Bruno Schlagenhauf ist künstlerisch und handwerklich tätig und sorgte schon immer für ein Netzwerk der regionalen Kunstszene.
Ihn kennt in Albstadt eigentlich jeder: Bruno Schlagenhauf. Er ist ein kreativer Künstler und irgendwie auch ein Tausendsassa. Seit mehr als 40 Jahren hat er in verschiedenen Bereichen bei der und für die Stadt Albstadt gearbeitet. „Ich habe praktisch alle kulturellen Einrichtungen durchgemacht“, erinnert sich der freischaffende Künstler, der sich damit immer ein kleines Zubrot verdiente.
Im traditionsreichen Thalia Theater hat Bruno Schlagenhauf Kulissen auf- und abgebaut, die Künstler betreut und auf diese Weise viele Prominente getroffen, die sich dort ein Stelldichein gegeben haben. Als Platzanweiser ist er mit Besuchern ins Gespräch gekommen. „Es war eine schöne Zeit“, blickt Bruno Schlagenhauf zurück.
Die Aufbauphase des Maschenmuseums in Tailfingen hat der gelernte Feinmechaniker miterlebt, war für Inszenierungen zuständig, für die Transporte und den Aufbau. Dann war er für das Depot im Kunstmuseum in Ebingen tätig und hat dort die Dynamik miterlebt, mit der sich das Team dort verjüngt hat. Im Rückblick auf sein Schaffen kann Bruno Schlagenhauf sehr viel erzählen. Mal hat er Fassaden bemalt. Unter anderem an seinem eigenen Wohnhaus oder vis-à-vis des Maschenmuseums. Dort stand er auf einem 15 Meter hohen Gerüst mit sieben Ebenen. Eine ziemlich herausfordernde Sache, erinnert sich der Künstler, der definitiv keinerlei Herausforderungen scheut.
Mal hat Bruno Schlagenhauf Kneipen bemalt, mal das Trauzimmer der Stadtverwaltung gestaltet, dann wieder wurde er in Haigerloch für das Design des Atomkellermuseums angefragt. Für die Dix-Ausstellung im Kunstmuseum mussten die Bilderrahmen gefertigt werden. Auch das kann er mit viel handwerklichem Geschick und ist einer der letzten Einrahmer in der Gegend.
Zum Jubiläum gibt es einen „Tag der offenen Werkstatt“ mit eigenen Arbeiten
In seinem Atelier in Ebingen fertigt er Passepartouts und Rahmen für Kunden, die ein Bild entsprechend in Szene setzen wollen. In diesen Räumen kann er seit 15 Jahren arbeiten und plant deshalb im Sommer zum kleinen Jubiläum einen „Tag der offenen Werkstatt“, an dem man auch seine Werke bestaunen kann.
Hier steht die „Armee von Parabolos“, an der Wand hängt das Gemälde eines 1000-jährigen Olivenbaums und daneben das eines ganz jungen Pendants. Unter der großen Uhr steht die „Mammuterinnerungsmaschine“ und fasziniert mit der Technik der Magnete, die dahintersteckt. Man erkennt sofort die ungeheure Vielseitigkeit, die Bruno Schlagenhauf an den Tag legt. Beispielsweise auch, wenn er ein Büchlein mit Bleistiftzeichnungen von Bäumen präsentiert – mal grazil, mal amüsant, mal verblüffend, mal als Metapher.
Der inzwischen 66-Jährige hatte als junger Mann eigentlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen, als er die Feinmechanikerausbildung bei August Sauter machte. Doch schnell erkannte er: „Das ist nicht mein Weg.“ Während der Hippie-Bewegung hat er kurzerhand sein Auto und die Wände von Freunden bemalt. Es war Ausdruck einer Lebenseinstellung. Schließlich gab es die erste Ausstellung seiner Werke im Jahr 1987 im Meßstetter Rathaus. Sehr viele Einzelausstellungen an verschiedenen Orten sollten noch folgen.
Acht Jahre lang führte Bruno Schlagenhauf einen Laden für Musik und Kunst samt Galeriebetrieb. In den 1990er Jahren organisierte der Künstler Ausstellungen in der August-Sauter-Fabrik. „Es war das goldene Zeitalter für die regionalen Kunstschaffenden und Musiker“, schwärmt Schlagenhauf. Es gab eine Spielwiese, auf der Neues entstand, die Unterstützung durch den Leiter des Kunstmuseums erfuhr und auf der sich viele Leute vernetzten. „Wenn der Humus bereitet ist, dann wächst etwas“, erklärt der Künstler, doch „als der Mietvertrag beendet wurde, zerbröselte alles.“
Im Jahr 2013 gab es den Tag des offenen Ateliers, der gut bei den Leuten ankam und deshalb noch drei Wiederholungen fand. Es folgten Ausstellungen in der ehemaligen Balthes-Maier-zum-Rössle-Fabrik, die aber inzwischen in Wohneinheiten umgebaut wurde.
Bei so viel Netzwerkarbeit war es schließlich auch kein Wunder, dass vor dem Stadtjubiläum im vergangenen Jahr Kulturamtsleiter Martin Roscher auf Bruno Schlagenhauf zukam, um eine Brücke zur regionalen Künstlerszene zu schlagen. So bildete sich die „Gruppe 24“ in Albstadt und Bruno Schlagenhauf war der Ansprechpartner. Denn die Kunstschaffenden Albstadts waren ja schon länger nicht mehr irgendwo verortet. Bruno Schlagenhauf ist zudem im Vorstand des Vereins TalgangArt und so fand kürzlich schon einmal ein Künstlerstammtisch statt, dem noch weitere folgen sollen.
Mit 66 Jahren hat Bruno Schlagenhauf „endlich die Freiheit, zu tun, was ich liebe. Beim Malen und im Vereinswesen.“ Viele Jahre hat er sich mit Bäumen als Sinnbild für das menschliche Leben befasst. Später dann die feinere Variante unter die Lupe genommen und sich den Gräsern gewidmet, im Sinne von Caspar David Friedrich, dem er mit der beseelten Natur nachspürt.