Die Steinbrücke im Glatter Täle ist ein Kulturdenkmal. Dafür gibt es laut der zuständigen Behörde gleich mehrere Gründe. Jetzt weist auch eine Tafel auf das besondere Bauwerk hin.
„Wo ist die Steinbrücke?“ Daniel Bonanno, neugewählter Stadtrat aus Glatt, hat davon noch nichts gehört. Da macht er keine Ausnahme.
Viele wissen nicht, dass sie, wenn sie das Glatter Täle hochlaufen oder fahren, irgendwann über eine Brücke kommen. Man wundert sich allenfalls über das Holzgeländer links und rechts der Straße. Eine Sitzbank ist auch aufgestellt worden.
Denkmalbehörden entscheiden
Jetzt steht noch ein Pfahl mit einer Tafel, die auf das jüngste Kulturdenkmal Glatts hinweist. Siegfried Esslinger hat sie aufstellen lassen. Er hat im April 2021 bei der unteren Denkmalbehörde der Stadt Sulz den Antrag gestellt zu prüfen, ob die Steinbrücke im Glatter Täle unter Denkmalschutz gestellt werden muss.
Er bat darum, den Antrag an die Denkmalbehörden in Rottweil und Freiburg weiterzuleiten. Dort wurde auch schon zwei Wochen später darüber entschieden, dass die Brücke in die Liste der Kulturdenkmäler in Baden-Württemberg aufgenommen wird.
Keine Mittel für Grünschnitt
Noch heute ist Esslinger nicht gerade amüsiert darüber, dass ihn die Stadt über diese Entscheidung erst ein halbes Jahr später informiert hat. Überhaupt schien das Interesse der Verwaltung an dem Kulturdenkmal nicht allzu groß zu sein. Die Brücke war von Gehölz und Gebüsch überwuchert.
Esslingers Anfrage, das Gestrüpp durch eine Firma – das hätte 300 Euro gekostet – oder den Bauhof entfernen zu lassen, hat die Verwaltung negativ beschieden. Im städtischen Haushalt seien dafür keine Mittel vorgesehen, auch verfüge die Stadt nicht über personelle Ressourcen, um den Bewuchs zu entfernen, war die Antwort.
„Opferstock“ für Brücke
Esslinger hat das dann selber erledigt. Eine Seite der Brücke ist freigeschnitten, man kann auch runter steigen, allerdings besteht Stolpergefahr. Unten sieht man das Gewölbe, das den trockenen Bachlauf überspannt. Auf der anderen Seite wuchert das Springkraut.
Bei seinem 90. Geburtstag im vergangenen Jahr stellte Esslinger einen „Opferstock“ für die Steinbrücke auf. Da kam auch einiges an Spenden rein, und damit finanzierte er die Tafel mit der Urkunde des Landesdenkmalamts zur „Brücke im Glatter Täle“.
Typisches Bruchsteinmauerwerk
Diese hatte in früheren Zeiten eine größere Bedeutung. Das hing damit zusammen, dass die heute unbedeutende Verbindungsstraße in der frühen Neuzeit eine wichtige Fernstraße vom Neckar nach Süden bis in die Schweiz war.
Das Bauwerk im Glatter Täle wird als eine sieben Meter breite Bogenbrücke aus Bruchsteinmauerwerk mit einem Gewölbe beschrieben. Dies sei eine typische Bauweise in der Zeit vor dem Aufkommen solider Brückenbauwerke aus sorgfältig behauenen Steinquadern im frühen 19. Jahrhundert gewesen.
Heimatgeschichtliches Kulturdenkmal
Die Steinbrücke im Glatter Täle sei aus wissenschaftlichen, vor allem bautypologischen und verkehrsgeschichtlichen sowie heimatgeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal. „An ihrer Erhaltung besteht insbesondere wegen des dokumentarischen und exemplarischen Wertes ein öffentliches Interesse“, heißt es in der Beurteilung des Landesamts für Denkmalpflege.
Der Pfahl mit der wetterfesten Tafel soll nur ein Provisorium sein. Esslinger will den Pflock mit Stein oder Holz ersetzten – entsprechend der historischen Bedeutung der Steinbrücke. Daniel Bananno hat sich übrigens vorgenommen, mal dorthin zu wandern.