Einiges mitgebracht: Sechs Wochen hat Rémy Trevisan für den Umzug nach Lauterbach gebraucht. Foto: Riesterer

Gute Nachrichten von Rémy Trevisan: Einer von Schrambergs bedeutendsten Künstlern hat ein neues Atelier gefunden – in ehemaligen Klassenräumen der Grundschule im benachbarten Lauterbach.

Schramberg/Lauterbach - Auch wenn er nun mit dem Auto ins Atelier fahren muss und auch, wenn in diesem die obligatorischen Farbflecken auf dem Boden zur typischen Atelier-Patina noch fehlen: Rémy Trevisan fühlt sich in seinen neuen Räumen in Lauterbach sichtlich wohl. "Nach 34 Jahren als Künstler in Schramberg habe ich nun ein neues Zuhause in Lauterbach gefunden", sagt er in seinen Stuhl zurückgelehnt. Künstlerische Heimat selbstredend – wohnhaft bleibt Trevisan in Schramberg. "An einen Wegzug habe ich nie gedacht. Meine Verbindung zu der Stadt und unserem Kunstverein ist lang und intensiv."

Schwierige Zeit

Sein Atelier in der Oberndorfer Straße hatte er relativ kurzfristig räumen müssen, erinnert Trevisan, weil die Sparkasse das Haus an einen Immobilienmakler verkaufte. Dieser habe ihm von Anfang an deutlich klar gemacht, dass es für den Künstler, der als Gewerbe eingemietet war, keine Chance auf einen Verbleib oder eine Verlängerung einer Frist gebe – "da bekam ich schon Angst".

Es habe es sehr bedauert, dass ihm so wenig Zeit gelassen wurde, ein neues Atelier zu finanzierbaren Bedingungen zu finden. Das habe großen Druck auf ihn ausgeübt. Sein Dank gelte daher Lars Bornschein, dem Vorsitzenden von "Podium Kunst", der ihn bei der Suche unterstützt habe.

Auch nach dem Bericht unserer Redaktion hätten sich viele Angebote von privater Seite ergeben, bei denen die Räume allerdings nicht geeignet waren oder die seine finanziellen Mittel überstiegen. "Für die vielen Angebote möchte ich mich herzlich bedanken. Aber ich war ja komplett durch die Pandemie ausgebremst. Meine langjährige Arbeit bei der Lebenshilfe wurde ausgesetzt, alle anstehenden Ausstellungen abgesagt oder verschoben, sodass ein Verkauf von Bildern nicht möglich war. Ich lebte komplett von Erspartem", schildert er die Situation.

Norbert Swoboda hilft

Dass es in der kurzen Zeitspanne im Sommer keine Angebote der Stadt Schramberg geben konnte, sei verständlich, sagt Trevisan, zumal ein Umzug eines Ateliers sehr aufwendig sei. "Sechs Wochen habe ich nun für den Umzug gebraucht. Und ich habe auch einiges ausgemistet", sagt der Künstler. "Im Frühsommer erhielt ich dann überraschend ein sehr gutes Angebot von Norbert Swoboda." Der Bürgermeister von Lauterbach hatte von der Suche des Künstlers gehört und sich engagiert dafür eingesetzt, dass auch in "seinem Ort" private Räume zur Verfügung gestellt werden konnten. "Er war wirklich eine tolle Stütze", freut sich Trevisan. Die Lösung waren dann aber gemeinde-eigene Räume: "In der ehemaligen Grundschule gab es zwei große leerstehende Räume, die sich perfekt für ein Maleratelier eignen und sofort zur Verfügung standen. Vertragsdauer und Preis kamen meinen Vorstellungen auch entgegen, sodass ich freudig zugestimmt habe."

Nachdem auch der Gemeinderat Lauterbachs sein okay gegeben hatte, durfte Trevisan die Räume – sie befinden sich im mittleren Gebäude des Schulgeländes, Pfarrer-Sieger-Straße 25, einer ist gegenüber des Physiksaals, der andere liegt im Stock genau darüber – noch vor Vertragsbeginn beziehen. Für diese schnelle und unbürokratische Hilfe sei er sehr dankbar, betont der Künstler.

Atmosphäre schaffen

Seit dem 1. September arbeitet Rémy Trevisan nun in Lauterbach. Es wird noch ein wenig dauern, bis er die für seine Arbeit wichtige Atmosphäre geschaffen habe – die "Seele des Hauses" in dem ehemaligen Schulgebäude wegwischen, wie er es ausdrückt –, dann möchte aber noch vor Weihnachten eine kleine Eröffnungsfeier veranstalten, kündigt er an. Sein altes Atelier sei "eher intim" gewesen, beschreibt er mit einem Lächeln. Das nun sei größer, offener, "aber sehr angenehm".

Über die Kinder der benachbarten Grundschule freue er sich. Es sei ein "toller Kontrast" zu den eher von Lastwagen dominierten Rahmenbedingungen in Schramberg. "Die Luft hier ist gut", sagt er augenzwinkernd. Derzeit arbeite er an Arbeiten für ein Projektstipendium beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, für freischaffende Künstler, für das er sich erfolgreich beworben hatte. Gerade zu Anfangszeiten der Pandemie 2020 "konnte ich nicht mehr malen", sagt er. Die vielen Hilfen, die ihm zuletzt zuteil wurden, hätten ihn bestärkt, seine Arbeit fortzusetzen.