Die Vorbereitungen auf den Kultursommer Nordschwarzwald laufen. Teil davon ist das Kunstprojekt „Demokratiekoffer“. Das Ergebnis ist ab November in einer Ausstellung zu sehen.
Der „Demokratiekoffer“ wird gepackt: Damit reist der Nordschwarzwald in gewisser Weise ab Richtung Kultursommer 2026.
Von 16. Juli bis 16. August finden unter dem Dach der Reihe wieder etwa 100 kulturelle Veranstaltungen in den Kreisen Calw, Freudenstadt und Enz sowie in Pforzheim statt. Sie sollen die Vielfalt der Kulturregion Nordschwarzwald zeigen. Für die Kulturschaffenden ist der inzwischen sechste Kultursommer zugleich eine Plattform, um sich zu vernetzen. In diesem Jahr wird er begleitet von einem besonderen Projekt: dem „Demokratiekoffer“.
Dieses Projekt setzt zum einen Akzente, wie Sascha Klein, der Direktor des Regionalverbands Nordschwarzwald (NSW), erläutert. Bei dem Verband ist die Arbeitsgemeinschaft Kulturregion NSW angesiedelt. Zum andern habe das Projekt „gesellschaftliche Relevanz für uns“.
Klein muss es wissen: Als Verbandsdirektor hatte er es zuletzt vor allem mit dem Teilregionalplan Windenergie zu tun, also der Ausweisung von möglichen Standorten von Windrädern. Ein Thema, bei dem die Meinungen auseinandergehen, und das immer wieder zu heftigen Diskussionen führt. Kunst und Kultur können aus Sicht Kleins einen Ausgleich schaffen und „Raum für Austausch“.
Land fördert das Projekt finanziell
Er ist sich sicher, dass der „Demokratiekoffer“ Strahlkraft über die Region hinaus haben wird. Anerkennung aus Stuttgart wird der Idee bereits zuteil – in Form einer Förderung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
Für den „Demokratiekoffer“ arbeiten das DDR-Museum Pforzheim mit dem Marionettenspieler Raphael Mürle, Künstlerin Sibylle Burrer und dem Regionalverband zusammen. Burrer, Mürle und Museumsleiter Moritz Bach haben die Idee zusammen ausgearbeitet.
Seine Einrichtung sei nicht nur ein Museum, sondern auch ein Lernort der Demokratie. Und: „Wir sind in einer Zeit, in der viel übereinander, aber wenig miteinander gesprochen wird“, meint Bach. Da sei es am besten, wenn Menschen im Gespräch miteinander Argumente austauschten.
Ausstellung ab November zu sehen
Dafür sind bis zum Herbst acht Termine geplant: Jeweils zwei im Kreis Calw, im Kreis Freudenstadt, in Pforzheim und im Enzkreis. Bei diesen Terminen sollen Menschen miteinander ins Gespräch über Demokratie kommen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Außerdem gibt der Historiker Bach ihnen zum Auftakt einen Überblick über die Demokratie hierzulande, der bis ins Jahr 1500 zurückreicht. Ergänzt wird dieser durch Puppentheater von Raphael Mürle., „Das wird ein sehr lebendiger Vortrag“, erläutert dieser.
Eine Woche und einiges Nachdenken über das Thema später, sollen die Gruppen dann bei einem zweiten Treffen ihre „Demokratiekoffer“ packen – und dafür Objekte zusammentragen, die für sie die Demokratie ausmachen.
In Calw beispielsweise treffen dafür Bewohner des Pflegeheims „Haus auf dem Wimberg“ auf Fünft- und Sechstklässler, berichtet Sibylle Burrer. Im Kreis Freudenstadt sollen unter anderem Jugendliche einen Koffer füllen.
Das Projekt läuft bis November. Die acht dann gefüllten „Demokratiekoffer“ sind ab 8. November zunächst im DDR-Museum in Pforzheim zu sehen. Anschließend, geht es nach den Projektverantwortlichen, könnte sie an weitere Orten im Nordschwarzwald reisen. Wie es sich für einen Koffer gehört.