Es gibt Abende, die in ihrer Intensität nachhallen, die noch lange in Gedanken weiterklingen. Genau so ein Abend war das Jubiläumskonzert von Poems on the Rocks im Simmersfelder Festspielhaus.
Die Band, die seit mehr als 20 Jahren mit ihrer einzigartigen Fusion aus Rockklassikern und lyrischen deutschen Übersetzungen begeistert, unternahm auf der Bühne der Kulturwerkstatt eine Zeitreise durch die großen Hymnen der Musikgeschichte.
Schon beim Betreten des Saals lag eine fast ehrfürchtige Erwartung in der Luft. Das Bühnenbild – minimalistisch, aber mit gezielt eingesetzten Lichteffekten – schuf den perfekten Rahmen für das, was kommen sollte. Und dann: der erste Akkord, der erste Schlag auf das Schlagzeug, der erste Moment, in dem Musik und Sprache miteinander verschmolzen.
Poems on the Rocks sind keine gewöhnliche Coverband. Sie heben die Seele der Songs an die Oberfläche, geben ihnen mit deutschen Worten eine neue Tiefe, ohne ihre ursprüngliche Kraft zu schmälern. Jo Jung, Schauspieler und Stimme vieler Film- und Radioproduktionen, führte mit markanter Erzählerstimme durch den Abend. Seine lyrischen Übersetzungen ließen das Publikum in die Gedankenwelt der Songschreiber eintauchen.
Die Idee entstand vor 25 Jahren
„Die Idee, Rocksongs, die eine wirkliche Aussage haben – gesellschaftspolitisch, demokratisch-politisch – lyrisch zu übersetzen und live auf die Bühne zu bringen, gibt es seit 25 Jahren“, erklärte er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Der musikalische Kern der Band ist Jörg Kraus, dessen Stimme die Bühne erzittern ließ – mal kraftvoll, mal sanft, aber immer voller Emotion. „Musik ist für mich Therapie“, sagte er.
Nach einer langen Pause fand er mit dieser Band nicht nur zurück zur Musik, sondern auch zu sich selbst. Ergänzt wurde er von Christoph Berner (Gitarre), Andy Kemmer (Bass), Helmut Kipp (Schlagzeug) und Edgar Müller (Keyboards) – ein Ensemble, das auf höchstem Niveau agierte, sich perfekt ergänzte und den Sound der Rockgeschichte mit beeindruckender Intensität auferstehen ließ.
Audiovisuelle Erlebnisse
Für die visuelle Perfektion des Abends sorgte Karsten Hoppe, der mit beeindruckenden, songbezogenen Videoprojektionen die Musik in Bilder verwandelte. Seine sorgfältig abgestimmten Visuals verstärkten die Atmosphäre der Songs und machten Stücke wie „Space Oddity“ von David Bowie oder „Land of Confusion“ von Genesis zu audiovisuellen Erlebnissen.
Die Setlist ließ keine Wünsche offen: „Running Up That Hill“ von Kate Bush sorgte mit seiner treibenden Dynamik für Gänsehaut, „Dani California“ von den Red Hot Chili Peppers brachte den Saal zum Kochen. Auch „Whiskey in the Jar“ von Thin Lizzy durfte nicht fehlen.
Musikalischer Dialog
Ein besonders bewegender Moment war die Darbietung von „With a Little Help from My Friends“ – in einer Version, die mehr an Joe Cocker als die eigentlichen Urheber, die Beatles, erinnerte. Jo Jung und Jörg Kraus machten den Song zu einem musikalischen Dialog, der die Bedeutung von Freundschaft und Zusammenhalt eindringlich transportierte.
Mit weiteren Klassikern wie „While My Guitar Gently Weeps“ (The Beatles) und „Teach Your Children“ (Crosby, Stills, Nash & Young) bewiesen Poems on the Rocks einmal mehr, dass sie nicht nur Musik spielen, sondern sie fühlen – und dieses Gefühl mit ihrem Publikum teilen.
Auswahl ist eine Herausforderung
Die Songauswahl sei stets eine Herausforderung, verriet Schlagzeuger Helmut Kipp. „Musikalisch müssen wir Instrumentalisten eine Balance finden, die zur poetischen Übersetzung passt. Nicht jeder Song eignet sich – viele Klassiker haben großartige Melodien, aber textlich wenig Substanz. Das macht das Arrangieren anspruchsvoll, aber genau das reizt uns.“ Die Band arbeite demokratisch, probiere viel aus, bis alles harmoniert. Einige Songs hätten etwas länger gebraucht, um in die heutige Form zu kommen – gerade nach der Pandemie, als das gemeinsame Proben lange pausieren musste.
Die Begeisterung im Saal wuchs mit jedem Song. „Diese Band rockt mit so viel Gefühl – durch die deutschen Übersetzungen versteht man die Texte endlich richtig!“, sagte ein Zuschauer. Ein anderer fügte hinzu: „Die Show war mega! Die Energie war unfassbar, das hat mich total umgehauen.“
Zuschauer fordern Zugabe
Doch der Abend durfte noch nicht enden – das Publikum war noch nicht bereit, die Band gehen zu lassen. Mit stehenden Ovationen forderten die Zuschauer eine Zugabe – und bekamen sie.
Zuerst „Time“ von Pink Floyd, dann als krönender Abschluss „Fragile“ von Sting. Ein Titel voller Intensität und Leidenschaft, als wollte die Band sich mit einem musikalischen Feuerwerk verabschieden. Der letzte Akkord verklang, ein Moment der Stille – dann ein tosender Applaus, der kein Ende zu nehmen schien.
Und als perfekte Abrundung: Zum 20-jährigen Bestehen hat die Band ein Album mit 20 Songs herausgebracht – und es kostet genau 20 Euro.
Poems on the Rocks haben nicht einfach nur ein Konzert gespielt. Sie haben eine emotionale Reise geschaffen, die das Publikum mitgerissen, bewegt und inspiriert hat. Ein Abend, der nachhallt – so wie die Musik, die sie mit so viel Hingabe und Leidenschaft zum Leben erwecken.