Das Gesangsensemble „callia blu“ sorgte für wohlig-poetische Weihnachtsstimmung in der Kapelle am Friedhof. Foto: Silke Hartenstein

Mit „What Child Is This?“ brachte das Ensemble „callia blue“ wohlige Weihnachtsstimmung in die Kapelle am Friedhof in Rümmingen.

An diesem kalten Winterabend versammeln sich viele Menschen bei heißen Getränken vor der Kapelle, bis eine Frau in Schwarz, eine leuchtende Lampe in der Hand, die Botschaft von Friede, Freude und Liebe verkündet. Drinnen angekommen, wirbeln Schneeflocken über die Großleinwand.

 

Der Hamburger Regisseur Zapo Schwalbe und Kulturo-Programmchef Richard Geppert haben ihre Adventsproduktion aus 2023 „What Child Is This?“ weiter geschrieben und neu inszeniert, samt wechselnder atmosphärischer Bilder, einer Lichtshow, die Sänger und Sängerinnen in immer neues farbiges Licht hüllt, und der kongenialen Begleitung durch Keyboarder Cornelius Schock sowie Schlagzeuger und Percussionist Daniel Schwenger.

Die Rahmenhandlung: Ein Mann (Solist Darius Merstein) findet aus einem Traum nicht mehr heraus. Immer wieder erscheint ihm ein Licht aus den Weihnachtsfesten seiner unbeschwerten Kindertage, dem er verzweifelt hinterher rennt. Erzählt wird die poetische Geschichte von Janine Geppert.

Traditionell und modern

Die Hauptrolle an diesem Abend spielen jedoch das Gesangsensemble „callia blu“ unter Dirigent Richard Geppert und, mit Darius Merstein und Nadja Weis, zwei Solisten mit großen Stimmen. Auch das 2018 von Geppert gegründete Ensemble setzt sich zusammen aus sehr guten Sängerinnen und Sängern. Mit perfekter Intonation, Einsätzen, Dynamik und Ausdruck formen die Sänger einen großen homogenen Klangkörper, der die Zuhörer in der bestens besetzten Kapelle immer wieder mitreißt.

Von traditionellen bis zu modernen Weihnachtsliedern, englischen Christmas Carols und Klassikern aus Swing und Pop hat Geppert die Lieder neu arrangiert und teils neu getextet. Und so führt der Chor durch eine wunderbar wandelbare Weihnachtswelt – natürlich ohne Notenblätter, was sehr lebendigen Gesang und ausdrucksvolle Mimik und Gestik ermöglicht. So wird etwa der „Little Drummerboy“ pantomimisch mit wirbelnden Trommelschlägen unterlegt.

Einen starken Moment schaffen die Frauen, als sie mit großer Innigkeit, die Hände in magisch anmutender Geste gereckt vor dem Großbild eines Dorngesträuchs, „Maria durch ein Dornwald ging“ aufführen. Als dann Solistin Weis mit viel Soul in der Stimme und „Help me be strong“ ihr Leid beklagt, legen alle ihre dunklen Kutten ab und präsentieren sich in lichten Farben. Von da an geht’s aufwärts für den Träumer, der sich erstmals traut, die ihn umgebenden Menschen zu berühren.

Alle finden zusammen

Bald darauf finden Mersteins „What a wonderful world“ und Weis’ „Christmas song“ zusammen, erst abwechselnd, dann zur harmonischen Einheit verschmelzend. Zu guter Letzt wird der Träumer mit Umarmungen vom Ensemble aufgenommen, und auch die Zuhörer finden, LED-Kerzen schwenkend, beim Mitsingen von „Stille Nacht“ zusammen. Lächelnd und Hände schüttelnd gehen die Musiker durch den Zuschauerraum, bis sie sich mit einem freudig-swingenden „Deck the halls with boughs of holly“ verabschieden, gefolgt von lang anhaltenden stehenden Ovationen. Draußen, wo Glühwein- und Punschtöpfe dampfen, hört man immer wieder: „Schön war’s.“