Chansons, Humor und leise Melancholie: In der Szene 64 in Schramberg präsentierte Michael Zalejski eine Hommage an Reinhard Mey und ließ viele Erinnerungen lebendig werden. Foto: Dorn

Mit Liedern wie „Über den Wolken“ erinnerte Michael Zalejskian Reinhard Mey und nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise.

Ein Abend mit Chansons von Reinhard Mey stand am Samstag in der „Szene 64“ auf dem Programm. „Ich wollt’ was von Reinhard singen“, bekannte Michael Zalejski dem erwartungsvollen Kulturbesen-Publikum freimütig. Wer eine Parodie befürchtet hatte – immerhin zählt Zalejski auch Impro-Comedy zu seinen Talenten – wurde mit einer wunderbaren Hommage an den großen deutschen Liedermacher belohnt. Ob eine solche Huldigung auch mit Klavier statt mit Gitarre funktionieren könne, räumte Zalejski gleich zu Beginn des Konzerts mit dem Hit „Über den Wolken“ aus.

 

Die Vorteile der Gitarre in der begleitenden Beiläufigkeit zulasten der Liedtexte machte er mit virtuosem Klavierspiel, lange nachhallenden Schlussakkorden und kleinen Improvisationen mehr als wett.

„Sei wachsam“ auch im Programm

Zalejski präsentierte eine wohltemperierte Stückauswahl aus dem Mey’schen Œuvre. Satirische Betrachtungen der Widrigkeiten des Alltags standen neben balladesken Liebesliedern, verklärten Kindheitserinnerungen und einigen raren Beispielen des „politischen“ Liedermachers Reinhard Mey. Den Sprechtext „Sei wachsam“ hatte Zalejski auf Bitten der Veranstalter ins Programm aufgenommen – die eindringlichen Zeilen haben auch drei Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung nichts von ihrer Aktualität verloren.

Von Beginn an nahm sich Zalejski die Zeit, jedes Mey-Chanson kurz anzumoderieren. Damit eröffnete er eine philosophische Meta-Ebene, die zur Mitte des Konzerts mit den „Drei Stühlen (Tris Karekles)“ ihren Höhepunkt fand: ein Pianist, der einen Liedermacher spielt, der in einem deutschen Chanson eine Strophe auf Griechisch singt – Meys intellektuelle Antwort auf die „Griechischer Wein“-Seligkeit des deutschen Schlagers.

Wohlige Gänsehaut

Spätestens jetzt stellte sich bei vielen Mey-Fans eine wohlige Gänsehaut ein. Zalejski verstand es, diese Stimmung mit vielen weiteren musikalischen Kostbarkeiten aufrechtzuerhalten – mehr kann man von einer Hommage an einen Künstler kaum erwarten.

Für lautes Mitsingen sind die Mey’schen Texte zu komplex, doch leises Mitsummen war natürlich erlaubt: etwa bei den „Männern im Baumarkt (während draußen die Frau parkt)“, den ruhigen Chansons „Zeugnistag“ und „Viertel vor sieben“, dem tragischen Liebesdrama „Irgendein Depp mäht irgendwo immer“ oder dem stimmungsvollen „Komm, gieß’ mein Glas noch einmal ein“.

Nach großem Beifall für den gelungenen Abend voller Erinnerungen an Reinhard Mey entließ Zalejski sein Publikum mit der Zugabe „Gute Nacht, Freunde“ schließlich in die Schramberger Nacht.