Künstler Roland Milkau aus Albstadt ist durch den Bauhaus-Stil geprägt und macht immer auch Farbstudien. Foto: Vera Bender

Der mehrjährige Kunsterzieher Roland Milkau stellt gemeinsam mit der Gruppe 24 aus Albstadt im KulTurm in Ebingen aus.

Bei Roland Milkau brachte die Schule ihn auf den künstlerischen Weg. „Ich hatte einen hervorragenden Kunstlehrer“, sagt der Wahl-Pfeffinger, der später selbst den Beruf des Kunstpädagogen gewählt und in Balingen sowie Albstadt an verschiedenen Schulen unterrichtet hat. Inzwischen ist er zwar im Ruhestand, aber noch lange nicht am Ende seines künstlerischen Schaffens.

 

Dass der in Tuttlingen aufgewachsene Roland Milkau nicht nur seine Liebe für die Kunst entdeckte, sondern auch seine Berufswahl danach ausrichtete, hat mehrere Gründe. Als Jugendlicher hat er sich Ausstellungen angesehen und wurde vor allem durch den Bauhaus-Stil geprägt. In der Nachkriegszeit schien es für den jungen Mann auch „eher unbedenklich“, sich mit der Kunst auseinanderzusetzen. Andere Themen der Geschichte waren noch tabuisiert.

„Ratzfatz“ war er Lehrer

Nach der Mittleren Reife begann Roland Milkau im Jahr 1973 eine Kunsterzieherausbildung in Vollzeit. „35 Stunden in der Woche Unterricht, angelehnt an den alten Bauhaus-Grundkurs“ habe er Werkstattunterricht erhalten, sei in Metalltechnik, Holztechnik, Malerei und Komposition ausgebildet worden. Parallel dazu erwarb er die Fachhochschulreife und machte das Abitur in Psychologie und Soziologie. „Man brauchte Kunsterzieher und so war ich ratzfatz mit knapp 22 Jahren in Balingen Lehrer“, erzählt Roland Milkau.

Ohne Referendariatszeit, wie es heute üblich ist, hatte der junge Mann einen vollen Lehrauftrag und unterrichtete an der Realschule in Balingen. Zudem musste Roland Milkau noch seinen Zivildienst ableisten und war deshalb „zwischendurch“ für zwei Jahre bei der KBF in Balingen. Dort stand er, neben vielen anderen Aufgaben, wieder vor einer Klasse. Nach dieser zweijährigen Pflichtzeit war die Stelle in Balingen erst einmal weg, weshalb es Milkau nach Albstadt zog, wo er an der Schillerschule in Onstmettingen, am Progymnasium in Tailfingen, an der Realschule und auch an der Wilhelm-Hauff-Schule die Zöglinge in die Welt der Kunst einführte.

Kunst machen und Kunst unterrichten

„Kunst machen und Kunst unterrichten – das ist nicht dasselbe.“ Bei einem Studium an der Kunstakademie könne man sich frei entwickeln, erhalte die Grundlagen, finde aber sein eigenes Profil. Der Bezug zu Material und Farbe sei immer da gewesen, aber erst im Alter von etwa 32 Jahren habe er selbst intensiver Kunst gemacht, habe bei der Uni in Tübingen am Zeicheninstitut das Aktzeichnen belegt und sich über Jahre hinweg autodidaktisch zeichnerische Fertigkeiten angeeignet. Ab dem Jahr 2015 kam für sechs Jahre ein berufsbegleitendes Studium der Malerei an der Uni Leipzig hinzu.

Viele Jahre war Roland Milkau im Kunstverein Hechingen engagiert, hat im Jahr 2009 eine durch das Wissenschaftsministerium geförderte Ausstellung mit Video und Fotografie präsentiert und auch öfter in Donaueschingen ausgestellt. Das Kunstmuseum Albstadt hat Video- und grafische Arbeiten von Robert Milkau angekauft. Der Lebensschwerpunkt lag immer auf dem Unterrichten.

Das Schweigen hat sein Leben geprägt

„Ich gebe mir inzwischen die Zeit, etwas für mich zu entwickeln, was ich mir die ganzen Jahre versagt habe“, bemerkt Milkau. Er nutzt collagierte Techniken. Meist ist die Grundlage ein Medienbild, beispielsweise Pressefotos vom Beginn des Irakkriegs. Er beschreibt mit seinen Arbeiten politische und gesellschaftliche Zusammenhänge. Daraus wird oft eine Serie. So hat Roland Milkau für eine Ausstellung in der Schweiz einen Block mit rund 130 kleinen Botschaften angefertigt. „Es geht mir um die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Welt, in der man lebt“, betont der Künstler und fügt an: „Die deutsche Geschichte und das Schweigen in der Nachkriegszeit. Das hat mein Leben geprägt.“

Momentan probiert er in seinem lichtdurchfluteten Atelier gerade sehr viele Techniken aus. „Ich will herausfinden, wo ich zu Hause bin“, erklärt Milkau. Dabei arbeitet er immer in Blöcken und stets gehen verschiedene Techniken voraus: die freie Zeichnung, Grundstudien, Farbstudien, Vorskizzen, Bildebenen. Auf die Leinwand kommen dann Vorzeichnungen, Hintergründe entsprechend den Farbverläufen, in vielen Ebenen erwächst dann langsam ein Bild, das sich stetig entwickelt. Die gemalten Grafiken aus Fotografien seien für ihn eher ein sportliches Training.

Dass er ab 7. November gemeinsam mit anderen Künstlerinnen und Künstlern der Gruppe 24 aus Albstadt im KulTurm in Ebingen ausstellt, freut ihn besonders. Auch wenn Ausstellungen für ihn und seine künstlerische Entwicklung nicht im Vordergrund stehen.