Der Bürgerturmplatz soll künftig weiter in den Fokus des kulturellen Lebens treten und nicht nur – wie „vor Corona“ bei Weihnachtsmärkten Beachtung finden. Foto: Kistner

Konzeptionen kann eine Stadt nie genug haben – jetzt soll Albstadt auch eine "Kulturkonzeption" bekommen. Eine ungefähre Vorstellung davon, was auf sie zukommt, erhielten die Albstädter Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung.

Im Schnelldurchlauf skizzierte Christoph Thoma von der Agentur Culturelab aus dem vorarlbergischen Bludenz das Programm des nächsten Jahres. Thoma und seine Mitstreiter haben schon ganz anderen Kalibern als Albstadt kulturkonzeptionell auf die Sprünge geholfen; unter seinen Kunden waren das Elbflorenz Dresden, Chemnitz, die Europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2025, und die ostwestfälische Universitätsstadt Bielefeld. Aber letztlich, erklärte er, spiele es keine Rolle, ob groß oder klein; die Herausforderungen seien immer die gleichen: Kultur müsse zugänglich gemacht und vermittelt werden – ja, und finanziert werden müsse sie natürlich auch. Ohne Geld geht nichts.

Elf Monate Zeit

Potenzial liegt vor allem in Ebingen

Thoma hat sich in Albstadt – das heißt vor allem Ebingen – umgesehen und Potenzial entdeckt: die facettenreiche Museumslandschaft zum Beispiel oder die Blasmusik – drei Höchststufenorchester kann nicht jeder vorweisen. Die Schwächen sind ihm nicht entgangen, etwa, dass die Albstädter derzeit Probleme mit ihren Hallen haben, dass ihr Bildungszentrum ein Mauerblümchendasein in der Peripherie fristet und dass die zentrale städtische Flanier- und Einkaufsmeile und vor allem der zentrale Bürgerturmplatz belebter sein könnte, "bespielt" sein will – oder auch nicht, diese Option gebe es auch.

Doch ganz egal, was man anfange, man brauche ein Konzept dafür. Elf Monate gibt Thoma sich und den Albstädtern, um es zu erarbeiten. Was das bedeutet, dürfte diesen schon von früheren "Konzeptionen" her bekannt sein: Brainstorms, Workshops, Themengruppenarbeit.

Kulturbegriff ist weit gefasst

Christoph Thoma will Vertreter von Stadtverwaltung, Gemeinderat, Vereinen und Bürgerschaft an einen mehr oder weniger runden Tisch holen, und zwar regelmäßig, er will – im Juli – ins "Kulturlabor" einladen, und er will "Shakeholdergespräche" mit zehn Personen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen führen und dabei eruieren, wie eine "Stadt-Bühne" Albstadt aussehen und was man darauf für Stücke spielen könnte.

Lebenswelt der Menschen gestalten

Wobei sein Kulturbegriff – natürlich – ein weiter ist und nicht nur Kunst, Musik, Literatur umfasst, sondern alles, was der Mensch zur Gestaltung seiner Lebenswelt unternimmt, auch Architektur, Mode, Kulinarik, Sport und Festivitäten.

Wenn Thoma dann noch "Erlebniskultur" sagt, klingt das ein bisschen wie "weißer Schimmel" – die Albstädter dürfen gespannt sein, was sie mit ihm im kommenden Jahr alles erleben werden. Während der Pandemie müssten die Bürger ja nach kulturellem Leben in der Stadt mehr als dürsten.