Zwischen den Regalen hängen die Botschaften des Kulturtages im Gebäude 48. Foto: Rüdiger Wysotzki

Im früheren Werkstattgebäude der Zollernalbkaserne haben das Kreisarchiv und der Verein Freiraum Balingen eine Kunstaktion mit dem Titel „Kunst im Depot: Bilder für ein besseres Weltverständnis“ eingerichtet. Zur Eröffnung kamen zahlreiche Gäste.

Eine einmalige Gelegenheit hat sich für das Kreisarchiv Zollernalbkreis und den Verein Freiraum-Balingen im ehemaligen Werkstattgebäude der früheren Zollernalbkaserne ergeben: Sie hatten zu einem Kulturtag in das „Gebäude 48“ eingeladen, der zahlreiche Besucher gefolgt waren.

 

Da die Räume noch nicht völlig ihrer Bestimmung zugeführt worden sind, konnten die Veranstalter sie für die Kunstaktion unter dem Titel „Kunst im Depot: Bilder für ein besseres Weltverständnis“ einrichten. Bilder, Fotos, Objekte und Installationen schmückten die bereits eingebauten grauen Regale und Wände. Zur Eröffnung sprach Uwe Fliegauf zum Thema „Die Gedanken sind frei. Die Kunst auch“.

„Ein einmaliges Zusammentreffen“ zwischen Kunst und Bunkeranlage

Freiheit, auch das weiß man in Deutschland nicht erst seit Februar 2022, muss auch militärisch verteidigt werden. Das passt gut zum Ort der Matinée, dem Gelände der früheren Zollernalb-Kaserne auf dem Geißbühl. Die Ausstellung zeigt Kunst von Kreativen aus der Region für die Region. Gabriele Opfermann trug ihre einladenden Worte in Gedichtform dar. Im Namen der Künstler begrüßte Michl Brenner die Gäste.

Kreisarchivar Uwe Folwarczny stellte klar, dass kein Außenstehender das Depot nach seiner Fertigstellung betreten könne. Das Kreisarchiv werde jede Anfrage unterstützen und den Kontakt zu angefragten Exponaten herstellen. Die Ausstellung ist ein einmaliges Zusammentreffen zwischen Kunst und Bunkeranlage.

Boris Retzlaff rezitierte in den Räumen Gedichte, die zum Denken, Nachdenken, Überdenken und Umdenken einluden – auch die Inspirationen von Mary-Jane Schöller, jetzt Newton, „E 256 – Das Plastik meiner Haut war mir zu eng“ vor. Die Eröffnung begleiteten vier Musikstücke: Wolfgang Fischer am Piano begleitete die klangvolle Stimme von Lea-Katharina Scherl bei „True Colors“ von Cyndi Lauper und dem Gedicht „Die Gedanken sind frei“ aus der Feder von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben – gesungen in drei Sprachen.

Auch die jüngsten Besucher schwärmten über die Kunstaktion in Meßstetten

Die Werke von Michel Brenner, Lorenz Bögle, Baba Cham, Andreea Faciu, Veronika Héber, Angela und Bernhard Jung, Kati Kanniga und Matthias Klose-Kanniga, Gabriele Opfermann, Petra Penz, Ondrej Svadlena, Brigitte Wagner, Reinhard Wulff, Wolfgang Wiebe und Manfred Wörner schufen viel Raum zum Betrachten und freien Denken.

Die Arbeiten können Irritationen sein, sie multiplizieren eine nicht immer massenkonforme, angenehme, anschlussfähige, leicht bekömmliche Botschaft in die Gesellschaft hinein. Der Einzelne, der sie wahrnimmt, interpretiert, stört sich, hat eine gegenteilige Meinung oder stimmt mit ihnen überein.

Kinder, die ihre Eltern zur Ausstellung begleiteten, standen ehrfürchtig vor einem gemalt und lebendig wirkendem Großbild eines T-Rex, den Angie Jung und Baba Cham geschaffen hatten. „Cool!“– „Sowas, das wäre etwas für mein Kinderzimmer“, schwärmten sie. Allgemein empfunden war die Matinée wie ein wunderschönes Nachtschattengewächs, das nur einmal im Leben erblüht. Gegen 15 Uhr schloss diese Einmaligkeit an der Farbenpracht auf Beton.