Auf Einladung des Horber Kulturmanagements gastierte am Freitagabend der Kabarettist und Liedermacher Konstantin Schmidt im Kulturhaus Kloster.
Axel Ullrich durfte im Namen der Stadt Horb so um die 50 Besucher begrüßen, die sich auf einen Abend voller absurder Gedanken zu Klimawandel, Energiewende, elektrischen Autos und ganz viel Internet und allem, was so dazugehört, freuten.
Lässig, wie seiner Homepage entstiegen, kam der Künstler im dunklen Anzug und rotem Hemd auf die Bühne, setzte sich ans Klavier und begann sofort darüber zu philosophieren, was er tut, wenn es ihm langweilig ist. „Dann gehe ich ins Internet, denn unkomplex ist mein Informationsreflex“ sang er und gestand wenig später, dass er seinen Wunsch, schlau zu werden, längst begraben habe, denn für ihn sei das Surfen im WWW nur noch Zeitvertreib, denn das meiste, was im Internet steht, sei nur banal. Außer, wenn es sich um Gebrauchsanweisungen oder gar Ratgeber handele. „Bitte das T-Shirt nicht direkt am Körper bügeln“ oder „Stellen sie keine Vase auf ihren Fernseher“ brachte er als Beispiel und überlegte, wie so eine Vase aussieht, die man oben auf einen Flachbild-Fernseher stellen kann. Auch der Hinweis beim Nitroglyzerin „Bitte nicht schütteln“ fand der Künstler sehr hilfreich.
Mit dem Fax ging es ins Internet
Für ihn, den studierten Maschinenbau-Ingenieur, sind technische Zusammenhänge ja noch einigermaßen klar, doch bereits sein Neffe rätselt, wie man den früher, ohne Handy, ins Internet kam. „Ganz einfach – per Fax“ die logische Erklärung, mit der sich der nicht so technikaffine Neffe anscheinend zufriedengab.
Handy – und vor allem das ständig fehlende Ladekabel – das war auch so ein Stichwort, über das sich Konstantin Schmidt prima auslassen konnte. In seiner Hommage an dieses wichtige Verbindungselement, mit dem passenden Titel „Ladekabel“ attestierte er dem Teil, dass es Verbindung schafft und dass man ohne Ladekabel am Ende schwarzsieht.
Besonders schlimm war es im Urlaub, als er dieses, ach so wichtige, Utensil zu Hause vergessen hatte. Zur Melodie des bekannten Hits „Mendocino“ sang er: „An jeder Tür klopfe ich an, doch keiner hat ein passendes Ladekabel“ um später zu gestehen, dass er sein erstes Ladekabel immer noch im Schrank hat. Das die EU inzwischen ein Gesetz zur Normung der Stecker für Elektrogeräte erlassen hat, dass sieht er als größten Erfolg dieser Behörde an.
Erfolglos waren dagegen seine Selbstoptimierungsversuche per YouTube-Video-Studium. Mit der Gewissheit, Experte in Anmachsprüchen zu sein, marschierte er nach dem Kurs „Ich versende Sympathiesignale“ in einen Club, in dem viel blondes Haar an der Bar stand. Offensichtlich war der Kurs dann doch nicht so erfolgreich, denn als er nach einer Begegnung mit einem der Männer der Damen wieder zu sich kam, blickte er in das bleiche Gesicht eines Chirurgen, der vor sich hinmurmelte: „Bei YouTube sah das alles leichter aus“.
Rolltreppen, die hoch ins Fitnessstudio führen
Ja, ja, das Internet und die Technik im Allgemeinen. Zu wohltemperierten Klavierakkorden nahm der Star des Abends seine Zuhörerschaft mit auf eine Abenteuerreise, die sich mit den wichtigsten Dingen des Lebens beschäftigte. Mit Rolltreppen, die hoch ins Fitnessstudio führen, dass man anstatt eines Herzschrittmachers lieber auf Globuli setzen sollte und dass alle zurück zur Natur, aber ja nicht zu Fuß, möchten. Auch kam er zu der Erkenntnis, dass alle, die die Technik idiotensicher machen wollen, die Chance vergeuden, ein paar dieser Idioten loszuwerden.
Klingende Stimme und Datensicherung
Vorgetragen wurden die Lieder
von Konstantin Schmidt mit einer recht angenehm klingenden Singstimme, die sich live wesentlich besser anhörte, wie in der YouTube-Version im Internet.
Und eines werden die Besucher dieses Abends
in Zukunft auch nicht mehr vergessen. Und zwar: Die Datensicherung. „Kein Backup, kein Mitleid, so die Maxime der IT. Manche lernen‘s spät, manche nie“ sangen die Besucher zusammen mit dem Mann am Klavier, der sein Elektro-Auto an seine Schwiegermutter verkauft hat, da ihm die Karre einfach zu langweilig war. Für Menschen, die wirklich etwas erleben wollen, hatte er noch einen guten Tipp parat: Fahren sie mit der Bahn.
Und nicht nur für diesen Tipp
erhielt er viel wohlverdienten Applaus von einem begeisterten Publikum.