Einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt der Kabarettist Özgür Cebe in Furtwangen. Foto: Hans-Jürgen Kommert

Ozgür Cebe fesselte die Menschen in der Kulturfabrik mit Humor zu aktuellen Themen. Gekonnt spielt er mit Sprache und Mimik und regt zum Nachdenken an.

Ein in Bielefeld im „Ghetto“ geborener Türke mit armenischen und kurdischen Wurzeln, das ist der Kabarettist Özgür Cebe. Drei „Feinde“ lebten damit in seinem Körper, wie er selbst behauptet.

 

Mit seinem Programm „FREI!“, der wörtlichen Übersetzung seines Vornamens, sezierte Özgür Cebe in der ausverkauften Kulturfabrik mit dem scharfen Stilett der Meinungsfreiheit Themen der Kultur und Religion.

In der Waldorfschule sei er rausgeflogen, weil er angeblich die Doppelpunkte auf den Vokalen „Ü“ und „Ö“ nicht tanzen wollte. Harte verbale Kost, nicht immer ganz fein, dazu Kabarett, das in keine Schublade passt, versprach er. Dazu zeigte er sich auch durchaus recht sangesfreudig.

Freiheit geht nur mit Grenzen

Er sei froh darüber, in Deutschland leben zu dürfen: „Wir leben in einem freien Land. Wir können sagen, was wir denken, aber wir können nicht machen, was wir wollen. Freiheit ist nicht unbegrenzt, denn Freiheit hört da auf, wo andere dadurch in ihrer Freiheit eingeschränkt werden. Es gibt Grenzen“, sagte er deutlich. Diese Grenzen wünsche er sich auch bei Kindern – denn auch diese bräuchten sie. Und man könne ihn durchaus auch für Kindergeburtstage buchen.

Ein Gott mit Humor

Mit Pointen, die Grenzen sprengen, hinterfragt er aktuelle Themen der Digitalisierung, begibt sich auf die Suche nach dem Grund des Erfolgs der Populisten und für ihn ist klar: „Wenn es einen Gott gibt, dann hat er jede Menge Humor. Sonst hätte er uns nämlich nicht erschaffen.“ Zum Thema Kirche trug er bei, dass es Missbrauch auch bei Muslimen gegeben habe – „aber längst nicht so organisiert“.

Migrationshintergrund geschickt eingesetzt

Der mehrfach ausgezeichnete Kabarettist Özgür Cebe stellte seinen Migrationshintergrund durchaus nicht in den Vordergrund. Er verfüge über ein deutsches Betriebssystem, sei aber gefangen in einer orientalischen Hardware. Sein Kumpel Mehmet habe das Aussehen zu nutzen versucht, da er als Türke aber kaum bei Mädels landen konnte, habe er sich als „Latin Lover“ versucht, sei aber wegen eigener Dämlichkeit immer wieder auf die Nase gefallen. Auch in ihm selbst stecke - zumindest beim Fluchen - noch ein „Rest-Kanake“, ansonsten sei er erschreckend Deutsch.

Erschütternd sei für ihn, dass viele Menschen in der Vergangenheit lebten, andere in der Zukunft, aber kaum jemand im Hier und Jetzt.

Endgegner Alice Schwarzer, Alice Weidel und Alice im Wunderland

Seine Endgegner hießen Alice Schwarzer, Alice Weidel und Alice im Wunderland, daher werde er den „Maskulinismus“ gründen. „Man will uns glauben machen, dass wir in einem Patriarchat leben, dabei sind es die Männer, die unterdrückt werden auf ganz subtile Art“, stellte er fest.

Bleibender Eindruck

Cebe ist einer der Bühnenmenschen, die es auf humorvoll-nachdenkliche Weise schaffen, ihr Publikum zu fesseln. Dabei spielt er ganz bewusst mit seiner perfekten deutschen Sprache – manchmal gemixt mit prolligem „Türkenslang“ und einer dazu passenden Mimik, die seine schauspielerischen Fähigkeiten aufblitzen lässt – was er ursprünglich auch studiert hat.

In der Kulturfabrik hinterließ er jedenfalls bleibende Eindrücke. Man spürte – das Publikum war hin und weg.