Beim offenen Theatertraining der Kulturwerkstatt Simmersfeld zeigt sich, wie aus spontanen Einfällen kleine Wunder werden – unmittelbar, lebendig und ungeschminkt.
. Der Abend begann leise. Ein feiner Hauch von Erwartung lag im Raum. Keine Kulissen, keine Requisiten, kein Skript. Nur ein weiter, lichtdurchfluteter Raum, der darauf wartete, mit Mut, Neugier und Menschlichkeit gefüllt zu werden. Einmal im Monat öffnet die Kulturwerkstatt für genau diese Augenblicke ihre Türen – für alle, die Theater erleben wollen, ohne Vorwissen, ohne Schwellenangst, einfach aus Lust am Spiel.
Theaterpädagogin Daniela Brandmeier empfing die Teilnehmenden mit einer ruhigen Herzlichkeit. Seit fast zwei Jahrzehnten arbeitet sie mit Gruppen unterschiedlichster Art, und doch ist „jede neue Begegnung ein frisches Versprechen“. Simmersfeld ist neu für sie – doch die Energie des Abends nahm sie sofort auf, als wäre sie schon lange dort zu Hause.
Die erste Stunde gehörte dem Körper. Musik floss weich durch den Raum, zuerst zart, dann bestimmter. Die Gruppe bewegte sich im Kreis, verknüpfte Namen mit Gesten und erkundete Schritt für Schritt die Tiefen des Raums. Mal gingen alle durch imaginären Matsch und über glühende Kohlen, mal schritten sie in Zeitlupe, mal tanzten sie durch warmes Licht. Die Atmosphäre ließ alle Hemmungen schwinden. Gesichter öffneten sich, Bewegungen wurden mutiger, Wege kreuzten sich spielerisch.
Brandmeier führte mit leichter Hand durch Übungen, die Nähe schaffen, ohne zu bedrängen: Rücken, die sich berührten; Atemzüge, die sich anglichen; gemeinsames Aufstehen ohne Worte. Konzentration hing wie ein feiner Faden zwischen allen, und man spürte, wie Vertrauen wächst, ohne dass es jemand benennen müsste.
Bei der Improvisation zählt jeder Instinkt
Nach einer kurzen Pause begann der Teil, auf den viele gewartet hatten: die Improvisation. Jetzt zählte jeder Instinkt. Ein Blick genügte, ein spontaner Satz, ein impulsiver Schritt – und eine Szene entstand, die eben noch nicht existierte. Aus einem einzigen „Ja, und dann …“ wuchsen kleine Welten. Ein Klatschen, und mit einem Schlag wechselten Haltungen, Figuren, Perspektiven. Der Raum pulsierte vor Überraschungen: mal absurd, mal zartpoetisch, mal so komisch, dass alle Tränen lachten. Und niemand lachte über jemanden. Man lachte miteinander. Genau darin liegt die große Magie dieses Formats.
Chris, seit über 40 Jahren Teil der Kulturwerkstatt, strahlte: „Theater ist hier das Herzstück. Dieses offene Format ist einfach großartig. So viele Menschen, so viele Farben. Ich wünsche mir, dass noch mehr den Mut finden, das auszuprobieren.“
Zwischen großen Produktionen liegen oft Monate ohne Proben. Damit die Gruppe lebendig bleibt, Neulinge dazukommen können und die Spielfreude nicht verloren geht, entstand das offene Training: ein Ort ohne Anmeldung, ohne Druck, für alle Generationen. Ein Ort, an dem man spielen, staunen, wachsen darf – und immer wieder überrascht wird.
Die 17-jährige Lena Michaelis erlebte vor allem die Offenheit als Geschenk: „Hier kann man sein Mindset ausleben, niemand bewertet einen. Man fühlt sich sofort zugehörig.“
Am Ende des Abends wurde deutlich, wie selbstverständlich sich unterschiedliche Erfahrungsstufen mischen: Erfahrene Bühnenhasen spielen Seite an Seite mit Teilnehmenden, die zum ersten Mal auf der Fläche stehen. Abläufe greifen schnell ineinander, neue Gesichter finden leicht Anschluss, und oft entstehen Kontakte, die auch nach dem Training bestehen bleiben.