Wenn Sabine Schief loslegt, muss das Publikum einfach mitmachen. Foto: Holzer-Rohrer

Nicht zum ersten Mal beweist sich der vor kurzem noch unbespielbare Bochinger „Kronesaal“ als Kleinkunstbühne. Doch mit diesem Ansturm hatte das Kulturamt nicht gerechnet.

„Das Leben ist schön, auch wenn alles dagegen spricht“, sagt Sabine Schief, eine Frau, die die Achterbahn des Lebens kennt und als Kabarettistin und Entertainerin einen so ehrlichen, treffsicheren, manchmal gnadenlosen, doch immer liebevollen Blick auf das Leben wirft.

 

Die „Herzhumoristin“ – die wohl beste Bezeichnung dieser außergewöhnlichen Künstlerin – bescherte den Menschen einen phänomenalen Abend und machte der Kleinkunstbühne im „Kronesaal“ alle Ehre. Schon auf dem Weg zur Bühne gewann sie die Herzen der überaus zahlreichen Gäste, denn nicht nur die „Pfundsweiber“ hatte sie angelockt, sondern auch jede Menge „Pfundskerle“ jubelten ihr zu, wobei dann schon mal klargestellt war, dass Schwäbisch sprachlich im Mittelpunkt des Abends stand.

Ein Gast beweist Mut und kommt auf die Bühne. Foto: Holzer-Rohrer

Mal temperamentvoll witzig, mal leidenschaftlich emotional, mal tiefsinnig und auch hintergründig, doch immer in großer Realitätsbezogenheit nimmt sie ihr Publikum in Bochingen auf eine Reise durch das Leben – mit ganz viel Wiedererkennungswert.

Schief macht als Meisterin des „Schiefen-Humors“ das Beste aus den Unzulänglichkeiten des Lebens. Da helfen doch ein paar Grundsätze ganz enorm: dass jeder Mensch ein Anrecht auf schlechte Laune hat, maßlos und auch grätig sein darf, und man sich besser selbst mit Komplimenten beschenkt und egoistisch sein „Jetzt bin I dra“ vertritt im Wissen, dass die Männer von der Pubertät nahtlos in die Midlifecrisis wechseln.

„Bleiben oder gehen“

Mit Gesang, Rap und Reimen, mit Gedichten und Geschichten ging es weiter um alles, was das Leben schwer, aber auch so lebenswert macht – mal mit Tiefgang, mal herrlich überdreht. Sie ging zurück in ihre Kindheit und Jugend ohne „MeToo“-Bewegung und „Hallo Fresh“ oder Lieferservice, sondern mit frisch gekochten schwäbischen Mahlzeiten von der Mama, zurück in eine Zeit, in der man sich über „bleiben oder gehen“ noch ausgiebig Gedanken gemacht hat – und schlussendlich doch blieb, weil man andere Blickwinkel zuließ.

Am „Dickmann“ kommt sie auch heute noch nicht vorbei. Foto: Holzer-Rohrer

Dass man sich von der Smartwatch sein Leben diktieren lässt, findet Sabine Schief ganz schön schräg, habe man denn nicht schon genug damit zu tun, sein zerknittertes Gesicht zu entfalten, Nebenschauplätze zu eröffnen, um vom Älterwerden abzulenken und den Ansprüchen zu genügen, zu denken wie ein Mann, sich zu benehmen wie eine Lady, auszusehen wie ein Mädchen und zu arbeiten wie ein Ackergaul.

Sie bezog ihr Publikum herzerfrischend mit ein, parierte spontane Äußerungen und wurde immer wieder von Szenenapplaus unterbrochen. Themen wie Erziehung, Werte wie Anstand und Freundlichkeit fanden sichtbare Zustimmung. Sabine Schief kann auch heute noch keinen „Dickmann“ ignorieren – sie stopfte gleich vier davon in sich hinein, und mancher hatte Zweifel, ob sie nach der Pause wieder aus der Kabine kommen würde.

Zweifellos hat die Kabarettistin laut ihren eigenen Worten ihre Befreiung auf der Bühne gefunden, denn sie lebt diesen Beruf so überzeugend intensiv, kann die Menschen ablenken und fesseln. „Freuen wir uns an dem, was klappt, wenn draußen alles drüber und drunter geht“ – das gab Sabine Schief mit auf den Weg am Ende eines wunderbaren Programms.

Die Kulturbeauftragte der Stadt Oberndorf, Anna Maria Altmann, sowie Hans-Jörg Kopf und Heidi Kuhring zeigten äußerst erfreut über die große Resonanz. Schnell war die Bestuhlung erweitert worden, um die überraschend vielen Gäste an der Abendkasse unterbringen zu können. Mit Getränken bewirtete der Kronesaal-Förderverein.