Zahlreiche Schüler kamen auf dem Parkplatz zusammen. Foto: Decoux

Der Freitagmorgen der Woche für Demokratie in Ettenheim war den Schulen der Stadt vorbehalten. Rund 1100 junge Menschen zeigten auf, was Demokratie für sie bedeutet.

Rund 1100 Schüler der weiterführenden Schulen der Stadt, hatten sich – nach Aussage der Initiativgruppe, die zur Woche der Demokratie aufgerufen und diese mit verschiedenen Aktionen organisiert hatte – zu einer Kundgebung auf dem Espenparkplatz eingefunden, um ihr Verständnis von Freiheit und Menschenrechten kundzutun.

 

Allesamt hatten ihre Vorträge im Zusammenhang mit der SMV an ihrer Schule erarbeitet.

Ein Moderatorenteam mit Vertretern aller beteiligten Schulen begrüßte neben all den Schülern als Gäste die Montessori-Schule aus Ettenheimweiler, kommunalpolitische Vertreter, Eltern und Bürger. Sie machten deutlich, dass dies die erste derartige Veranstaltung in Ettenheim sei.

Auf einer großen Bühne gab es Programm

Im Sternmarsch strebten das August-Ruf-Bildungszentrum, das städtische Gymnasium und die St. Landolin-Schule dem Parkplatz auf den Espen entgegen, wo sie die Band „OneVibe“ mit aktuellen und ehemaligen Schülern von St. Landolin musikalisch begrüßte. Eine große Bühne war durch die kostenfreie Bereitstellung eines großen Lkws der Baumschule Broßmer möglich. Bürgermeister Bruno Metz erinnerte an die Unterzeichnung des Grundgesetzes exakt an diesem 23. Mai vor 76 Jahren. Aus diesen festgeschriebenen Rechten jedes Menschen sei erwachsen, was für die Heranwachsenden von heute als selbstverständlich angesehen werden dürfe: Achtung der Menschenwürde, die Vielzahl der Rechte, Meinungsfreiheit. Was vor 76 Jahren nach all dem Schlimmen – Krieg, Nazidiktatur, Holocaust – als zartes Pflänzchen herangewachsen sei, habe sich inzwischen zu einem starken Baum entwickelt. Demokratisches Handeln bedeute „rausgehen, Fragen stellen, Mitgefühl zeigen, Verantwortung übernehmen“, so Metz.

Die Schüler vermittelten mit ihren Reden und Plakaten ihre Botschaften. Foto: Decoux

Schüler des August-Ruf-Bildungszentrums machten am Mikrofon und auf Plakaten deutlich, was für sie Demokratie bedeutet: gegen Rassismus, gegen Vorurteile, gegen Oberflächlichkeit, gegen Homophobie, gegen Respektlosigkeit. Sie plädierten für das Recht des Einzelnen auf Menschenwürde, das Recht auf Bildung, Freiheit, Zukunft, für Gleichberechtigung der Geschlechter.

Unter anderem Rechte der Frauen thematisiert

Die Sprecher des städtischen Gymnasiums stellten die Rechte der Frauen in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen zu Menschenrechten und Demokratie. Als Vorbilder nannten sie Maria Antonia Stehlin, die in der Zeit der Revolution von 1848/49 in Ettenheim einen Frauenverein gegründet hat und für die Gleichberechtigung der Frauen, eingetreten ist. Als weiteres nannten sie Hertha Wiegand, die nach dem ersten Weltkrieg als erstes Mädchen ihr Bildungsrecht am Ettenheimer Gymnasium wahrgenommen hat. Das dritte Beispiel war Lucia Angster, die als erste Frau dem Ettenheimer Gemeinderat angehörte.

Auch Plakate und Schilder hatten Kinder dabei. Foto: Decoux

Das Redner-Duo, das für Realschule und Gymnasium von St. Landolin sprach, stellte die Aspekte von Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit in den Mittelpunkt. Sie plädierten für den respektvollen Austausch verschiedener Meinungen, sprachen sich gegen verletzenden Hass, vielmehr für Toleranz, Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit aus. An ihrer Schule gebe es eine Vielzahl von Religionszugehörigkeiten und dennoch sehe man sich als große schulische Gemeinschaft.

Wo Freiheit bedroht sei, dürfe man nicht schweigen, erinnerten sie an die Widerstandsgruppe „Die Weiße Rose“. Erinnerung, Bewusstmachen sei gut, aber nicht gut genug. Freiheit sei nicht nur ein Wort, sondern verpflichte auch zum Handeln. Mit dieser Botschaft drückten die beiden Schüler von St. Landolin aus, was die Botschaft aller Wortbeiträge war.

Ausstellung

Die Ausstellung im Rahmen der Woche der Demokratie „Erinnern ist nicht genug. Unsere Schule im Nationalsozialismus 1933 bis 1940“ wird bis zum 25. Mai im Bürgersaal des Ettenheimer Rathauses gezeigt. Anschließend wird sie vom 28. Mai bis 6. Juni im Foyer des Städtischen Gymnasiums zu sehen sein. Im Fokus stehen dabei die Geschichten von Hedy Epstein und Hans Durlacher, den letzten beiden jüdischen Schülern des Gymnasiums vor dem Zweiten Weltkrieg, sowie von Erich Valfer, der 1938 als letzter jüdischer Abiturient vor dem Krieg die Schule abschließen konnte.