Vor der Krippenszene im Turm von St. Maria von 1957 dankt Dorothee Eisenlohr dem Gestalter der Ausstellung Ulrich Scheller. Foto: Ziechaus

Mit Krippenbauer Ulrich Scheller aus Engen hat Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr nun die Weihnachtsausstellung im Stadtmuseum Schramberg eröffnet.

Schramberg - Zum 100. Geburtstag von Max Scheller junior (1921 bis 1985) sind erstmals Krippen von vier Generationen der Krippenbauer aus der Familie Scheller in einer gemeinsamen Ausstellung zu sehen.

Max Scheller war Feinmechanikermeister bei Junghans und lebte mit seiner Familie in Schramberg in der Weihergasse. Dorothee Eisenlohr erinnerte an den Mitbegründer der Schramberger Schule im Krippenbau, der von Karl Otto Schimpf (1891 bis 1974) beeinflusst wurde und ab Mitte der 1930er-Jahre meist Kastenkrippen gebaut habe. Zuvor waren offene Landschaftskrippen in Kirchen aufgestellt worden, verwies die wissenschaftliche Mitarbeiterin Annette Hehr auf den später klar abgegrenzten Bühnenraum.

Krippen wurden für die Betrachter als Erlebnisse mit vielen Einzelheiten mit Tieren und Werkzeugen des Hirtenalltags inszeniert. "Mein Vater hat das Freilichttheater auf die Bühne geholt", erklärte Ulrich Scheller den Wandel in der Darstellung der Geburt Christi. Dabei habe es auch immer einen gemalten Ausblick in die Landschaft oder in den Sternenhimmel gegeben.

Vom Sommer bis Weihnachten wurde im Hause Scheller an Krippen gearbeitet, die gezielt gestaltet wurden. So verliefen die Fugen der Bodenfliesen oder die Dachbalken auf die heilige Familie um die Krippe hin, wie bei der Krippe auf dem Plakat für die Ausstellung, die 1957 von Max Scheller gestaltet wurde. Mit seinem Sohn Ulrich und dessen Sohn Urs wurde der Bau von Krippen zu einer Familientradition, die sie in jährlichen in Ausstellungen vorstellen. So hat jetzt der ehemalige Schulleiter aus Engen, Ulrich Scheller, typische Krippen von seinem Vater Max bis zur ersten Miniaturkrippe des achtjährigen Enkels Max Otto zusammengestellt.

In dem abgedunkelten Raum beleuchten hinter den Glaswänden fast zwanzig Darstellungen die Geburt Christi im Stall, unter dem Dach des Vogtsbauernhofs oder im runden Kirchturm von St. Maria. Frösteln könnten Besucher beim Anblick der "Flucht im Kahn", mit dem Max Scheller ein Kriegserlebnis dargestellt habe, erzählt Ulrich Scheller. Als Soldat musste der Vater in einem Boot ein Kabel im Fluss Dnjepr verlegen und war dabei ins eiskalte Wasser gestürzt. Dieses abschreckende Erlebnis hat er 1963 zu einer dunkelblauen Krippenszene im Kahn über den kalten Fluten des russischen Stroms verarbeitet.

Die Ausstellung wird ergänzt durch eine Videopräsentation von Ferdinand Moosmann über Max Scheller. Am Aus- und Aufbau der Krippen waren auch Walter Hartmann, Richard Marte, Thomas Rapp und Fritz Grüner beteiligt.

Die Ausstellung ist bis zum 2. Februar im Erdgeschoss im Schloss Schramberg zu sehen.