Julian Moreen ist der neue Leiter von Kulturo Rümmingen. Foto: Steven Wang

Er bringt viel Inspiration aus den USA und Taiwan mit: der neue Leiter von Kulturo Rümmingen, Julian Moreen.

Julian Moreen lacht, als er nach der Schreibweise seines deutschen Namens gefragt wird. Schreibt man Möhring mit ö oder oe? Der Urgroßvater sei großer Goehte-Fan gewesen, deshalb schreibt sich seine Familie mit oe. Die Moehrings sind in Lörrach fest mit dem Dreiländermuseum verwoben, das Julians Großvater, Gerhard Moehring, aufgebaut und 30 Jahre geleitet hat, bevor sein Onkel, Markus Moehring, bis 2023 die Leitung innehatte.

 

Julian Moreen ist 1993 in Lörrach geboren, sein Vater stammt aus Peru und kam als Musiker nach Deutschland. Er wächst einer musikaffinen Familie auf. Eine Tante ist professionelle Geigerin im Orchester in Basel. Seine Kindheitserinnerungen seien geprägt von Großmutter Hilde, wie sie wunderbar am Flügel im Wohnzimmer Klavier spielte, erzählt Julian Moreen, der sich sofort zu den Klängen hingezogen fühlte.

Früh steht der Berufswunsch Musiker fest. Mit zwölf Jahren gründet er seine erste Band. Als Jugendlicher nimmt er bei Richard Geppert, Leiter der damaligen Gesangsakademie Voicelab und späterem Gründer von Kulturo, Gesangsunterricht. Am Jazzcampus Basel wird sein Talent von Lester Menezes, einem indischen Pianisten, gefördert, bevor Julian Moehring nach dem Abitur nach Boston geht, um dort, mit einem Stipendium in der Tasche, ein Klavierstudium am Berklee College of Musik anzutreten. Schnell wandelt er seinen Namen, den in den USA kaum jemand aussprechen kann, in den poetisch klingenden Namen Moreen ab.

In New York gelebt

2017 schließt er das Studium ab und zieht in eine der bedeutendsten Jazz-Metropolen der Welt: nach New York City. Julian Moreen tritt in den berühmtesten Jazz-Clubs auf, entwickelt und feilt an seiner eigenen Musikkarriere, lebt in einer Musiker-WG. Er experimentiert mit unterschiedlichen Genres, komponiert und spielt Filmmusik.

„Eine tolle, teure Stadt“, sagt Moreen rückblickend über seine Zeit in NYC: Einerseits „der Vibe und der Drive“, der unter den vielen talentierten Musiker aus aller Welt herrscht, jeder mit großen Träumen und Zielen, die sich in einer sprühenden Kreativität und besonderen Vielfalt ausdrückt, andererseits ist der Konkurrenzdruck groß, sind die Lebenshaltungskosten enorm.

Nach einem Jahr in den USA bricht er nach Asien auf, zieht in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Dort erfährt Moreen mit seiner Musik, einer Fusion aus modernen Jazz Elementen aus Folk, Singer-Songwriter und Indie-Pop, großen Zuspruch.

Bei einem Festival mit 50.000 Besuchern gespielt

Er startet eine erste eigene Tournee, gibt Konzerte in Taiwan, dort beim Taichung Jazz Festival mit 50.000 Besuchern, Malaysia und Singapur. „Das Publikum in Asien ist jünger“, sagt Julian Moreen, dessen atmosphärischer Musikstil, sein virtuoses Klavierspiel und seine einfühlsame, oft melancholische Stimme den Nerv seines asiatischen Publikums trifft.

New York City, Taipeh und jetzt Lörrach? Julian Moreen lacht. Er habe immer schon Fernweh gehabt, in das sich aber stets Heimweh mischte. Es gebe viele Dinge, die er von Taiwan und den USA vermisse, gleichzeitig vieles, dass er am Dreiländereck schätze. Der direkte Zugang zur Natur und die gute Luft, das sei etwas Besonderes, sagt Moreen. Auch kulturell passiere hier vieles. Für ihn biete das Dreiländereck gute Entwicklungsmöglichkeiten, grade mit der Nähe zu Basel, dessen musikalische Qualität er sehr schätzt.

Ohne zu zögern zugesagt

Als Richard Geppert anfragte, ob er die Leitung von Kulturo Rümmingen übernehmen wolle, schloss sich für ein Kreis. Julian Moreen sagte ohne zu zögern zu. Ein Projekt mit eigener Note weiterzuführen, darin liege der besondere Reiz für ihn. Hier dürften Musiker sich ausprobieren, auch gerne mal ein Risiko eingehen.

Demnächst erscheint sein neues Album, er knüpft Kontakte, komponiert und unterrichtet. Ein wichtiges Element in seiner Musik spielt das Storytelling: „Wenn man ein Lied als Gedicht lesen kann, dann ist mir textlich der ultimative Song gelungen“, bringt es Julian Moreen auf den Punkt.

Wie sich das anhört, ist beim Eröffnungskonzert der Kulturo-Reihe „Kultur in der Kapelle“ am Sonntag, 19. April, 18 Uhr, in der Kapelle am Rümminger Friedhof zu hören. Der Eintritt ist frei.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.julianmoreen.com.