Jazz ist in der „Szene 64“ angekommen. Foto: Ziechaus

Zur 88. Hammond-Jazz-Night spielten ihre Heroes der ersten Stunden der Reihe im großen Saal in der „Szene 64“ zum Kulturbesen in der Geißhalde in Schramberg.

Oh Schreck, stimmt die Ankündigung von Reinhold Hettich mit der Schnapszahl 88 zur Hammond-Jazz-Night? Die erste mit Sängerin Dagmar Egger im September 2006 in der Villa Junghans ist noch nicht vergessen und die vielen folgenden mit Arno Haas sowieso nicht. Überhaupt, wir leben doch noch und wollen endlich wieder unsere Musik hören. Die Wände um uns sehen aus, wie die in Jazzkellern, wo wir schon so oft zum Blues geschwoft, zumindest zu „Kind of Blue“ von Miles Davis mit dem rechten Bein zum Takt gewippt haben. Jetzt witzelt der Ansager auch noch, dass er von Jazz keine Ahnung hat, aber mal zuhören will, was gleich von der Bühne hinter ihm kommt.

 

Die Hammond Jazz Night mit Reinhold Hettich, Arno Haas, Joe Kenny und Jörg Bach. Es fehlt Gitarrist Rares Popsa. Foto: Ziechaus

Ruhig und lächelnd belebten die fünf Musiker die Szene vor den roten Strahlern und eröffneten ihre Arbeit mit „call and responce“ im „Work Song“, den Nat Adderley seit 1960 zum Jazz-Standard gespielt hat. Zu eher ungewöhnlichen Walzerklängen stimmte Reinhold Hettich mit der Hammond an und Arno Haas verstärkte mit dem Saxofon für die Abrundung durch Rares Popsa an der Gitarre hin zum Solo von Joe Kenny am Vibrafon. Dieses traumhafte Zusammenspiel der Instrumentalisten so ganz nebenbei könnte auch den Moderator mit dem Valse Hot zum Jazzfan machen.

Aber für ein Kennenlernen im Jazz kam es noch besser mit einem typischen Blues von Ray Charles, zu dem die Solisten ganz einfach ihre Harmonien verschmelzen ließen. Mit dem auch heute in poppigen Versionen bekannten Moanin’ feierte Drummer Art Blakey mit den Jazz Messengers nach 1959 beachtliche Erfolge.

Eigenkomposition von Arno Haas

Ansager Joe Kenny stellte bei den europäischen Komponisten der Stücke seinen Band-Bruder Arno mit dessen Eigenkomposition „Like Bros & Sis“ vor, die gleich kraftvoll interpretiert wurde. Nach dem ruhigen Einstieg entwickelte er am Vibrafon ein abwechslungsreiches Spiel mit dem Saxofon und erinnerte an seinen Kollegen Dizzy Krisch, der auch schon in der Szene aufgetreten ist. Produzent Quincy Jones spielte schon seine poppigen Arrangements in „a hundred ways“, die jetzt mit der Band in einer überraschenden Wendung zu den Blues Brothers führten. Zu „Caravan“ von Wes Montgomery zeigte Jörg Bach, wie ein versierter Schlagzeuger die Felle seiner Trommeln und seinen Schädel als Resonanzkörper in Szene setzen und damit sein Publikum begeistern kann. So ist bei rund 200 Besuchern die Hammond-Jazz-Night mit jazzigem Mix aus Blues, Funk und Soul zum Bleiben in der „Szene 64“ angekommen.