Die Varieté-Gala zwischen den Jahren in der Kulturwerkstatt Simmersfeld sorgte für ein volles Haus, begeisterte Zuschauer und schwindelerregende Akrobatik.
Man könnte von einer runden Show bei der Varieté-Gala im Simmersfelder Fest.Spiel.Haus sprechen – im wörtlichen Sinn. Immerhin traten gleich drei der Künstler mit Reifen auf. Simples Hoola-Hoop? Weit gefehlt! Drei unterschiedliche Künstler, drei Aufführungen, drei völlig unterschiedliche Akrobatiken mit den Reifen.
Körpergroß war der Reifen, den Minja Kuitunen aus Finnland mit auf die Bühne brachte. Eindeutig keiner, den sie um ihre Hüften kreisen lassen könnte. Stattdessen stieg Kuitunen in den Reifen, mit Händen und Füßen gestützt zeigte sie beeindruckende Kunststücke, scheinbar mühelos hielt sie den Reifen unter Kontrolle, wirbelte, drehte und tanzte regelrecht zu einer mysteriös-orientalischen anmutenden Musik.
Schwungvoll ging es auch bei Annika Hakala zu: Mit bis zu dreißig Reifen gleichzeitig tanzte sie auf der Bühne, verwandelte sich in einen menschengroßen Treppenhüpfer, ließ die Reifen um ihre Arme, Beine und Körper kreisen. Auch Roni Heymo, ebenfalls aus Finnland, zeigte, was er mit Reifen so alles machen konnte. Jonglage natürlich, während sie am Boden rollten schlängelte er sich elegant durch die engen Runden.
Keine Reifen, aber dafür Muskulatur stellte Pinja Sepppälä – ebenfalls aus Finnland – zur Show. Auf einem winzigen Gestell turnte sie in Handstand und Spagat.
Die elegante Akrobatik bildete den einen Teil der Show – der andere war Lachen vorbehalten. Dabei machte Moderator Hans-Hermann Thielke, unter anderem bekannt aus der ARD-Satireshow „Intensivstation“, gar nicht den Eindruck, besonders humorvoll zu sein. Der Kabarettist trat im bieder-beigen Pullunder, Cordhose und strenger Brille auf – und sorgte für Heiterkeit beim Publikum.
Ob er nun über den (fehlenden) Spannungsbogen von „Der Mond ist aufgegangen“, Gendergerechtigkeit in gemischten Chören oder Künstliche Intelligenz referierte oder mit zu Boden schwebenden Seidentüchern jonglierte. Was ihn als Spaßmacher qualifiziert? Als er gehört habe, dass die Moderation lustig sein sollte, habe er sofort gesagt: „Da bin ich ihr Mann! Ich war ja über 40 Jahre bei der Post!“ erklärte er selbstbewusst.
Barbara Prost rutscht durch die Werbepause
Leider kann auch das Kulturhaus nicht ohne Sponsoren überleben, meinte Moderator Thielke. Deshalb bewarb Barbara Probst kurz vor der Pause die „formschöne“ und hoch exklusive Badewanne „Edouard“. Sie verspricht „Sicherheit durch eine einzigartig rutschfeste Oberfläche“. Das würde die Werbefrau aka Tänzerin aka Akrobatin allerdings wohl nicht mehr unterschreiben. Witzig und elegant zugleich rutschte sie entlang, auf und in der Badewanne und präsentierte eine Mischung aus Wasserschlacht – die erste Reihe blieb nicht ganz verschont – und akrobatischer Leistung zwischen Seife und Wasser.
Zwischen Witz und beeindruckender Darbietung bewegte sich der Schattenkünstler Drew Colby, Finalist bei „Das Supertalent“ 2021. Seine Finger verwandelten sich in Katzen, Vögel, Elefanten oder einen ganzen Zirkus. Die Tiere konnten singen, tanzen, sogar mit einem Rad auf einem Seil balancieren.
Ganze Geschichten wusste der junge Mann zu erzählen: Ein Kaninchen, das Möhren abknabbert, vom Fuchs gejagt wird, die Liebe findet (nicht vollständig jugendfrei) – oder ein Hund, der eine Katze jagt.
Regelrechten Ausdruck bekamen die Tiere – etwa durch sich bewegende Augen, Töne, Körperhaltung. John Lennons (Hände-)Schatten gab außerdem noch eine Darbietung von „Imagine“. Colby trat als einziger zweimal auf und verabschiedete das Publikum einem ganzen Aufgebot an Zoo- und Zirkustieren in den Abend und in das neue Jahr.