Mit diesen „Rolling Stones“ könnte man die Kirche rocken. Foto: Vögele

Im Sulzer Albeck-Gymnasium lassen sich die „Maulflaschen“ mit ihrer Zustandsanalyse der Kirche feiern. Und sie haben eine Vision für die gedeihliche Zukunft.

Ein wahres Kabarett- Feuerwerk mit viel Tiefgang, eingebettet in geistreichen Witz, spritzigen Humor, Selbstkritik mit Ecken und Kanten und Visionsgeist, präsentierten die „Maulflaschen“ zum Thema „ Wer’s glaubt“ in Sulz.

 

Im vollen Musiksaal des Albeck-Gymnasiums erlebte das Publikum zweieinhalb Stunden ein mitreißendes Programm, das auf feinem Porzellan serviert wurde – ohne banale Gebrauchsspuren oder derbe Dellen.

Auf Einladung der Kirchengemeinde

Die „ Maulflaschen“ sind Publikumspreisträger des Kirchenkabarettpreises „Honnefer Zündkerze“. Sie gastierten auf Einladung der katholischen Kirchengemeinde in Sulz.

Entsprechend dem immer wieder eingeflochtenen Liedteil „Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde“ sahen die fünf Künstler die Zeit jetzt für Veränderungen in der katholischen Kirche gekommen. Eine Image-Kampagne hieß dann alle „Willkommen in the Church“. Die beiden „goldigen Zwillinge“ Katholina und Evangelina in einer Privatschule gaben wegen ihres starren Verhaltens Anlass für ein Elterngespräch. Katholina lasse sich nichts sagen: „So bin ich halt seit 2000 Jahren“. „ Hier stehe ich, ich kann nichts dafür“, sei Evangelinas Standpunkt. Weitere „ Einzelverfehlungen“ wurden aufgelistet, bevor Schulleiter Heilgeist das kooperative Verhalten der Schüler als Muss in den Raum stellte.

Bester Italo-Pop

In einem christlichen Reisebüro unterschreiben zwei Urlaubswillige ihren Wiedereintritt in die Kirche, die einer besonderen Location gleichkommt. Beim Urlaub in Italien kam der Wunsch auf „ Papa Leone, der Mut sei mit dir“, entsprechend des Hits aus den 1970er-Jahren. Das Publikum wurde auch Zaungast der ökumenischen Weltsynode, die Aussagen von vier Teilnehmern unterstreichend, etwa von Manfred aus Deutschland „Nix derf mer“ oder von Eric aus Schweden „Das gibt es alles bei Ikea“.

Wahre Lachsalven erzeugte das alte Handy eines Kirchenbesuchers, der wissen wollte, was es Neues in der Kirche gebe. Und ein Immobilienmakler versprach beim geplanten Kauf einer Kirche: „I have a dream. I will make this room great again.“

Coole Zukunft und alte Haltungen

Die Berufsberatung für Mustafa, der eine Führungsposition wollte, setzte die Krone auf. Bei einem katholischen Konzern in Rom schwebt ihm auf der Karriereleiter die Position des „PM“ vor – Papst Mustafa, der dann in einem Sternsingerauto (Papamobil Mercedes) fahre. Thematisiert wurden auch der Zölibat und die Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche.

Wie ein roter Faden zog sich das für 2030 geplante erste ökumenische „Gesängbuch“ durch, dem „ Länd“ angepasst. Die dortigen Lieder im Dreivierteltakt wurden mitgeschunkelt zur Freude der Besucher und der Künstler. Für die modernen Friedens- und Segenslieder standen die Rolling Stones, Stilikone Lady Gaga und Popstar Helene Fischer Pate, damit alle atemlos „Sorgenlos gehn wir weg von hier“ mitsingen können.

Donnernder Applaus belohnte die Künstler, die dafür noch die wackelige Ökumene beleuchteten. Sie tue gut, aber da helfe nur noch beten und das Lied Nr.1001 im neuen Gesängbuch 2030, dass sie wahr werde.