Seit geraumer Zeit steht das Gerüst an der Überführung über den Tälesbach in Hirsau. Foto: Thomas Fritsch

Die „Bahnüberführung“ über den Tälesbach ist seit Jahren eingerüstet. Dabei tut sich dort offenbar nichts. Dem ist allerdings nicht so: Die Brücke muss ersetzt werden.

Das Gerüst steht und steht und steht: Die Eisenbahnbrücke in Hirsau, am Ortsausgang in Richtung Calw, ist eingerüstet, und dies seit Langem. Immer mal wieder sieht man Arbeiter auf der Konstruktion, das allerdings selten. Warum also steht an der Brücke, über die die Strecke der Kulturbahn verläuft, dauerhaft ein Gerüst?

 

Diese Frage lässt sich mit der Vergangenheit und der Zukunft des Bauwerks beantworten. Zunächst einmal bestätigt eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) aber, dass die Metallkonstruktion bereits 2022 angebracht wurde.

Gerüst ist in Gewölbe eingebaut

„Man hat das Gerüst in das Gewölbe eingebaut.“ Grund dafür sei die topographische Lage der Brücke. Diese führt über den Tälesbach und steht, etwas zurückgesetzt von der Bundesstraße, am Hang. Die Eisenbahnüberführung, wie es im Bahnsprech heißt, ist damit nur schwer zugänglich.

Die DB inspiziert den Zustand ihrer Bauwerke regelmäßig. Bereits bei einer Inspektion 2016 wurde festgestellt, dass die Tälesbach-Brücke in die Jahre gekommen ist. Sie stammt laut der Sprecherin von 1874, steht aber trotzdem nicht unter Denkmalschutz. Die Lebenszeit von Brücken betrage etwa 100 Jahre, dann müssten sie ersetzt werden. „Das ist 2028 so weit“, erklärt die Pressesprecherin.

Kleinere Instandhaltungsmaßnahmen finden bis dahin noch statt, aber am Ende läuft es auf einen Neubau der Eisenbahnbrücke in Hirsau hinaus. Für solch eine Brückenerneuerung seien sieben Jahre Vorbereitung nötig. „Das ergibt sich einfach aus den Vorgaben“ und den unterschiedlichen Leistungsphasen, erklärt die Sprecherin.

Um eben diese Vorarbeiten vornehmen zu können, genauso wie für bis zum Neubau anfallende Instandhaltungsmaßnahmen, bleibt das Gerüst stehen. Vermessungsarbeiten und Baugrunduntersuchungen beispielsweise hätten bereits stattgefunden.

Wie teuer der Brückenneubau wird, das lasse sich in der jetzigen Planungsphase noch nicht sagen. Nach derzeitigem Stand will die Bahn mit dem Bau im Januar 2028 beginnen, die Fertigstellung der Brücke ist im Dezember desselben Jahres geplant.

Genaue Auswirkungen auf Kulturbahn noch unklar

Was sich noch nicht genau sagen lässt, das ist, wie groß die Auswirkungen auf den Bahnverkehr sein werden. Eines allerdings deutet sich bereits an: Auswirkungen haben wird es. Langwierige.

Denn zwar berichtet die Sprecherin, dass es üblich ist, dass neue Brücken parallel neben bestehenden errichtet und dann innerhalb kurzer Zeit an ihren Platz „eingeschoben“ werden. Allerdings ergänzt sie mit Blick auf die Hirsauer Tälesbach-Brücke: „Das klappt mit Parallel-Errichten nicht.“ Die topografische Lage sei schwierig. Mit einer nur kurzen Sperrung der Kulturbahnstrecke dürfte es folglich nicht getan sein. „Wir gucken, dass wir die Einschränkungen so gering wie möglich halten“, sagt die Sprecherin dennoch. „Wir reden von Wochen, nicht von Monaten.“ Und womöglich noch von zusätzlichen Wochenenden, an denen die Strecke gesperrt ist. Aber bis dahin ist es ja noch eine Weile hin.