Seine Leidenschaft für Kultur sprudelt beim Gespräch, das er im Theater am Ring mitten auf der Bühne originell inszeniert, regelrecht aus ihm heraus: Lutz Schwarz ist Leiter des Amtes für Kultur in Villingen-Schwenningen. Foto: Heinig

Kultur ist für ihn nicht nur Unterhaltung, sondern "die Auseinandersetzung mit dem Leben". Sich ihr als Theaterleiter in einem Mehrspartenhaus widmen zu dürfen, das war für Lutz Schwarz ein Ziel, das er in der Jubiläumsstadt Villingen-Schwenningen erreichte.

Villingen-Schwenningen - Wenn an diesem Samstagabend im Villinger Spitalgarten das Jubiläumsjahr der Stadt mit einem großen Zapfenstreich verabschiedet wird, dann geht auch für Lutz Schwarz ein außergewöhnliches Jahr zu Ende.

Im April übernahm er die Kulturamtsleitung von seinem Vorgänger Andreas Dobmeier. Als erste Aufgaben erwarteten ihn ein Jubiläumsjahr mit rund 50 Veranstaltungen sowie die Rückführung des Pandemie- in einen geregelten Kulturbetrieb. Ein herausforderndes Programm, das er und seine rund 50 Mitarbeiter auf 25 Vollzeitstellen nur mit zusätzlichem Engagement bewältigen konnten. Denn auch im Amt für Kultur sind viele Aufgaben auf wenigen Schultern verteilt.

In Verden geboren

Lutz Schwarz wurde vor 52 Jahren im niedersächsischen Verden an der Aller als eines von sieben Kindern geboren. Nach Abitur mit Musik und Französisch als Schwerpunkte studierte er zunächst Rechtswissenschaften in Passau und als DAAD-Stipendiat im französischen Angers.

Von der Justiz in die Welt der Kultur

Doch Jura war nicht seine wirkliche Leidenschaft. Bei einem Praktikum im fürst-bischöflichen Opernhaus Passau durfte er bei einer Operninszenierung hospitieren. "Da war es um mich geschehen", erinnert er sich und lacht. Nach dem Grundstudium zog es ihn unwiderruflich in die Welt der Kultur und er lernte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg die Kunst der Regie von Musiktheatern. Seine Leidenschaft dafür sprudelt beim Gespräch, das er im Theater am Ring mitten auf der Bühne originell inszeniert, regelrecht aus ihm heraus.

Musiktheater ist keine Hochkultur

Musiktheater sei beileibe keine Hochkultur für Eliten, vielmehr für alle eine Reflexion über das Leben, findet er. Die Betrachtung unter welchen Bedingungen wir wie leben, sei doch niemandem fern, sondern jedem Menschen ein Anliegen und genau das spiegle sich auf der Bühne wider.

Zusammenhalt ist wichtig

Und in der momentanen Zeit brauche die Gesellschaft diese Betrachtung besonders. "Sie kann zeigen, dass wir vieles als Gesellschaft schaffen, auch mal stolz auf uns sein können, aber uns auch weiterentwickeln müssen", sagt Lutz Schwarz und ist davon überzeugt, dass "wir schon viel geschafft haben und deshalb gehen wir auch nicht unter". Zusammenhalt sei schließlich die Kraft, die es möglich mache, auch die derzeitigen Krisen zu überstehen. Jeder Mensch werde einzeln geboren und sterbe einzeln, "dazwischen aber ist Gemeinsamkeit". Ein Kompliment spricht er dazu dem Publikum aus, das er in VS angetroffen hat. "Die Leute hier hören aufeinander – das ist für mich der Schlüssel zu einer guten Zukunft."

Spielleitung an namhaften Häusern

Nach dem Studium und einigen Lehraufträgen übernahm Lutz Schwarz die Spielleitungen an namhaften Häusern in Münster, Erfurt und Nürnberg. Außerdem wurde er immer wieder als szenischer Leiter für internationale Produktionen angefragt. Seine Wege führten ihn dabei nach Florenz und Bordeaux, nach Toulouse, Belfast, Dublin und Monte Carlo – und 2008 ins finnische Savonlinna zum größten skandinavischen Opernfestival. Dort lernte er seine spätere Frau kennen, eine Opernsängerin und gebürtige Japanerin. Mit ihr hat er eine Tochter.

Von Magdeburg nach VS

Ab 2012 war Lutz Schwarz koordinierender Spielleiter am Staatstheater Nürnberg, bildete sich nebenbei zum Musik- und Theatermanager an der LMU in München weiter und war Referent der Generalintendanz in Magdeburg, bevor er in VS das Kulturamt übernahm.

Plus für VS

Für die Baden-Württemberg-Stadt habe er sich trotz einer weiteren Zusage entschieden, weil er hier eine außergewöhnliche Vielfalt mit Mehrsparten-Theater, Konzerthaus, Veranstaltungshalle, vielen Kulturvereinen und vor allem auch den Willen zur Kulturförderung vorfand.

Nächste Spielzeit im Blick

Gerade steckt Lutz Schwarz in Verhandlungen für die nächste Spielzeit. Die anstehende Sanierung des Theaters am Ring, ein durch die Inflation verknapptes Budget und Einspardebatten machen ihm seine Arbeit nicht gerade leicht. In einem ersten Schritt werde er Programmkürzungen erwägen, um Ausgaben einzusparen, keine Option sei für ihn derzeit aber, die Einnahmen, sprich: Eintrittspreise, zu erhöhen. "Die Menschen verdienen ja nicht mehr, sie sollen sich in VS aber Theater leisten können", argumentiert er und zeigt sich entschlossen: "Ich möchte, dass unsere Häuser Gemeinschaftsorte bleiben".

Vielfalt der Gruppen

Die Vielfalt der Zielgruppen liegt ihm am Herzen. Die will er auf keinen Fall aufgeben, sucht im Gegenteil nach immer neuen kulturellen Themen, um den "sozialen Zusammenhalt zu stärken". Allerdings sei es ihm bange um die darstellenden Künstler, die seit der Pandemie mit Umsatzeinbrüchen um 80 Prozent zurechtkommen müssen. Viele von ihnen haben bereits aufgegeben.

Leidenschaftlich gerne Gastgeber

"Vielfältig und miteinander statt gegeneinander, bunt und abwechslungsreich" – diesen Anspruch hat Lutz Schwarz nicht nur an eine kulturelle Stadt, sondern auch an seine Arbeit dafür. Daher freut er sich darauf, im Nach-Jubiläumsjahr mehr Zeit dafür zu finden, die Menschen und die Vereine in VS noch besser kennenzulernen. Und darauf, auch mehr für seine Familie, seinem Hobby der Fliegerei und auch für Freunde da sein zu können, denn "ich bin leidenschaftlich gerne Gastgeber".