„Es wird Veranstaltungen geben, die der Stärkung des Demokratiebewusstseins dienen!“ Das war eine der – vielen – guten Nachrichten beim kulturellen Neujahrsempfang, diesmal mit Geburtstagskind.
Kaum ist sie Hausherrin des Maschenmuseums und Gastgeberin beim Kulturellen Neujahrsempfang des Kulturamts Albstadt, kommt für Julia Brockmann noch ein Grund zum Feiern dazu: Tags zuvor hatte sie Geburtstag, und Pianistin Oksana Stechyshyn ließ es sich nicht nehmen, ein Ständchen anzustimmen.
Geburtstag feiert 2025 auch die Stadt Albstadt, ihren 50., und das Programmheft umfasst nicht weniger als 48 dicht bedruckte Seiten. Dass die meisten der Kulturschaffenden, die das Jubeljahr zum Fest machen, aus der Albstädter Kulturszene kommen, freut Oberbürgermeister Roland Tralmer – und macht ihn auch gehörig stolz: Albstadt müsse sich nicht hinter anderen, die auf Großveranstaltungen mit Stars setzten, verstecken. Anders als diese „setzen wir darauf, was die kreativen Köpfe mit ihrer Schaffenskraft vor Ort auf die Beine stellen“.
Was genau das ist, stellte Martin Roscher, Leiter des Amts für Kultur, Tourismus und bürgerschaftliches Engagement, vor und gab außerdem bekannt, dass Prisca Hille, bisher Inhaberin der Projektstelle „50 Jahre Albstadt“, nun fest im Kulturamt angestellt sei. David Testa löst sie als Schnittstelle für alle Jubiläumsaktivitäten ab.
Roscher warb aber auch für die junge Kulturreihe #kulturundso vom 24. Oktober bis 2. November, für den Bandsommer vom 31. Juli bis 16. August und für die Teilnahme am Runden Tisch Kultur am 8. Oktober.
Im Herbst öffnet sich die Schatzkiste
Julia Brockmann, die neue Leiterin der „Kultur-Museen“ Albstadt – den Museen hat sie eine Spezifikation hinzu gefügt – ist jetzt schon hingerissen „von der Vielfalt und Bandbreite“ der Häuser und will „den Albstädtern diese Besonderheiten in einer Ausstellung gegen Ende des Jahres zeigen. Ihr Titel ist Programm: Schätze aus den Kulturmuseen. Außerdem warb sie für die lange Nacht der Museen am 21. März.
An der sich natürlich auch das Kunstmuseum Albstadt beteiligt. Dessen Direktor Kai Hohenfeld bereitet mit seiner Kollegin Melanie Löckel und dem Team gerade die große Zwei-Phasen-Ausstellung „Otto Dix – Alpha Omega“ vor. Dass ein ziemlich aufwendiger Katalog mit dem Verzeichnis des kompletten Bestandes dazu erscheinen wird, war die eine gute Nachricht, zumal das Kunstmuseum Albstadt den weltgrößten Bestand von Dix-Arbeiten auf Papier besitzt. Die anderen beiden: Begleitend werde es „Veranstaltungen geben, die der Stärkung des Demokratiebewusstseins dienen“, und im Katalog werde sich eine kritische Neubewertung der Biografie, der Persönlichkeit und des Wirkens von Alfred Hagenlocher finden.
An der Aura seines ersten Vorgängers zu kratzen, dazu hatten bisher nur wenige den Mut – trotz dessen nationalsozialistischer Vergangenheit. Hohenfeld hat ihn. Und so schloss sich der Kreis zu Roland Tralmers Aufruf, nicht nur den Kriegen dieser Zeit, sondern auch der Aggressivität in der Gesellschaft entgegen zu treten. Zum Beispiel mit Kultur.
Oksana Stechyshyn und Bohdana Schibarew, taten es mit Musik – mit wunderschöner Musik –, und nach den Führungen von Brigitte Ammann durch ihre Sonderausstellung und Tim Delle durch die Dauerausstellung war am reichhaltigen Buffet des „Valentino“-Teams Zeit zum Netzwerken – davon machten die Musiker, Künstler, Gastronomen und sonstigen Kulturinteressierten reichlich Gebrauch.