Regionalverbandsvorsitzender Klaus Mack zog im Kreuzgarten des Alpirsbacher Klosters eine positive Bilanz des ersten Kultursommers Nordschwarzwald. Foto: Günther

Mit einem fröhlichen, bunten, vielfältigen, gut besuchten und hochkarätig besetzten Abschlussfest im und um das Alpirsbacher Kloster ging am Sonntagabend der erste Kultursommer Nordschwarzwald zu Ende.

Alpirsbach/Region - Pandemiebedingt konnte der für 2020 geplante Kultursommer Nordschwarzwald erst dieses Jahr stattfinden. Hervorgegangen war die Veranstaltungsreihe aus dem Nordschwarzwaldtag – mit der nachvollziehbaren Begründung, dass die Region zu groß und ein Tag zu wenig sei, "um die Vielzahl kultureller Angebote und Besonderheiten zu entdecken". Dass dabei mehr als 100 hochrangige Veranstaltungen für alle Alters- und Zielgruppen zusammenkamen, unterstreicht die Bedeutung des neuen Formats.

Die Abschlussveranstaltung der Reihe, in und rund um das Alpirsbacher Kloster, fand nun vor gleichfalls beeindruckender Kulisse statt wie der Auftakt einen Monat zuvor im Kloster Maulbronn, beide Male unter Mitwirkung hochkarätiger Künstler verschiedenster Sparten.

Veranstaltungen des Kultursommers höchst zufriedenstellend verlaufen

Als Vorsitzender des Regionalverbands Nordschwarzwald zeigte sich Klaus Mack zu Beginn des offiziellen Teils im Kreuzgarten des Klosters "stolz auf diese beiden nördlich und südlich gelegenen, historisch ungemein wertvollen Kulturdenkmäler, die gleichzeitig die räumliche Klammer für den Kultursommer Nordschwarzwald bildeten". Jede dritte Gemeinde der Region habe sich an der Reihe beteiligt, so Mack. Die Veranstaltungen des Kultursommers seien höchst zufriedenstellend verlaufen: Die Mehrzahl war gut besucht oder gar ausverkauft. Auch was das Ziel der Vernetzung der Region und den gegenseitigen Austausch der Künstler anbelangt, zeigte sich Mack zufrieden. Kultur sei "ein Wohlfühlfaktor, der Identität schafft, Heimatgefühl vermittelt und somit systemrelevant ist".

Aufgelockert wurden Macks Ausführungen durch temperamentvoll vorgetragene Stücke des "Duetto Classico": Evelina Bott (Sopran) und Monika Erol (Mezzosopran) sorgten mit ihren ausdrucksstarken Stimmen, schauspielerischem Talent und Leidenschaft zum Gesang für Gänsehautatmosphäre. Mit ihrem Duett "Hoffnung, in mir lebt noch die Hoffnung" beschrieben beide gleichsam die lange Durststrecke, die sie und die Mehrzahl der Künstler pandemiebedingt hinter sich hatten. Im Namen der teilnehmenden Künstler dankte Erol allen, die den Kultursommer ermöglicht hatten, dafür, "dass wir endlich wieder mitmachen und den Sommer mitgestalten durften".

Erols Hinweis, dass der Kultursommer nun zwar vorbei sei, aber es sich lediglich um eine Pause bis 2022 handle, wurde wetterbedingt durch kräftigen Donner unterstrichen. Mit dem vielstimmig gesungenen "Oh Happy Day" übertrug sich ihre positive, fröhliche Grundstimmung auf die in leichtem Regen sitzenden Zuhörer.

Als "Ort mit reicher Kultur im Wilden Süden des Nordschwarzwalds" beschrieb Landrat Klaus Michael Rückert den Ort der Schlussveranstaltung. Mit Blick auf die beiden Vollblut-Sängerinnen fragte er: "Was hätten wohl damals die Alpirsbacher Klosterschüler gedacht, wenn sie das ›Duetto Classico‹ mit ihrem ›Oh Happy Day‹ in ihrem Kreuzgang gehört hätten?" Heute sei das Kloster ein ökumenischer Ort, in dem evangelische und katholische Christen sowie das Subiaco-Kino als wichtige Einrichtung der Stadt Heimat gefunden hätten. Mit Blick auf Familie Glauner verwies er augenzwinkernd auch auf das "andere Kulturgut, das uns die Mönche hinterlassen haben: das hervorragende Bier". Auch Rückert betonte die Bedeutung der Kultur für den Menschen, während der langen Coronapause sei diese schmerzlich vermisst worden.

Dass der eigens für den Kultursommer eingerichtete Grüntaler Kunstweg als Dauereinrichtung weiterbestehen wird und zudem im Jahrbuch des Landkreises Freudenstadt seine Würdigung finde, verriet der Geschäftsführer des Regionalverbands Nordschwarzwald, Matthias Proske, in seinem Grußwort.

Ausgelassene Stimmung auf dem Klosterplatz

Der letzte Programmpunkt, ein Duett, fiel buchstäblich ins Wasser. Unter Regenschauern und Donner beendete das "Duetto Classico" mit der Arie "Schöne Nacht, Du Liebesnacht" aus Hofmanns Bacarole den offiziellen Teil der Abschlussfeier. Unterdessen herrschte auf dem Klosterplatz schon reges Treiben. Dort sorgte das Team des Subiaco-Kinos in bewährter Weise für die Bewirtung, für die musikalische Unterhaltung war die international bekannte Band Fools Garden aus Pforzheim zuständig. Ihr gelang es mühelos, die vielen Besucher in ihren Bann zu ziehen. Auch kleinere und größere Regenschauer konnten die ausgelassene Stimmung nicht trüben.

Die 1991 vom Peter Freudenthaler und Volker Hinkel gegründete Band bewegt sich stilistisch zwischen Pop, Rock und Britpop. Internationale Bekanntheit erlangte sie mit ihrem 1995 veröffentlichten Song "Lemon Tree". Dass die Konzertbesucher auf dieses Lied geradezu gewartet hatten, zeigten viele Rufe nach Wiederholung und Zugaben. Einige Musikbegeisterte tanzten auf dem Klosterplatz.

Glücklicherweise endete der stimmungsvolle Abend nicht mit Regen – der war nach einigen kurzen Einlagen beendet –, sondern mit Open-Air-Kino im Kreuzgarten. Rund 100 Zuschauer hatten es sich dort gemütlich gemacht und fieberten beim Film "Verplant – Wie zwei Typen versuchen, mit dem Rad nach Vietnam zu fahren" mit Otti und Keule mit, die entlang der alten Seidenstraße 15 Länder mit dem Fahrrad durchquerten und trotz extremer Wetterbedingungen und politischer Widrigkeiten ihren Trip mit Humor und Geduld meisterten.