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Kunden und Nachfolger fehlen Mythos Modelleisenbahn

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Das Bild zeigt einen Teil der Anlage des Modelleisenbahnclubs Stuttgart. Foto: Peter Petsch

Viele Modelleisenbahnfans pilgern Ende des Monats wieder zur Spielwarenmesse nach Nürnberg. Die Branche ist zwar klein, weckt aber große Emotionen.

Stuttgart - Modelleisenbahnfreunde leben in ihrer eigenen Welt. Ihre Landschaften zeigen nur das, was ihnen gefällt. Die Hersteller der Loks, Schienen und Häuschen im Miniformat halten es vielfach genauso. Umsatzzahlen? Fehlanzeige. Selbst Piko, einer der großen Hersteller neben Märklin und der österreichischen Modelleisenbahn Holding, hält sich bedeckt. „Umsatzzahlen nenne ich nicht, damit die Mitwettbewerber nicht wissen, wie gut oder wie schlecht es einem geht“, begründet Piko-Geschäftsführer René Wilfer seine Haltung. Selbst wenn es gut läuft, sei es besser, unterschätzt zu werden. „So wächst es sich einfacher“, ist Wilfers Überzeugung.

Manchmal geht die Geheimniskrämerei noch weiter. Susanne Vollmer, Geschäftsführerin der alteingesessenen Modellbaufirma Vollmer, nennt nicht einmal die Zahl der Mitarbeiter, die sie gegenwärtig noch beschäftigt. Um die 20 sollen es sein. Die Nachricht, dass Vollmer Mitte des Jahres für immer schließt, hat die Branche überrascht. Vollmer ist die Tochter des Firmengründers Wolfram Vollmer, der einst sein Hobby zum Beruf machte. Wie so viele Modellbauer. Die Tochter habe dieses Hobby nicht geteilt, heißt es in der Branche. Nach Jahren, in denen die Modellbaufirma wie der Markt stets geschrumpft ist, kommt nun das Ende.

„Als Unternehmer muss man auch Entscheidungen treffen, die unter Umständen nicht populär sind“, sagt Vollmer. „Wenn es, wie in unserer Situation, sinnvoller ist, einen geordneten Rückzug anzutreten, hat man die Verpflichtung, das auch zu tun.“ Rote Zahlen habe man bis zuletzt vermieden, betont sie. „Die Firma Mitte 2014 zu schließen ist die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit“, sagt auch Wolfgang Keck, früherer Geschäftsführer bei Vollmer, der Susanne Vollmer noch beratend zur Seite steht.

Der Stuttgarter Betrieb wird nicht der letzte Modellbauer sein, der dichtmacht. Etliche Firmen, die Zubehör für Modelleisenbahnen herstellen, werden in diesem und im nächsten Jahr vom Markt verschwinden, so die Befürchtung in der Branche. Vor allem jene Familienbetriebe, die keinen Nachfolger haben oder die nicht riskieren wollen, am Schluss noch in die roten Zahlen zu rutschen. Ohnehin „sind ein Großteil der Zubehörfirmen reine Familienbetriebe ohne Angestellte“, sagt Roland Kimmich vom Branchendienst Ferpress.

Vollmer hat immerhin noch das Glück, Nachbar von Porsche in Zuffenhausen zu sein. Der Autobauer, der rund um sein Stammwerk Flächen aufkauft, hat auch die gut 6000 Quadratmeter Firmengelände erworben. Das Interesse von Porsche an der Liegenschaft habe die Entscheidung, Vollmer zu schließen, beschleunigt, sagen Branchenkenner.

„Für die Gebäudehersteller ist es sehr eng geworden“

Die Branche lässt sich schwer in Zahlen fassen. Die Modellbahnhersteller im deutschsprachigen Raum setzen laut Branchenexperte Kimmich nur noch in der Größenordnung zwischen 170 und 200 Millionen Euro um. Dazu kommen die Zubehörhersteller, meist Familienbetriebe, deren Umsätze insgesamt deutlich geringer sind. „Im Vergleich zu anderen Branchen sind die Umsätze bei den Modellbauern gering, doch emotional hat die Branche eine viel größere Bedeutung“, sagt Susanne Vollmer.

„Für die Gebäudehersteller ist es sehr eng geworden“, sagt Piko-Chef Wilfer. Ein Grund dafür ist, dass die Bausätze der Kunststoffgebäude traditionell mittels Werkzeugformen aus Stahl hergestellt werden, immer öfter im preisgünstigeren Lasercut-Verfahren produziert werden. Diese Laserschneidegeräte sind in der einfachen Ausführung schon für Hobbybastler und kleinere Firmen erschwinglich. Zudem lassen sich damit auch kleinere Serien fertigen und somit Lagerkosten sparen. Dieser Trend führt aber auch dazu, dass viele Zubehörfirmen, die nicht auf Laserschneiden setzen, nur noch mit wenigen Neuheiten auf den Markt kommen. Denn Neuheiten nach dem klassischen Verfahren sind deutlich teuer.

Für die Modelleisenbahnhersteller sieht die Lage etwas günstiger aus. Die drastischen Umsatzrückgänge der Jahre 2005 bis 2010 sind Vergangenheit, meint Wilfer. Seither hätten sich die Umsätze stabilisiert. Allerdings bekommen die Hersteller nicht nur Konkurrenz von Computer und Smartphones. „Es gibt Unmengen gebrauchter Ware, die über Ebay angeboten werden.“ Meist Sammlungen, die von Erben versilbert werden. Doch der Piko-Chef gibt sich optimistisch: „Wenn man schöne Modelle im Angebot hat, gute Qualität und guten Kundendienst bietet und es schafft, interessant zu sein, dann findet man seine Kunden.“

Doch das wird zunehmend schwieriger. „Das Durchschnittsalter der Kunden steigt, die Branche vergreist“, sagt Vollmer-Berater Keck. Zudem sei die Zahl der Spielwarenhändler in den vergangenen 20 bis 30 Jahren sehr zurückgegangen. „Wenn der Verbraucher das Angebot nicht mehr findet, wird es schwierig.“ Der Anteil des Online-Handels ist noch gering. Auch sind dem Internet als Vertriebsweg Grenzen gesetzt, meint Vollmer: „Modelleisenbahnen lassen sich nicht allein übers Internet verkaufen. Wer noch keine hat, muss sie erst einmal im Laden sehen, um begeistert zu sein.“

Wenn Vollmer seine Pforten geschlossen hat, wird Faller der einzige größere Gebäudehersteller sein, der übrig geblieben ist. Bekannte Namen wie Kibri oder Fleischmann haben Unterschlupf bei anderen Firmen gefunden. Ob die Faszination der Modellbahn auch künftige Generationen noch erfasst, dazu wagen Experten keine Prognose.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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