Die Bisinger Künstlerin Simone Richter stellt zum Weltfrauentag im Haus Raichberg in Onstmettingen ihre Frauenbilder aus. Foto: Vera Bender

Die Bisinger Künstlerin Simone Richter wurde für eine Ausstellung im Haus Raichberg angefragt. Zum Weltfrauentag sollen die „global sisters“ dort erstrahlen.

Es gibt so viele Menschen auf der Welt und doch ist jeder und jede für sich einzigartig. Jeder hat sein Schicksal, jeder seinen eigenen Charakter. Diese Wesenszüge auf Papier zu bannen, mag in schriftlicher Form noch einigermaßen gelingen. Aber als Gemälde? Nicht bloß schöne Gesichter fängt Simone Richter mit ihren Kreide-, Pastell- und Acrylfarben ein – manchmal auch nur mit dem Bleistift. Es sind Schönheiten, aber einzigartige Schönheiten. Die Künstlerin aus Bisingen, die sich hauptsächlich auf das weibliche Geschlecht konzentriert, stellt im BeneVit Pflegeheim Haus Raichberg in Onstmettingen aus. Am Freitag, 6. März, findet um 18.30 Uhr in der Heinrich-Heine-Straße 7 die Vernissage statt.​

 

Zum Weltfrauentag am kommenden Sonntag passen diese Kunstwerke optimal, bei denen jede Frau von der Leinwand zum Betrachter zu sprechen scheint. Mal zeigt sich Stolz, mal Melancholie, mal Leidenschaft in den ausdrucksstarken Gesichtern. Da findet regelrecht Interaktion statt, obwohl sich am Exponat selbst ja gar nichts verändert. Noch dazu kommen die Schönheiten aus der gesamten Welt. Mal ist es die traditionsbewusste Afrikanerin, mal die elegante Geisha aus Japan, mal die moderne Irin mit wallend roter Mähne. Die Ausstellung führt quasi um den gesamten Globus. Und sie zeigt Frauen, die mehr sind als einfach nur schön.

Faszination der Entstehung

Jedes mit bunten Farben und vielen Details ausgearbeitete Gesicht erzählt eine Geschichte. Simone Richter haucht den Damen mit ihren Pinselstrichen Leben ein. Das beginnt auf der Leinwand zunächst nur durch ein paar Vorzeichnungen mit dem Stift. Danach bekommen die Gesichter mit Kreide etwas Farbigkeit. Auf diese Weise entsteht bei ihr jedes einzelne Konterfei. Und selbst in diesem Anfangsstadium des Kunstwerks ist ihr Ehemann Gorden Richter schon total in den Bann gezogen. Er würde am liebsten jetzt schon der jeweils Abgebildeten ihren Platz an der Wand geben. Doch in den Augen der Künstlerin ist das Exponat einfach noch nicht vollendet, auch wenn es so schon für sich wirkt. Sie bringt mit unzähligen Pinselstrichen und Acrylfarbe das zu Ende, was vor ihrem geistigen Auge längst schon zum Leben erweckt wurde.

So erhalten die ausdrucksstarken Frauenköpfe die entsprechende Tiefe, die ausladende Frisur, die auch mal aus vielen bunten Blüten besteht, den aufwendigen Halsschmuck, die Lichtreflexionen, die Mimik und den Blick, der meist direkt auf den Betrachter gerichtet ist. Dieser Blick, der so viel sagt. Und der den Portraitierten so viel Ausdruck und Schönheit verleiht. Nicht umsonst lautet der Titel der Ausstellung „Poetik der Schönheit – global sisters & flowers“. Sie läuft bis 26. Juni und ist täglich von 9 bis 18 Uhr zu besichtigen. Einige der Exponate waren bislang noch in Frommern zu bewundern. Jetzt ziehen sie um nach Onstmettingen und werden um weitere Frauengestalten ergänzt.

Frauen mit Charakter

Schließlich zieren die „Weltfrauen“ immer wieder auch die heimischen Räume verschiedener Käufer. Manche Kunstwerke finden so schnell ein neues Domizil, dass die Farbe kaum Zeit zum trocknen hat. So hatte Simone Richter eine ganze Serie von Geishas, die bei Kunstliebhabern so gut ankamen, dass sie schnell den Besitzer wechselten. Inzwischen hat die Künstlerin aus Bisingen nur selten andere Motive, hat sich ganz und gar den Frauen verschrieben. Frauen mit viel Charakter. Frauen aus allen Ländern der Erde. Frauen, die mal modern und mal traditionsbewusst sind. Und einfach nur faszinieren, als wären sie aus Fleisch und Blut.

Seit rund 25 Jahren stellt die vierfache Mutter jährlich an unterschiedlichen Orten aus – bis zu vier Mal im Jahr. Ihre Kunstwerke sind gefragt. Simone Richter braucht sich und anderen nichts mehr beweisen. Sie kann das ausüben, was sie antreibt und beschäftigt. Obwohl sie in jungen Jahren zwei Semester Musik in Trossingen studierte, wunderbar Konzertgitarre spielt und eine begnadete Singstimme hat, so hat sie diese Begabung hintenan gestellt, als sie zum ersten Mal geheiratet hat und ihr Mann sie in ein Jurastudium drängte. Bis zum ersten Staatsexamen. Doch Simone Richter merkte sehr bald, dass dies nicht ihre Bestimmung und ihre Leidenschaft ist. Denn schon als Kind fühlte sie sich zu Kunst und Musik hingezogen, hat schon früh, im Alter von etwa zehn Jahren, mit dem alten Ölmalkasten ihres Großvaters dessen Bilder nachgemalt. Leider ist der Kunstmaler nicht aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekommen und heute existieren nur noch wenige seiner Werke.

Der kunstaffine Architekt greift selbst gerne zu Leinwand und Farbe

„Die Malerei habe ich nie aus den Augen verloren“, erzählt die gestandene Frau, die in ihrem zweiten Ehemann einen Bewunderer ihrer Kunst gefunden hat. Gemeinsam haben sie sich das Reich in Bisingen erschaffen, in dem auch das Atelier untergebracht ist. Der kunstaffine Architekt greift selbst gerne zu Leinwand und Farbe. „Meine Frau ist ein Multitalent. Was sie anpackt, wird etwas“, schwärmt der Gatte. Und diese sagt von ihrem Ehemann: „Er ist mein größter Gönner und mein größter Kritiker.“ Zwei, die sich wunderbar ergänzen und auf Augenhöhe miteinander umgehen. Auf Augenhöhe kann man ab 6. März auch den Frauen in Onstmettingen begegnen.