Die drei Kuratoren Jules van den Langenberg (von links), Katharina Wahl und Willem Schenk übergeben Ramona Winkler vom Kulturamt (zweite von rechts) ein Präsent. Foto: Wiebke Jansen

Die drei Kuratoren der Ornamenta ziehen bei einem Termin vor Ort in Nagold Bilanz. Sie sprechen über offenes Potenzial und ob eine erneute Ausstellung in Planung ist.

Drei Monate lang, von Juli bis September, dauerte die Ornamenta. Die Veranstaltungs- und Ausstellungsreihe für zeitgenössische Kunst und Design spannte sich über den Nordschwarzwald. Sie mag schon einige Monate vorbei sein, doch erledigt ist das Thema noch nicht. Auch nicht für die Macher – zumal weitere Auflagen angedacht sind.

 

Nach der Ornamenta und der damit verbundenen Kritik ziehen die drei Kuratoren Katharina Wahl, Willem Schenk und Jules van den Langenberg bei einem Vor-Ort-Termin in Nagold Bilanz, was bei der nächsten Ausgabe der Kunstausstellung besser laufen könnte.

Bürger sollen zukünftig mehr einbezogen werden

Schon jetzt zeigen sie sich zufrieden – die Ornamenta habe viel internationale Presse in die Region gebracht und auch das eine oder andere dauerhafte Kunstwerk – etwa die große Sonnenuhr auf dem Nagolder Gerichtsplatz. Das sieht auch Geschäftsführer Christian Saalfrank so. „Einige Projekte, wie der ,Haug Rainbow Fountain’ am Pforzheimer Enzufer und der ,Aphrodisierende Garten’ in Nagold fanden große Beachtung. Der ,Black Ball’ erwies sich als großer Publikumserfolg“, meint Saalfrank.

Die Kuratoren sind auch mit der Themenauswahl glücklich: Es habe zahlreiche Veranstaltungsangebote mit Themen, darunter junge und queere, gegeben.

fünf thematische Ausstellungen

Bei der Ornamenta wurden zehn Orte in der Region Nordschwarzwald bespielt, vor allem Pforzheim, aber auch in Mühlacker, Bad Wildbad, Nagold und Maulbronn. „Die Ornamenta ist ein gemeinsames Unterfangen engagierter Regionen“, meinen die drei Kuratoren. Und das war nicht alles: „Im Rahmen der ,Ornamenta Lust’ gab es zahlreiche weitere. Es wurden fünf thematische Ausstellungen präsentiert, eine für jede der fünf konzipierten Themengemeinden“, erklärt Geschäftsführer Saalfrank. Diese fünf Themengemeinden und die dazugehörigen Ausstellungen machten das kuratierte Programm aus.

Für die nächste Ausgabe würden sich Wahl, Schenk und van den Langenberg mehr an der Kulturbahnlinie als verbindende Verkehrslinie zwischen den einzelnen Teilen orientieren. Dem stimmt Saalfrank zu. Die Reisedistanzen waren vielleicht etwas lang, meint er auf Anfrage unserer Redaktion.

Potenzial nicht ausgeschöpft

Auch sei das ganze Potenzial der Ausstellung nicht ausgeschöpft worden. „Das wird drei bis fünf Editionen dauern, bis man das komplette Potenzial ausschöpft“, vermuten die Kuratoren. Die Basis für kommende Ausstellungen sei aber gelegt.

Bei den kommenden Ornamentas sollten aber auch die Bürger mehr als Akteure mit einbezogen werden. „Es gab Schwierigkeiten in der Kommunikation mit dem lokalen Publikum. Die Einbindung lokaler Künstler und Institutionen war nicht optimal“, merkt Christian Saalfrank selbstkritisch an.

Erwartungen an Besucherzahlen nicht erfüllt

Dementsprechend blieben die Erwartungen an die Besucherzahlen unerfüllt: Bei dieser Ornamenta waren lediglich 16 000 Besucher – es wurden nur 6000 Tickets verkauft. Lediglich 140 Personen besaßen ein Saisonticket, 500 hatten ein Wochenendticket und 5300 ein Tages- und Locationticket, teilt der Geschäftsführer mit

Demgegenüber steht ein Budget von immerhin vier Millionen Euro, den Löwenanteil trug die Stadt Pforzheim mit 1,9 Millionen Euro. Der Rest kam von Sponsoren, Spenden und Stiftungen sowie aus öffentlicher Hand. Zum Abschluss haben die drei Kuratoren für die Stadt Nagold ein kleines Geschenk: ein Buch über die Projekte der Ornamenta.

Das nimmt Ramona Winkler vom Kulturamt entgegen.Nun wird die vergangene Ausstellung erst einmal evaluiert, das kann durchaus ein halbes Jahr dauern. Interesse, eine neue Auflage zu starten, haben die drei Kuratoren in jedem Fall. Ob sie wieder zum Zuge kommen? Das wird sich noch zeigen

Erneute Ornamenta noch ungewiss

Genauso, ob es tatsächlich eine weitere Ornamenta geben wird. Geschäftsführer Christian Saalfrank ist dann nicht mehr dabei, das steht schon jetzt fest. Der Kulturmanager trat seinen Posten zum 1. Juli 2022 an. Ende März wird er ihn räumen, und ab 1. April als Geschäftsführer der sächsischen Bläserphilharmonie Leipzig tätig sein.