Mit vollem Körpereinsatz begeistern David Kaiser und Virginia Plain das Furtwanger Publikum. Foto: Ritter

Einen weiten und mit neun Stunden auch langen Weg hatten Kaiser und Plain hinter sich gebracht, um von der Hauptstadt Berlin ins Zentrum der Schwarzwälder Kultur, die Furtwanger Kulturfabrik, zu kommen. Im Gepäck hatten sie ihr Programm "Wir haben auch Gefühle".

Furtwangen - Und damit legten sie gleich mit Vollgas los. Obwohl, zuerst lamentierten sie, dass es doch nun endlich an der Zeit für einen Kleinkunstpreis für sie beide sei. Schließlich gäben sie ja immer alles auf den Bühnen, meinte David Kaiser leicht resigniert. Aber am Ende wären sie bei solchen Veranstaltungen ja doch immer die Letzten und müssten sich im Backstage betrinken, sangen sie dann. Vorwürfe, warum es nie klappen würde, warfen sie sich dann gegenseitig mit Schwung und vollem Körpereinsatz an den Kopf.

David Kaiser am Klavier sorgte für die richtigen Töne und die ironische Wortbegleitung für Virginia Plain, die sich an diesem Abend als echte "Rampensau" entpuppte. Optisch mit opulenter Frisur, aufgebrezelt im Glitzerkleid, begeisterte sie im Kontrast dazu auch mit Feinheiten in Wort und Ton die Besucher ein ums andere Mal.

Reise durch die Gefühlswelten

Gerne scharf an der Grenze zur derben Frivolität, machten sich Kaiser und Plain gemeinsam auf die Reise in die Gefühlswelten. Liebe, Eifersucht, Angst, Stolz, Hass, Melancholie – sie kannten keine Hemmungen und plauderten aus ihrem privaten Nähkästchen. Wunderbar und ungewöhnlich, was die beiden boten, ebenso wunderbar, wie ihr Anfang als Bühnenduo, lernten sie sich doch 2011 über Facebook kennen.

Auf den derben Witze-Säbel folgt feiner Florett-Humor

Klar, sie entsprechen nun wirklich keinem Klischee, aber ihr Programm spielt mit den Klischees in den Köpfen der Menschen. Mal mit dem Holzhammer, dann wieder weich und melancholisch. Auf derbe Witze mit dem Säbel folgt feiner Humor mit dem Florett. Virginia Plain erzählte aus ihrer erzgebirgischen Heimat, sächselte immer wieder aufs heftigste und freute sich, dass das Furtwanger Publikum sie trotzdem verstand. Auch David Kaiser durfte für ein Solo ans Mikrofon, wofür sich Virginia auf Knien bei ihm bedankte. Sie selbst wucherte in des Wortes Sinne mit ihren, auch schauspielerischen, Pfunden, war Kutscher und Schlachtross in einem, während ihr Partner am Klavier die musikalischen Zügel in Händen hielt. Eine tolle Stimme, die die lauten wie auch die ganz zarten Töne ins Publikum trug, die Zuhörer verzauberte und im nächsten Moment wieder gewaltig saukomisch alle auf den Boden zurückholte.

Sie singt vom französischen Liebhaber Jacques

Es ist ein wahrer Rausch der Emotionen, wenn sie von ihrem französischen Liebhaber "Jacques" singt. Dass der Chef des Hauses den gleichen Vornamen trägt, machte das Grinsen noch eine Spur breiter. Auch kleine Ausflüge ins Publikum bleiben nicht aus. Da wurde geflirtet, ein kahler Kopf geküsst, ein Glas leergetrunken – Begeisterung bei den Zuschauern und tosender Applaus waren der verdiente Lohn. Es war, so resümierten die Gäste am Ende, mal was ganz anderes, was ganz Tolles, eben Kaiser und Plain, die zu erleben der Besuch in der Kulturfabrik einfach lohnte.

Bernd Kohlhepp mit Weihnachtskabarett

Zum nächsten Termin in der Kulturfabrik am Freitag, 2. Dezember, legte Hausherr Jacques Barthillat den Freunden der Kultur Bernd Kohlhepp mit seinem Weihnachtskabarett als Geschenkoption auf den Gabentisch.