Ein „etwas anderes Chorkonzert“ erwartete am Dienstagabend all jene, die ihren Weg zur Schwenninger Pauluskirche gefunden hatten, um dem Tuttlinger „Etwas Anderen Chor“ zu lauschen – und das waren nicht wenige.
Dicht an dicht drängten sich die Konzertbesucher auf Stühlen und Tischen, die den Zuletztgekommenen als Sitzplatz dienten. So groß war der Zustrom, dass nicht einmal für alle Gäste genügend Platz vorhanden war und manch einer unverrichteter Dinge heimkehren musste.
Bereits beim ersten Lied sollte sich zeigen, dass die Zeit des Wartens nicht vergeblich gewesen war. Stimme für Stimme zogen die Sängerinnen und Sänger mit dem südafrikanischen Lied Shosholoza in die Kirche ein. Dies war der Auftakt für einen abwechslungsreichen musikalischen Abend, den der Chor unter der Leitung von Lena Bäuerle den Zuhörern bereitete.
Lena Bäuerle ist die nunmehr zweite Dirigentin des mehr als 30 Jahre alten Chores und erst seit September mit ihm am Proben – der Konzertabend in der Vesperkirche war ihr erster Auftritt mit dem Etwas Anderen Chor. Zuvor führte Joachim Brenn den Taktstock.
Besonderes Sprechstück
Trotz der verhältnismäßig kurzen Probenzeit gelang es der Dirigentin, mit dem Chor ein vielfältiges Programm zu erarbeiten. Neben Klassikern wie zum Beispiel „What a Wonderful World“ von Louis Armstrong und „I Wish I Knew How It Would Feel to Be Free“ von Billy Taylor präsentierte der Chor auch „etwas andere“ Dinge. So auch ein rhythmisches Sprechstück mit dem klangvollen und treffenden Titel „Meinungsverschiedenheit“. Mehrstimmig und streckenweise fast an einen Kanon anmutend, beschimpfte sich hier der in zwei Hälften geteilte Chor. Einem Klassiker des Etwas Anderen Chores gelang es besonders gut, das Publikum mitzunehmen, nämlich dem gesungenen südafrikanischen „Vater unser“. Die schwungvollen Rhythmen und der volle Chorklang luden fast zum Mittanzen ein – aber dafür war es wohl doch zu voll in der Kirche.
Publikum singt mit
Aktiv werden durfte das Publikum jedoch an anderer Stelle. Gleich mehrstimmig wurde es bei dem Klassiker „Take Five“, bei dem Chor und Publikum in drei Gruppen geteilt wurden und nun zusammen sangen.
Auch beim letzten offiziellen Stück des Abends – einem namibischen Abschiedslied – wurde das Publikum involviert. Es durfte den Sopran singen, der sei, so Bäuerle, „ganz einfach“. Ob er wirklich einfach war, gut, diese Frage soll unbeantwortet bleiben, aber mithilfe der Liedblätter (auch wenn ihre Anzahl nicht auf solche Publikumsströme ausgelegt war) und der kompetenten Anleitung durch Bäuerle wurde die Herausforderung gemeistert.
Chor und Dirigentin ernteten am Ende des leider viel zu kurzen „etwas anderen“ Abends einen tosenden Applaus und bedankten sich mit zwei Zugaben. Da kann man nur sagen: „Jumbo-oh-loloh!“