In Emmingen und auch in Gündringen/Schietingen hielt einst die Nagoldtalbahn. Forderungen nach einer Reaktivierung gibt es schon lange. Doch getan hat sich nichts. Das soll sich ändern.
Die SPD Nagold versucht, neuen Schwung in das Thema zu bringen. Die Rats-Fraktion stellte einen Antrag. Wobei die Forderung nicht wirklich wuchtig ist: Man will eben wissen, welche Bemühungen von der Stadt zur Schaffung der zwei Haltestellen unternommen wurden. Und welche Ergebnisse oder Aussichten daraus resultieren.
Zur Begründung blickt die SPD auf die jüngere Geschichte der Kulturbahn zurück. Denn es gab durchaus eine Zeit, in der rund um Nagold neue Haltestationen eingerichtet werden konnten.
Drei der fünf Stationen wurden auch verwirklicht
Fünf Stationen waren laut SPD damals im Vorfeld der Landesgartenschau 2012 in der Debatte für eine Eröffnung – und drei davon sind auch tatsächlich neu ans Schienennetz gegangen: der Haltepunkt am Steinberg, die Haltestelle in Iselshausen und der Haltepunkt Nagold Stadtmitte.
Emmingen und Gündringen/Schietingen standen zwar auch auf der Liste, wurden aber nicht verwirklicht. Die Begründung, so die Erinnerung der SPD: Mehr Haltepunkte konnten aus Zeitgründen nicht in den integralen Taktfahrplan integriert werden.
„Bereits damals – also vor nunmehr über 15 Jahren – wurde in Aussicht gestellt, dass bei zukünftigen Beschleunigungen der Strecke erneut über weitere Haltepunkte gesprochen werden könne“, wird SPD-Stadträtin Daniela Steinrode in einer Pressemitteilung der Fraktion zitiert. Die SPD ist der Überzeugung: Die Voraussetzung ist mittlerweile erfüllt.
Die SPD sieht den Zeitpunkt für Gespräche gekommen
„Die Kulturbahn legt die Strecke Pforzheim-Horb um gut zehn Minuten schneller zurück“, behauptet die SPD in ihrem Antrag. Nach „Auskunft von Fachleuten“ würde das gut für zwei Halte ausreichen. Der Zeitpunkt für die avisierten Gespräche sei somit „mehr als erreicht“.
Dabei gehen die Sozialdemokraten auch von einer Verbesserung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses aus, wenn zwei zusätzliche Zu- und Ausstiegspunkte angeboten werden können.
Der OB erklärt: „Stets bei allen Varianten mitbetrachtet“
In der Sache liegen die SPD und Nagolds Verwaltungsspitze gar nicht weit auseinander. Wobei Nagolds OB Jürgen Großmann eben eher auf das große Ganze setzt. „Das Thema möglicher zusätzlicher Haltepunkte in Emmingen sowie Gündringen/Schietingen ist im Rahmen der bisherigen Untersuchungen zur Verbesserung der Schienenanbindung der Stadt Nagold stets bei allen Varianten mit betrachtet worden“, heißt es in der vom OB unterzeichneten Antwort der Stadtverwaltung.
Das gilt sowohl für die Varianten einer Schienenverbindung zwischen Nagold und Herrenberg als auch für die Nutzung der MEX-Strecke Nagold-Hochdorf-Eutingen. Die „potenziellen Haltepunkte“ flossen jeweils in die Untersuchungen ein. „Allein schon deshalb, weil diese mit hoher Wahrscheinlichkeit zu mehr Fahrgastzahlen führen werden“, heißt es unter anderem in der Antwort von OB Großmann.
Großmann will noch Untersuchungen abwarten
Isoliert betrachtet wurden die neuen Haltepunkte allerdings nicht, sondern „stets im Zusammenhang mit einer Gesamtbetrachtung der möglichen Schienenanbindungen“. Nagolds OB empfiehlt in der Antwort, „zunächst die Gesamtergebnisse der laufenden Untersuchungen abzuwarten.“ Unter anderem wird auf eine von der Stadt beauftragte Untersuchung verwiesen, aber auch auf „weitere großräumige verkehrliche Analysen“ und Überlegungen zu Systemlösungen der Landkreise Böblingen und Calw.
Zum Zeitplan heißt es in der Antwort der Verwaltung, dass im Laufe des Jahres vorgesehen sei, die Ansätze zusammenzuführen und zu bewerten. Auf dieser Grundlage soll dann weiter entschieden werden.
Dabei macht Großmann deutlich, dass grundsätzlich auch die Möglichkeit bestehe, die Haltestellen separat zu betrachten und voranzutreiben – zumindest, wenn dies nach den Bewertungen sinnvoll erscheint.
Geht das Thema noch vor Ostern in den Gemeinderat?
Und auch Nagolds OB sieht in diesem Zusammenhang als von entscheidender Bedeutung, ob bei der Kulturbahn ausreichend Zeiträume für zusätzliche Haltepunkte vorhanden sind.
Nagolds OB geht davon aus, dass sich der Gemeinderat noch vor Ostern mit der Thematik befasst. Aus dieser Beratung könnten gegebenenfalls weitere politische Initiativen und Arbeitsaufträge abgeleitet werden.