Das Haus der Geschichte von Baden-Württemberg sieht im Schramberger Lichtspielhaus ein „Kulturdenkmal ersten Ranges“. Foto: Rainer Langenbacher

Der Förderverein plädiert dafür, das ehemalige Kino in öffentlicher Hand zu behalten.

„So ein Gebäude muss man wachküssen“, sagt Jo Glaser vom Förderverein Lichtspielhaus. Doch zunächst fühlten er und seine Vorstandskollegen sich selbst eher wachgerüttelt – und zwar in der Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt. Dort wurde die Reinigung des Lichtspielhauses beschlossen (wir berichteten). Dabei wurde für den Förderverein deutlich: Einen klaren Plan seitens der Stadt für das Kino-Gebäude scheint es nicht zu geben. Frühere Überlegungen, das Lichtspielhaus in den Schulcampus zu integrieren, sind bekanntlich längst vom Tisch.

 

In „gute Hände“

Stattdessen taucht das Gebäude inzwischen im Maßnahmenpaket zur Haushaltskonsolidierung auf – unter der Rubrik „Städtische Gebäude, die für den Verkauf oder eine andere Vergabe in Frage kommen“. Die Beschlussempfehlung lautet dort: „Verkehrswert ermitteln, Gremium mit Verkauf/Verpachtung befassen.“Oder, wie Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr es im Ausschuss formulierte: Es gebe Überlegungen, das Gebäude „in gute Hände“ zu geben.

„Wir werben dafür, das Gebäude in öffentlicher Hand zu behalten“, sagt dazu Vorstandsmitglied Carsten Kohlmann. Bereits im Herbst vergangenen Jahres habe der Verein der Stadt ein Nutzungskonzept sowie ein Handout mit möglichen Perspektiven vorgestellt. Diese Informationen erreichen die Stadträte offenbar jedoch nie – so jedenfalls der Eindruck nach entsprechenden Nachfragen einzelner Stadträte in der Ausschusssitzung.

„Erster Schritt, aber keine Lösung“

Für den Förderverein stellt sich die zentrale Frage: Welche Perspektiven sieht die Stadt selbst für das Gebäude? Die beschlossene Reinigung sei zwar „ein erster Schritt, aber keine Lösung“. Der Vorstand mit Carsten Kohlmann, Jo Glaser, Lars Bornschein und Rainer Langenbacher haben ein klares Ziel: Sie möchten das Gebäude mit Blick auf das 100-jährige Bestehen im Jahr 2028 wieder „erlebbar“ machen. Ein konkretes Projekt läuft bereits: ein Dokumentarfilm über das Lichtspielhaus. Kohlmann bezeichnet ihn als „erheblichen Werbeträger“ für die Stadt. „Ein realistischer nächster Schritt wäre eine festliche Premiere dieses Filmes im Lichtspielhaus selbst, sobald das Gebäude wieder betreten werden und in einem gewissen Rahmen genutzt werden darf.“

„Bürde von 35 000 Euro“

Derzeit fühle sich die Situation allerdings „ein bisschen so an, als würde man eine Bürde von 35 000 Euro tragen“, sagt Glaser. Als Vorsitzender der M.I.S. weiß er, wie knapp die Mittel in der Schramberger Kulturlandschaft sind. Zugleich betont der Vorstand: „Der Betrag wird ja nicht für den Förderverein ausgegeben, sondern für die Bürger unserer Stadt.“ Die Verantwortung für das Gebäude liege letztlich beim Eigentümer – also bei der Stadt. Sie hat das Lichtspielhaus im September 2017 erworben. „Der Förderverein hat weder den Auftrag noch die Möglichkeit, ein Gebäude dieser Größenordnung zu kaufen oder eigenständig zu betreiben.“

Reinigung im Juli?

Für die nächsten Schritte sei deshalb wichtig zu wissen, wann die Reinigung tatsächlich stattfinden soll. Auf Anfrage sagt dazu der Pressesprecher der Stadt Schramberg, Hannes Herrmann: „Vergangenen Montag war bereits ein Sachverständiger im Lichtspielhaus und hat Proben entnommen. Wir warten nun auf die Ergebnisse und den Bericht des Instituts. Darauf aufbauend schreiben die Kollegen die Reinigung entsprechend aus. Bis die Ausschreibung erfolgt ist, der Auftrag vergeben wird und die Reinigung beginnen kann, wird voraussichtlich Juli sein.“

Motor für ein neues Stadtentwicklungskonzepts

Eine Wiederbelebung des Gebäudes – sei es als Kino, als niederschwelliger Treffpunkt für Vereine oder auch als Stadthalle – könnte bei Bürgern „ein Gefühl des Aufbruchs“ auslösen und sogar „ein Motor für ein neues Stadtentwicklungskonzept“ sein, formuliert Kohlmann.

Doch dafür müsse die Stadt zunächst selbst klar Position beziehen. Oder, um im Bild der Kinowelt zu bleiben: Der Vorhang muss sich erst einmal öffnen.