Saleem Ashkar am Klavier beim Konzert der Württembergischen Philharmonie Reutlingen. Foto: Susanne Heinrich

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen gastierte im Konzerthaus und begeistert die Zuhörer.

Einen guten Griff haben die Trossinger getan, als sie die Württembergische Philharmonie Reutlingen (WPR) für ihr abwechslungsreiches und qualitätvolles Programm im Konzerthaus gewinnen konnten.

 

Und die Reutlinger haben einen guten Fang gemacht und mit ihrer Dirigentin Ariane Matiakh ein wahres Energiebündel an Land gezogen. Seit der Spielzeit 2022/2023 ist die Französin Chefdirigentin der WPR und hat ganz offensichtlich einen guten Draht zu den Musikerinnen und Musikern des Orchesters. Fest geerdet, mal feldwebelig, mal elfengleich dirigierend, hat sie den großen Orchesterapparat bestens im Griff und entlockt ihm alles, von fein nuancierten Soli bis zu den größten Klangballungen des kompletten Ensembles.

Nuancierte Soli

Zum Einsatz kamen diese Fähigkeiten im Klavierkonzert Nr. 1 d-Moll op. 15 von Johannes Brahms (1833-1897), komponiert ab 1854 und uraufgeführt 1859 mit Brahms als Solisten, und in der Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 von Antonin Dvořàk (1841-1904), uraufgeführt 1890 unter der Leitung des Komponisten. Beides sind romantische, jedoch sehr gegensätzliche Werke.

Das Orchester gestaltete die beiden Kompositionen entsprechend unterschiedlich. Überwog bei Brahms noch ein sehr direkter, oft schroffer Orchesterklang, so entfalteten die Orchesterleute in der Dvořàk-Sinfonie einen sehr eingängigen, schmelzenden Klang, der die reichhaltigen melodischen Einfälle des Komponisten gut zur Geltung brachte.

Ariane Matiakh switchte lässig vom einen zum anderen Stil, immer mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht und einer bis in die Haarspitzen reichenden Körperspannung. So war es nicht weiter verwunderlich, dass es für den Solisten am Klavier, Saleem Ashkar, ein Leichtes war, seinen Solopart mit dem Orchester in Einklang zu bringen.

Souverän und brillant

Der in Berlin lebende Pianist, der als 17-Jähriger von Zubin Mehta entdeckt wurde, spielte souverän und brillant, entfaltete mit ganz ruhiger Körperhaltung eine große Bandbreite an Klangfarben, die das Brahms`sche Werk in all seinen Facetten erstrahlen ließ. Klare Stimmführung und gefühlvoll gestaltete Melodiebögen beispielsweise im langsamen Satz sowie virtuoses Spiel in der Schluss-Kadenz begeisterten das Publikum, das großzügigen Applaus spendete.

So auch nach der Dvořàk-Sinfonie, sodass das Orchester nicht umhin kam, eine Zugabe zu geben. Sportlich und dynamisch sprintete Ariane Mathiak zurück auf die Bühne, straffte sich und, zack, ging es los mit der Zugabe, dem „Ungarischen Tanz“ Nr. 5 in e-Moll.

Die Interpretation war so hinreißend und wahrlich sportlich umgesetzt, dass sogar der Korkgriff des Taktstocks in Bewegung kam, ins Publikum flog und, nachdem der Tanz vorbeigerauscht war, mit einem Lachen von der Dirigentin wieder entgegengenommen wurde.