Die Malerin Beate Fahrnländer und der Bildhauer Paolo Pinna zwischen seinem Figurenensemble in der Schallbacher Ausstellung. Foto: Jürgen Scharf

Kunstausstellungen sind fester Bestandteil der Schallbacher Kulturtage. Dieses Mal heißt das Thema „Begegnungen“. Beate Fahrnländer zeigt Porträts, Paolo Pinna Skulpturen.

Der sakrale Raum der Peter und Paul-Kirche bietet eine schöne Kulisse für die derzeitige Ausstellung der 9. Schallbacher Kulturtage.

 

Im Halbrund stehen die eindrucksvollen Holz- und Steinskulpturen des aus Sardinien stammenden und in Lörrach lebenden Bildhauers Paolo Pinna. An den Seitenwänden hängen die ausdrucksstarken Menschenbilder der Lörracher Malerin Beate Fahrnländer.

Das ergänzt sich nicht nur schön im Thema Mensch, sondern hat sogar eine direkte Schnittstelle: Engel.

So korrespondiert das Engelsbild von Fahrnländer, eine Mädchengestalt mit Flügeln in einer Kapelle stehend, harmonisch mit Pinnas Engeldarstellungen mit weit ausgebreiteten Flügeln auf dem Altar.

Beide Künstler verfolgen in ihrer Kunst den Gedanken der menschlichen Figur als Thema. Das wurde auch im einführenden Gespräch deutlich, das Thomas Th. Willmann vom Organisationsteam mit den beiden Künstlern über ihre Arbeiten, ihre Anliegen und künstlerischen Intentionen führte.

Die künstlerische Arbeit geht vom Menschen aus

Beate Fahrnländer hat immer Begegnungen als Menschen als Auslöser ihrer Arbeiten. Sie begegnet ihnen auf der Straße, spricht sie an, ob sie sie fotografieren darf, und malt später im Atelier die Porträts dieser interessanten Leute.

So entstand auch das Bild der kleinen Inderin, das auch den Flyer ziert: ein Mädchen, das sie beim Tadsch Mahal beobachtet hat. Von deren Gestalt und Habitus, der bunt bestickten Kleidung, dem kurzen schwarzen Haar war die fotografierende Malerin fasziniert.

Die Serie mit Porträts („Timeless Faces“) verfolgt Fahrnländer schon länger. So zeigt sie das Bildnis eines Mädchens, das vom ernsten Ausdruck und dem reifen Gesicht her wie eine junge Frau aussieht und dem sie in Griechenland begegnet ist.

Museen als Inspirationsquelle

Die Menschenbilder, darunter auch private Motive, malt Fahrnländer immer in natürlicher, nie gestellter oder gekünstelter Pose.

Gerne hält sie auch Figuren im Bild fest, die sie in Kirchen und Museen findet. Auch da gibt es Werkbeispiele in dieser Schau wie die nach alten historischen Marmorstatuen entstandenen Römer oder eine venezianische Figur aus dem 15. Jahrhundert, entdeckt bei einem Besuch der Berliner Museumsinsel.

Von diesen Skulpturen, oft aus bunt bemaltem Holz, das die Farbe über die Jahrhunderte verloren hat, ist Fahrnländer berührt. Für sie sind diese Figuren so präsent, als begegne sie ihnen im wirklichen Leben.

3000 Jahre alte Formen inspirieren den Bildhauer

Auch Paolo Pinna bearbeitet das Thema Mensch auf seine Art in Darstellungen von Figuren und Torsi von der Antike bis in die Moderne. Es sind 3000 Jahre alte Formen, die den gelernten Holz- und Steinbildhauer inspirieren.

So entsteht aus regionalem Holz wie einem Eichenbalken aus einem alten Haus eine menschliche Figur, die dazu passt. Die Frauen, Göttinnen, Tänzerinnen, Liegende, Stehende und Ruhende, aber auch von seiner Indien- und Sri Lanka-Reise angeregte Darstellungen von Priester und Mönch zeigen vielfältige figurative Gestaltungen.

Eine etwas füllige weibliche Skulptur ist der Venus von Milo nachempfunden, eine Paarsituation erzählt die Geschichte einer Trennung, und die Engel greifen etwas Spirituelles auf.

Strukturen des Materials bleiben sichtbar

Pinna betont immer die Strukturen des Materials, wenn er seine Figuren aus Jurakalkstein, Travertin oder Marmor holt und poliert, aber nicht ganz glänzend schleift. Da hat er Michelangelo als Vorbild, der auch nicht alle seine Skulpturen geschliffen hat. Jürgen Scharf

Info: Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, 17. Mai, jeweils Mittwoch, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.