Die Klosterkirche Rangendingen, ein bedeutendes Kulturdenkmal in der Region, wurde in den letzten zweieinhalb Jahren umfassend restauriert. Nun ist sie eröffnet.
Nach fast dreijähriger Sanierung öffnete die Klosterkirche Rangendingen am Wochenende wieder ihre Türen. Mit einem adventlich angehauchten Orgelkonzert am Samstagabend und tags darauf mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde die Wiedereröffnung des historischen Gotteshauses gefeiert – ein Ereignis, das zahlreiche Besucher aus der Gemeinde und der Umgebung anzog.
Lob und Dank
Zur Wiedereröffnung hatte sich der Förderverein als Gastgeber ein eher schlicht gehaltenes Programm gewünscht. Einziger Redner war der Hausherr, Bürgermeister Manfred Haug, selbst. Als Ehrengast hieß er zur Musikveranstaltung Landrat Günther-Martin Pauli willkommen. Haugs Lob und Dankeschön galt zunächst den zahlreichen Handwerkern und Restauratoren. „Chapeau, es ist Ihr Werk, das wir heute bewundern dürfen“, sagte Haug.
Doch zwei Personen wollte der Rathauschef besonders hervorheben: Restaurator und Bauleiter Daniel Dieringer von Holzbau Dieringer, Rangendingen, und Ortsbaumeister Jürgen Dieringer. Die beiden hätten sich permanent in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden und den Handwerksleuten in vorbildlicher Weise dafür verantwortlich gezeigt, „dass wir heute die Kirche wieder öffnen dürfen.“
Konzerte und Lesungen
Haug: Das barocke Kirchlein möge mit Leben erfüllt werden und ein Ort der Begegnung, der Besinnung und des Miteinanders bleiben. Denn die Gemeinde plant, das Gotteshaus künftig verstärkt für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen – von kleineren Konzerten über Lesungen bis hin zu Ausstellungen. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Sanierung und Modernisierung sei für alle Beteiligten ein „echtes Herzensprojekt“ in Erfüllung gegangen, so Haug. Von Beginn an habe man gemeinsam mit dem Gemeinderat an einem Strang gezogen. Haug: „Man war sich einig, dass an der umfassenden Sanierung kein Weg vorbeiführt.“
Gott sei Dank habe es keine bösen Überraschungen gegeben. Wegen den neu installierten Infrarotheizungen dürften die mit Korallenschwämmen aufwendig gereinigten Innenwände nicht mehr so schnell schmutzig werden, ist der Schultes überzeugt.
1,8 Millionen Euro
Rund 1,8 Millionen Euro habe das Projekt gekostet. Weit über die Hälfte der Kosten kann mit Geld aus verschiedenen Fördertöpfen finanziert werden. Nicht unerwähnt ließ das Gemeindeoberhaupt die vielen beim Förderverein eingegangenen Geldspenden von Firmen, Vereinen, Organisationen und Privatleuten.
„Es ist beeindruckend zu sehen, wie durch gemeinsames Engagement, Tradition und Zukunft miteinander verbunden werden können. Ich freue mich, dass die Klosterkirche ein lebendiger Mittelpunkt unserer Gemeinde bleibt“, so Haug. Bis Frühjahr 2026 sollen auch der Aus- und Umbau und die Sanierung des Rathauses abgeschlossen sein.
Präzision und Leidenschaft
Walter Hirt, ein gebürtiger Rangendinger und ehemaliger Kirchenmusikdirektor der Diözese Rottenburg-Stuttgart, spielte anschließend ein einstündiges grandioses Orgelkonzert. An seiner Seite: Annette Klaiss vom örtlichen Musikverein mit der Oboe. Mit acht völlig unterschiedlichen Werken (auch Weihnachtliches), begeisterte der Freudenstädter an der generalüberholten Stehle-Orgel die Zuhörer. Der 65-Jährige zeigte ein feines Gespür für barocke Klangmöglichkeiten des Instruments mit technischer Präzision und musikalischer Leidenschaft.
Als erstes erklang der dreisätzige Orgelklassiker „Concerto del Signor Vivaldi“ in der Bearbeitung von Johann Gottfried Walther, wo die virtuose Eleganz zum Ausdruck kam. Besonders im Adagio zeigte sich die ganze Tiefe der Orgel, während die schnellen Passagen des Allegro das Publikum mitrissen.
Ein besonderes Stück stellte das „Anonymus“ aus dem Rangendinger Orgelbuch aus dem 18. Jahrhundert dar, das von einer Dominikaner-Ordensschwester herausgebracht wurde, die selbst Orgel spielte und komponiert hat. Das Original-Orgelbuch weist Wasserschäden auf. Es sei ziemlich lädiert und befinde sich im Gemeindearchiv, so Hirt, der die teils schwer lesbaren Noten in Reinschrift erfasst hat.
Freude und Staunen
Den ökumenischen Gottesdienst am Sonntag gestalteten Pfarrer Frank Steiner von der evangelischen Kirchengemeinde und Diakon Ralf Rötzel. Pfarrer Norbert Dilger war krankheitsbedingt verhindert. Steiner äußerte seine Freude darüber, dass das Kirchlein ab sofort wieder für Gottesdienste zur Verfügung steht. Im März 2019 habe darin der letzte Gottesdienst stattgefunden. Hervorragend besucht war der Advents-Kaffeenachmittag im Gemeindehaus, bei dem der Förderverein Klosterkirche bewirtete.
Landrat Günther-Martin Pauli würdigte im Gespräch mit unserer Redaktion das bürgerschaftliche Engagement. „Da kann man nur staunen.“ Alles sei hochkarätig wieder hergestellt worden. Walter Heilig, Vorsitzender des Fördervereins, äußerte sich ebenfalls vollauf zufrieden. An eine Vereinsauflösung sei noch nicht gedacht. „Nur wenn es von Seiten der Mitglieder ausdrücklich gewünscht wird, machen wir das.“ Über 50 000 Euro Spenden hat der Förderverein bereits gesammelt.