem Bemalen von Federn nach einer „persönlich sehr schweren Zeit“, wie sie sagt. Einer Zeit, in der sie loslassen musste und sich auf eigene Beine gestellt hat. Aus dem metaphorischen „Loch“, in das sie in dieser Zeit gefallen sei, habe sie sich rausgekämpft. „Ich habe immer mehr über den Sinn des Lebens nachgedacht, habe gegen meine Ängste gekämpft“, dennoch war sie neugierig, was diese Leere in ihr bewirken wird.

„Ich habe dabei einen Knackpunkt im Leben und meiner Seele erreicht.“ Zu dieser Zeit kam auch die Liebe zu Federn in ihr Leben. Denn ein Bekannter, der wie aus dem nichts plötzlich in ihr Leben trat, und ihr in ihrer schwersten Zeit zur Seite stand, schenkte ihr eine Feder. Jene Feder, die sie noch heute, wie ein Schatz hütet.

„Er war eine Person, die kurz und zur richtigen Zeit in mein Leben gekommen ist und danach wieder aus dem Leben verschwand“, die Feder sei die Erinnerung an diese Zeit und an den Weg zum zufriedenen Leben.

Die Federfahnen

Die Fahnen sind das Auffälligste der Feder, wie einzelne Härchen, die ein Verbund in den buntesten Farben bilden. Durch sie wird der Wind geformt und der nötige Auftrieb zum Fliegen erzeugt.

Für Karina Kudwien symbolisiert die Feder Leichtigkeit, Freude und Freiheit. „Wenn man sich mit Positivem befasst, wird etwas Positives bewegt“, sagte sie. Aber sie verbindet damit auch eine Art Dankbarkeit. Diese Dankbarkeit, die sie verspürte, wolle sie mit den Federn weitergeben. „Die meisten Federn verschenke ich an Bekannte und Freude, oder mache sie zu besonderen Anlässen meist mit berührenden Hintergründen“.

Die Federfahnen müssen für diese Arbeiten vorbereitet, geglättet und gekämmt werden, bevor man darauf malen kann. Dabei zeigte sie die Besonderheit der Federn, denn wenn sich die Fahnen voneinander lösen und eine Feder zerfleddert aussieht, kann diese wieder „geschlossen werden“.

Durch die Arbeit mit Federn habe sie auch eine besondere Verbindung zu Vögeln entwickelt. Besonders prägend war eine Begegnung mit einem Bussard. „Ich fand den Mäusebussard verletzt am Straßenrand und habe ihn in eine Decke gewickelt um ihm zu helfen“, erklärte Kudwien: „Der Bussard und ich haben uns gegenseitig direkt in die Augen geschaut.“ - Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis für sie und einer der Gründe, weshalb sie Bussarde so oft auf Federn malt.

Das Motiv

Die Motive auf den Federn variieren. Meist sind es Vögel und andere Tiere oder Glaubensmotive. „Mein erstes Motiv, dass ich auf eine Feder gemalt habe war ein Eisvogel, und mit der Zeit sind die Motive immer komplizierter und filigraner geworden“, erklärt die 35-Jährige. Bei der Planung dazu mache sie sich sehr viele Gedanken, und manchmal sei es eine Mischung aus Bauchgefühl und Motiv, mit dem sie die passende Feder auswählt.

Am wichtigsten ist ihr jedoch, die Freude am Ergebnis „Ich freue mich wenn andere sich freuen“. Die Freude jemandem etwas Gutes zu tun sei mehr Wert als Geld. „Ich versuche jedes Wochenende eine Feder zu bemalen und damit jemanden was Gutes tun zu können.“