Reinhold Kälberers Blick ist mal nachdenklich, mal pointiert humorvoll. Foto: Vollmer

Reinhold Kälberer brilliert mit scharfsinnigen Fabeln und zeigt dabei auch viel Humor. Etwa, wenn es darum geht, wie ein Esel Wein zu ... lesen.

Freunde der bildenden Kunst kennen Reinhold Kälberer, den Sohn des Malers Paul Kälberer, seit Jahren von seinen lebhaft gestalteten Druckvorführungen der Radierungen seines Vaters im Atelierhaus, bei denen er immer gerne sein umfassendes Wissen und seine Begeisterung für die Druckkunst teilt.

 

Nun zeigt der Sprachwissenschaftler auch seine Hingabe für Prosa und experimentelle Lyrik. Vor einem Jahr stellte er seinen ersten Band „Flügelmann und andere Geschichten“ vor.

Kindheit und Familie

Bei der Finissage der Ausstellung „Paul Kälberer – Wege nach irgendwo“ las Kälberer aus seinem zweiten Werk „Orpheus“ – im Banne der Lyrik – vor und entführte seine Zuhörer auf eine sprachliche Reise durch Jahrtausende und Kontinente.

Unendlich scheinen die Sujets, aus denen Kälberer Wortkreationen lebendig werden lässt. Der Geschichtensammler holt sich Anregungen aus der Kindheit, der schwäbischen Heimat und von seinen vielen Reisen; aber natürlich auch aus dem Familienkreis oder von Freunden.

Er schreibt „so nett“

Spannend wanderte Kälberer bei der Lesung zwischen Prosa und klanglich-rhythmisch betonten Reimen. Bei einer Miniatur hob er die Konsonanten so hervor, dass die Vokale fast unbemerkt blieben.

Sein Blick ist mal nachdenklich, mal pointiert humorvoll, aber immer treffend. Mit einem Augenzwinkern stellte er sein erstes Gedicht, „Frage und Antwort“, das mit „Hat die Muse Sie geküsst“ beginnt und das er „so nett“ anstatt Sonett bezeichnet.

Im Kleinen ganz groß

Gemäß La Fontaine zeigt er brillant die Eigenheiten der Menschen in seinen Fabeln wie „Der Wolf, der Bär und der Fuchs“ oder „Das Glühwürmchen und die Schnecke“ oder gar Politisches bei „Der Putin und die Ukraine“.

Mit seinem „Schwäbischen Bekenntnis – Wir sind groß – im Kleinen“ spielt er gekonnt und ironisch mit Sprache und Grammatik. „Glatter Unsinn“ ist eine scharfsinnige Stichelei auf die Glatter Ritterspiele.

Den Wein lesen

Zuletzt trug er ein nicht veröffentlichtes Gedicht vor. Es handelt von einem Besuch der Bibliothek in Sélestat im Elsass mit ehemaligen Kollegen und von Weinproben – jedoch in der falschen Reihenfolge.

Denn der Schluss lautet „Wie der Esel von Buridan – muss man auch Weine ... lesen“. Ein inspirierender Nachmittag voller Sprachkunst, der mit begeistertem Applaus endete und noch lange im Gedächtnis bleiben dürfte.